Deggenhausertal Masterplan für Brückenbau gefragt

Frühestens im Frühjahr 2019 werden die Arbeiten für den Neubau der Brücke der Landesstraße in der Ortsdurchfahrt von Untersiggingen beginnen. Zuvor muss ein Masterplan her, um die erheblichen Verkehrsprobleme zu lösen, die diese Bauarbeiten mit sich bringen. Denn die Straße wird acht bis zehn Monate komplett gesperrt sein. Das schafft nicht nur Probleme für Anwohner und Unternehmen. Geklärt werden muss auch, wie Rettungsfahrzeuge und Feuerwehr auf schnellstem Weg zu den Einsatzorten kommen können.

Auf Veranlassung des Regierungspräsidiums Tübingen ist die Brücke über die Deggenhauser Aach beim D-Tal-Markt in Untersiggingen im Herbst gründlich untersucht worden. Das Ergebnis: Die Brücke ist nicht nur ein Sanierungsfall, sie muss komplett erneuert werden. Ein Anwohner in Untersiggingen sagte auf Nachfrage des SÜDKURIER: "Das ist ja auch kein Wunder, dass die Brücke marode ist, bei dem Verkehr und vor allem Schwerlastverkehr, der seit Jahren immer mehr über die Straße durchs Deggenhausertal rauscht."

Bei der jüngsten Einwohnerversammlung hatte Bürgermeister Fabian Meschenmoser angekündigt, dass die Brücke für vielleicht acht Monate komplett für den Verkehr gesperrt werden müsse. Die Bürger im Saal des Feuerwehrgerätehauses hatten deutlich ihr Missfallen bekundet (der SÜDKURIER berichtete). In der Gemeinderatssitzung Anfang Dezember hatte Gemeinderat Markus Rief (FWV) betont: "Für die Sperrung der Brücke und damit die Totalsperrung der Landesstraße 204 in der Ortsdurchfahrt Untersiggingen sollte frühzeitig ein Wegenetz für die Umfahrung der Baustelle aufgebaut werden." Dabei seien insbesondere kurze Wege für die Feuerwehr und Rettungsdienste zu berücksichtigen. Für sie sollten Umfahrungen durch Wohngebiete und das Gewerbegebiet vorgesehen werden. Es müssten rechtzeitig Möglichkeiten geschaffen werden, damit der Ortsteil Untersiggingen nicht völlig abgeschnitten wird. "Wir sind bereits mit dem Regierungspräsidium in Kontakt, damit das Tal nicht in zwei Hälften durchgeschnitten wird", sagte Bürgermeister Fabian Meschenmoser.

Mitarbeiter der Firma Baugrund Süd hatten im September Bodenuntersuchungen beidseitig der Aachbrücke vorgenommen, über die die Landesstraße 204 verläuft. Das Ergebnis: Die Brücke muss komplett erneuert werden.
Mitarbeiter der Firma Baugrund Süd hatten im September Bodenuntersuchungen beidseitig der Aachbrücke vorgenommen, über die die Landesstraße 204 verläuft. Das Ergebnis: Die Brücke muss komplett erneuert werden. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Was sagen die Bürger im Tal? Die Geschäftsführerin der Firma Moog Brückenuntersichtgeräte im Gewerbegebiet Untersiggingen, Rita Moog: "Für unsere Mitarbeiter, die Anwohner in Untersiggingen, den Tourismus, die Postzustellung und vieles mehr wird die Sperrung wohl katastrophal werden." Für ihr Unternehmen selbst sieht sie weniger Probleme, weil sowohl Zulieferung, als auch Vertrieb überwiegend Richtung Wittenhofen nach Friedrichshafen und Ravensburg erfolgen. Eine Anwohnerin klangt: "Mein Mann muss nach Illmensee zur Arbeit und da ist es dann nicht möglich, von Untersiggingen über Wittenhofen zu fahren."

Mehrere befragte Untersigginger spielen mit dem Gedanken, ihre Fahrzeuge im Gewerbegebiet abzustellen und von dort aus Richtung Wittenhofen zu fahren. Dies könnte zu erheblichen Problemen im Gewerbegebiet führen. Erschwerend kommt hinzu, dass Eltern, die ihre Kinder ins Kinderhaus und den Waldorfkindergarten in Untersiggingen bringen, ebenfalls das Gewerbegebiet und die Fußgänger- und Fahrradbrücke hinter dem Dorfgemeinschaftshaus nutzen könnten.

Die Fußgängerbrücke zwischen dem Dorfgemeinschaftshaus und dem Gewerbegebiet wird zumindest für Fußgänger den Weg nach Wittenhofen erschließen, wenn die Brücke gesperrt wird.
Die Fußgängerbrücke zwischen dem Dorfgemeinschaftshaus und dem Gewerbegebiet wird zumindest für Fußgänger den Weg nach Wittenhofen erschließen, wenn die Brücke gesperrt wird. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Frank Hamburger, Leiter des D-Tal-Markts und Geschäftsführer der RWG, sagt zu einer Sperrung der Brücke: "Das wird eine ganz schwierige Zeit, weil Untersiggingen dann zu einer Sackgasse wird." Es werde schwierig, Kunden Richtung Markdorf und Salem zu bedienen. Auch die Lieferanten der RWG müssten wohl endlose Umleitungen fahren.

Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Deggenhausertal, Karl-Heinz Bentele, sagte "Ich werde zu gegebener Zeit mit der Gemeindeverwaltung sprechen und einen Masterplan erstellen. Zum jetzigen Zeitpunkt steht der Baubeginn noch nicht fest. Eine Lösung für mich und die Feuerwehr kann sein, den Geh- und Radweg beim Bauhof als Rettungsstraße für Einsatzfahrzeuge zu öffnen und eventuell auszubauen, was aber im Masterplan dann festgehalten werden muss."

Der Fuß- und Radweg beim Bauhof könnte theoretisch während der Sperrung der Brücke zu einer Behelfsstraße werden.
Der Fuß- und Radweg beim Bauhof könnte theoretisch während der Sperrung der Brücke zu einer Behelfsstraße werden. | Bild: Wolf-Dieter Guip

 

Regierungspräsidium zur Brückenerneuerung

Dirk Abel, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Tübingen, informiert auf Nachfrage des ­SÜDKURIER über den Zeitplan zur Bückenerneuerung:

„Die bestehende Straßenbrücke über die Deggenhauser Aach entspricht nicht mehr den aktuellen Anforderungen, die an Straßenbrücken im Zuge von Landesstraßen zu stellen sind, und weist zudem starke Schädigungen auf. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist eine Sanierung nicht sinnvoll. Es ist vielmehr vorgesehen, das Brückenbauwerk durch einen Neubau zu ersetzen. Die stromabwärts neben der Straßenbrücke liegende Geh- und Radwegbrücke bleibt ohne Änderungen erhalten. Die Planungen für den Brückenneubau laufen und werden, sofern das erforderliche Genehmigungsverfahren ohne größere Verzögerungen durchgeführt werden kann, voraussichtlich im Herbst 2018 abgeschlossen sein. Ein Baubeginn für das Brückenbauwerk ist somit frühestens ab Frühjahr 2019 realistisch. Wir gehen derzeit von einer Bauzeit zwischen acht bis zehn Monaten aus. Während dieser Zeit muss die L 204 (Wittenhofer Straße) voll gesperrt werden. Das hierfür erforderliche Umleitungskonzept für den großräumigen und innerörtlichen Verkehr, welches selbstverständlich mit den betroffenen Gemeinden und der Verkehrskommission im Vorfeld abgestimmt wird, liegt aktuell noch nicht vor.“

Auf die Frage, ob im Zuge der Arbeiten auch gleich die L 204 in der Ortsdurchfahrt saniert wird: „Die aus der Zustandserfassung und -Bewertung (ZEB) 2016 entwickelte Projektliste der dringlichsten Erhaltungsmaßnahmen für den Zeitraum 2017 bis 2020 beinhaltet keine Maßnahmen in der Ortsdurchfahrt Untersiggingen. Es muss erst noch geprüft werden, ob und inwieweit es möglich sein wird, im Rahmen des Brückenneubaus auch die Ortsdurchfahrt Untersiggingen zu sanieren.“

 

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