Deggenhausertal Musikvereins-Chefin Michaela Bodenmüller setzt auf das Ehrenamt

Auf einen Kaffee mit... Michaela Bodenmüller, die seit neun Jahren Vorsitzende des Musikvereins Homberg-Limpach ist. Eine Gesellschaft ohne Vereinsleben ist für sie undenkbar.

Frau Bodenmüller, Ende Oktober fand die traditionelle Halloween-Party des Fördervereins des Musikvereins Homberg-Limpach in der Alfons-Schmidmeister-Halle in Wittenhofen statt. Es war die erste Großveranstaltung in der grundlegend sanierten Halle. Was hat sich geändert?

Für uns als Veranstalter hat sich eigentlich nicht viel geändert. Es sind einige Sachen verbessert worden. Zum Beispiel beim Strom, den größere Bands brauchen. Ansonsten mussten wir den neuen Boden wie bisher durch den Schutzboden vor Beschädigungen bewahren. Wir waren etwas ängstlich, dass etwas an der neuen Halle bei der Party kaputt geht oder verkratzt wird. Deshalb haben wir auch die neuen Prallwände mit Folien geschützt. Und wir haben alles getan, damit nichts beschädigt wird und das hat auch geklappt. Ohne den Schutzboden, den wir selbst verlegen – darin haben wir schon eine gewisse Routine – wäre es allerdings eine Katastrophe.

Wie war die Resonanz?

Kurz nach halb elf waren wir ausverkauft und mussten die Halle schließen. Eigentlich müssen wir fast jedes Jahr ab einem gewissen Zeitpunkt die Halle schließen. Die Halloween-Party ist zu einem guten Zeitpunkt und sehr beliebt bei den Besuchern. Es ist auch von Vorteil, dass jeweils am Tag danach Feiertag ist.

Neben dem Dorffest in Limpach in Verbindung mit dem Summernight-Brass-Festival ist die Halloween-Party die wichtigste Einnahmequelle für den Verein. Lohnt der immense Aufwand für die beiden Veranstaltungen?

Ja, auf jeden Fall.

Stets sind die Vereinsmitglieder und oftmals deren Angehörige und auch Freunde ehrenamtlich für die Veranstaltungen im Einsatz. Wie motiviert man heute die Leute für die Feste aktiv zu werden?

Ich glaube, gerade die Halloween-Party ist etwas, was besonders den jungen Leuten sehr viel Spaß macht. Auch schon bei der Hallendekoration und -einrichtung machen sie mit großem Eifer mit und sie bringen auch viel Dekorationsmaterial selbst mit. Das sorgt für eine tolle Atmosphäre in der Halle. Wir haben bei beiden Festen das große Glück, das im Verein alle sehr aktiv sind und auch die Partner, Freunde und Bekannte kräftig mit anpacken. Wir können drauf zählen, dass uns alle unterstützen – und dafür sind wir sehr dankbar.

Glauben Sie, dass gerade im ländlichen Raum die Menschen eher bereit sind, ihre Freizeit für Vereine zu „opfern“, um den Zusammenhalt auf dem Land zu fördern?

Ich bin ganz sicher, dass das so ist. Denn in den Vereinen bilden sich auch die Freundeskreise. Auch die Jugendlichen treffen sich noch nach der Musikprobe und unternehmen was gemeinsam. Das war auch bei mir schon so, als ich mit vielleicht zehn Jahren in den Musikverein gegangen bin. Die da entstandenen Freundschaften gibt es bis heute. Die Vereine sind ganz wichtig für den Zusammenhalt in der Dorfgemeinschaft.

Wie sehen Sie die Zukunft für derartige Veranstaltungen vor dem Hintergrund des Leistungsdrucks in allen Bereichen und in Anbetracht der Tatsache, dass beispielsweise allein im Tal drei Musikvereine und viele andere Vereine und Institutionen auf die ehrenamtliche Mithilfe der Bürger angewiesen sind?

Das ist eine ganz schwierige Frage. Es wird auf jeden Fall mit dem Nachwuchs nicht leichter. Es gibt sehr viele Vereinsangebote im Deggenhausertal. Die Anforderungen in der Schule sind groß. Die Ganztagsschule ist ein tolles Angebot. Aber die Kinder und Jugendlichen haben dadurch einfach weniger Zeit.

Der Vorstand des Musikvereins Homberg Limpach bei der Wahl im April (von links): Julia Hahn, Andreas Benz, Sonja Bodenmüller, Michaela Bodenmüller, Josef Baur, Thomas Zimmermann und Verena Sturm.
Der Vorstand des Musikvereins Homberg Limpach bei der Wahl im April (von links): Julia Hahn, Andreas Benz, Sonja Bodenmüller, Michaela Bodenmüller, Josef Baur, Thomas Zimmermann und Verena Sturm. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Was macht der Musikverein mit dem vielen Geld, das die Veranstaltungen einbringen?

So viel Geld ist es jetzt auch wieder nicht. Man muss berücksichtigen, dass bei den Veranstaltungen erhebliche Kosten entstehen. Wie für die Musikkapelle und den DJ. Wir müssen sechs Mann Security bezahlen, Gema ist mittlerweile ein großer Kostenpunkt. Wir müssen ja auch die Hallenmiete bezahlen und alles war wir verkaufen müssen wir ja vorher erst einkaufen – um nur einiges zu nennen. Vom Erlös der Veranstaltungen kaufen wir Instrumente – beispielsweise in diesem Jahr eine teure Tuba. Wir stellen alle Instrumente für die Jugendlichen kostenlos zur Verfügung. Der Dirigent muss finanziert werden. Wie jeder andere Verein zahlen wir für den Probenraum im Dorfgemeinschaftshaus Miete. Auch für die Veranstaltungen fallen immer wieder Kosten an. Im vergangenen Jahr haben wir eine neue Bar gebaut, die bei beiden Festen gebraucht wird. Zwar haben wir die Bar mit großem Aufwand selbst gebaut, aber das Material musste ja bezahlt werden. Auch für die Beschallungsanlage sind immer wieder Investitionen erforderlich.

Seit wann sind Sie Vereinsvorsitzende des Musikvereins und wie lange kann der Verein noch auf Sie zählen?

Ich bin seit April 2008 Vorsitzende. Manchmal überlege ich mir natürlich schon, warum ich mir den großen Arbeitsaufwand zumute. Allerdings bin ich ein Vereinsmensch und der Musikverein liegt mir sehr am Herzen. Außerdem haben wir ein tolles Vorstandsteam und ich bekomme die Unterstützung aller Vereinsmitglieder. Und ich habe natürlich in Andreas Benz einen sehr guten und zuverlässigen Stellvertreter, der mir vieles abnimmt.

Neben der Vorstandstätigkeit sind Sie ja auch noch Ehefrau und Mutter sowie Musikantin und arbeiten jetzt wieder in Teilzeit in der Gemeindeverwaltung. Wie lässt sich das alles unter einen Hut bringen?

Das ist alles eine Frage der Organisation. Und natürlich funktioniert das nur mit der Unterstützung meiner Familie.

Wie motivieren Sie andere Menschen, sich ehrenamtlich zu engagieren?

Ich meine, ohne das Ehrenamt stirbt einfach vieles aus. Man stelle sich nur eine Gesellschaft ohne Vereinsleben vor – das ist für mich undenkbar.

FRAGEN: WOLF-DIETER GUIP

 

Zur Person

Michaela Bodenmüller, 40 Jahre, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Nach der mittleren Reife in Wilhelmsdorf erlernte sie bei der Gemeindeverwaltung in Deggenhausertal den Beruf der Verwaltungsfachangestellten und war dort etwa 17 Jahre Büroleiterin im Vorzimmer des damaligen Bürgermeisters Knut Simon. Seit Januar dieses Jahres – nach der Babypause – ist sie wieder in Teilzeit im Rathaus in Wittenhofen tätig. Neben ihrem wichtigsten Hobby, der Musik, ist sie gerne mit dem Fahrrad unterwegs und unternimmt viel mit ihrer Familie und den Kindern. (wdg)

 

 

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