Eriskrich Arman Aigner: "Ich will Eriskirch fit für die Zukunft machen"

Arman Aigner tritt am 1. Juli seinen Dienst als neuer Bürgermeister von Eriskirch an und hat sich viel vorgenommen.

Mal ehrlich: Haben Sie im Traum damit gerechnet, schon im ersten Wahlgang zum neuen Eriskircher Bürgermeister gewählt zu werden?

Ganz ehrlich ist das auch für mich eine sehr angenehme Überraschung gewesen. Es war im Vorfeld sehr schwer einzuschätzen, da meine Mitbewerber ebenso gute Chancen hatten und einen guten Wahlkampf geführt haben. Ich hatte aber aus den Bürgergesprächen und -kontakten im Wahlkampf schon geahnt und gehofft, vorne zu liegen. Dass es jetzt aber so deutlich ist, gibt mir eine Bestätigung mit ordentlichem Rückhalt für meine neuen Aufgaben.

Von der Polizeistube ins Rathaus: Wie groß ist für Sie persönlich der Schritt, den Sie mit dem beruflichen Wechsel wagen?

Vor meiner Kandidatur habe ich selbstverständlich gemeinsam mit meiner Ehefrau alle Aspekte abgewogen. Hier spielten neben den Veränderungen der beruflichen Tätigkeit an sich auch die Veränderungen im Familienleben, aber auch mein beamtenrechtlicher Status eine wichtige Rolle. Die großen Unterschiede zu meiner bisherigen Tätigkeit sind sicher, dass ich als Bürgermeister einen aktiven Mitgestaltungsspielraum und eine viel größere Aufgabenvielfalt habe. Das Miteinander steht für mich im Vordergrund. Der Wechsel ins Rathaus ist für mich eine große Herausforderung und Verantwortung. Diese hätte ich in keiner anderen Gemeinde angenommen. Mir liegt viel an Eriskirch und seinen Bürgern, sodass ich mich sehr freue, im Juli meinen Dienst als Bürgermeister zu beginnen.

Sie sind Klarinettist in der Eriskircher Musikkapelle. Wird es Ihnen als Parteilosem gelingen, den Fraktionen im Gemeinderat den Marsch zu blasen?

So wie ich die Gemeinderäte und die Arbeit der Fraktionen bisher erlebt habe, wird sehr konstruktiv und differenziert gearbeitet. Es herrscht aus meiner bisherigen Sicht ein sehr gutes kooperatives Arbeitsklima im Gemeinderat. In meiner bisherigen Tätigkeit waren für mich Teamarbeit und Kommunikationsfähigkeit genauso wichtig wie Durchsetzungskraft und Entscheidungsfähigkeit. Diese Eigenschaften kann ich einbringen. Wenn man das so zusammenfasst, wird sich das Marschblasen also aller Voraussicht nach auf die Musikkapelle beschränken.

Wo liegen Ihrer Ansicht nach die Stärken von Eriskirch?

Eriskirch ist ein wunderschön gelegener Ort an Schussen und Bodensee. Das Naturschutzgebiet Eriskircher Ried trägt unseren Ortsnamen und ist einzigartig am nördlichen Bodenseeufer. Eriskirch hat einen gesunden Haushalt und ist sogar seit Jahrzehnten schuldenfrei. Wir haben eine historisch gewachsene Landwirtschaft, gute innerörtliche Infrastruktur mit Grundschule, Ärzten, Einkaufsmöglichkeiten, Vereinen, etc. und liegen auch verkehrsgünstig zu den Oberzentren Friedrichshafen und Ravensburg. Dadurch, dass die Gemeinde kleiner ist, ist man nicht so anonym und man kennt sich auch im Ort. Die Menschen hier sind offen, freundlich und bringen sich aktiv durch die Arbeit in Ehrenamt und Vereinen ins Gemeindeleben mit ein.

Und wo sehen Sie in den kommenden Jahren Handlungsbedarf?

Verbesserungspotenzial gibt es natürlich auch in Eriskirch. Insgesamt möchte ich Eriskirch gerne fit für die Zukunft machen. Beispielsweise muss die Zufahrt zu unserem Gewerbegebiet Im Lehen verbessert werden. Die Stärkung der Landwirtschaft, der Breitbandausbau, der Ausbau der Kinderbetreuung zur Verbesserung von Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind hier die Stichworte. Die städtebauliche Entwicklung ist ein Langzeitthema, das die Gemeinde in den nächsten Jahren ebenfalls begleiten wird. Themen gibt es zur Genüge. Die Herausforderung ist, das Wohl der Gemeinde und die Haushaltsmittel im Auge zu behalten.

Fragen: Brigitte Geiselhart

Zur Person

Arman Aigner (45) kam vor 42 Jahren als Angehöriger der christlichen armenischen Minderheit aus Istanbul nach Deutschland. Er wuchs in Konstanz auf, studierte im Anschluss an die Fachhochschulreife Elektronik in Reutlingen und schloss danach eine Ausbildung zum Goldschmied ab. Ab 1996 war Arman Aigner im Polizeidienst des Landes Baden-Württemberg. Von 2001 bis 2004 studierte er an der Fachhochschule Villingen-Schwenningen Hochschule für Polizei mit Abschluss Diplom-Verwaltungswirt. Nach mehreren Jahren im Landeskriminalamt in Stuttgart und bei der Landespolizeidirektion in Tübingen kehrte er 2009 er an den Bodensee zurück, wo er bis zuletzt Leiter des Wasserschutzpostens Langenargen war. Am 9. April wurde er im ersten Wahlgang gegen zwei weitere Bewerber mit 51,7 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Sein neues Amt tritt er am 1. Juli an. Aigner ist mit seiner Frau Susanne verheiratet, hat drei Kinder (zwei, sechs und acht Jahre) und wohnt in Schlatt. (ght)

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