Deggenhausertal Jahresgespräch mit Bürgermeister Fabian Meschenmoser: "Wir sind einen großen Schritt vorangekommen"

Schnelles Internet, Gewerbeansiedlung, Kindergarten, Baugebiete: Deggenhausertals Bürgermeister Fabian Meschenmoser spricht über Geleistetes und Vorhaben

Herr Meschenmoser, bei Ihrer Vereidigung als Bürgermeister der Gemeinde Deggenhausertal vor gut einem Jahr haben einige Festredner von den großen Fußstapfen Ihres Vorgängers gesprochen, in die Sie hineinwachsen müssten. Inwieweit ist Ihnen das aus Ihrer Sicht bisher gelungen?

Es wurde zwar von großen Fußstapfen gesprochen, aber es wurde auch gesagt, dass ich diese verlassen und meine eignen Spuren hinterlassen kann. Und auf diesem Weg befinde ich mich. Ich glaube, wir haben in diesem Jahr doch schon einige Schritte getan, die die positive Entwicklung der Gemeinde Deggenhausertal voranbringt und künftig weiter voranbringen wird.

Welches waren für Sie die wichtigsten Themen, die Sie 2017 gemeinsam mit der Verwaltung und dem Gemeinderat abgearbeitet haben?

Das war zum einen der zweite Bauabschnitt zur Sanierung der Alfons-Schmidmeister-Halle, die sich jetzt in einem neuen, hellen und freundliche Zustand präsentiert. Und gewiss auch die Sanierung der Wasserleitung in Limpach. Hier waren mit dem Stadtwerk am See Gespräche geführt werden, damit in diesem Zusammenhang gleich eine Gas- und Glasfaserstruktur nach Limpach verlegt werden konnte, sodass dort für die Einwohner die Möglichkeit besteht, FTTB-Anschlüsse (Fibre-to-the-Building) zu installieren; das bedeutet: Glasfaser bis ins Haus.

Der zweite Bauabschnitt zur Sanierung der Alfons-Schmidmeister-Halle in Wittenhofen mit der Ereuerung des Bodens und der Prallwände ist abgeschlossen. Im vergangenen Jahr war bereits die komplette Fensterfront erneuert worden.
Der zweite Bauabschnitt zur Sanierung der Alfons-Schmidmeister-Halle in Wittenhofen mit der Ereuerung des Bodens und der Prallwände ist abgeschlossen. Im vergangenen Jahr war bereits die komplette Fensterfront erneuert worden. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Beim schnellen Internet, einem bedeutenden Infrastrukturprojekt im Tal, wurde 2017 einiges erreicht. Wie ist der aktuelle Stand und wie sieht die Zukunft aus?

In Lellwangen und Limpach haben wir jetzt FTTH. Und in Ober- und Untersiggingen, Deggenhausen Roggenbeuren und Urnau gibt es die Vectoring-Technik. Das bedeutet, dass das Glasfaser bis zu den Verteilerkästen geht und von dort aus die vorhandenen Kupferleitungen genutzt werden. Damit gibt es für die größeren Ortschaften eine deutliche Verbesserung in der Bandbreite. Im kommenden Jahr werden wir in Mennwangen, von Birkenweil her, eine Glasfasererschließung realisieren, die direkt ins Haus geht. In Wahlweiler und Azenweier ist eine FTTH-Verbindung vorgesehen und auch das Gewerbegebiet Deggenhausen wird direkt an Glasfaser angeschlossen. Wir hoffen, dass wir bis Mitte nächsten Jahres die Masterplanung für das Deggenhausertal auf dem Tisch haben und dann können wir schauen, wie wir die weiter entlegenen Weiler oder Ortschaften anschließen können, beziehungsweise welche Möglichkeiten es dort gibt. Im Großen und Ganzen kann man sagen, wir sind einen großen Schritt vorangekommen. Aufgrund der großen Fläche unserer Gemeinde und der einzelnen Weiler ist es schwierig, alle schnell mit dem schnellen Internet zu versorgen.

Die Verlegung der Wasserleitung in Limpach wurde im Zeitrahmen abgeschlossen, sodass der Verkehr schon bald wieder freigegeben werden konnte. Gleichzeitig waren die Infrastruktur für den Gasanschluss und Glasfaser verlegt worden.
Die Verlegung der Wasserleitung in Limpach wurde im Zeitrahmen abgeschlossen, sodass der Verkehr schon bald wieder freigegeben werden konnte. Gleichzeitig waren die Infrastruktur für den Gasanschluss und Glasfaser verlegt worden. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Um das Projekt "Emma" – Elektromobilität mit Anschluss – ist es etwas ruhig geworden.

Konkrete Zahlen über die Nutzung liegen mir für 2017 noch nicht vor. Insgesamt läuft das Projekt gut und wird auch weiter fortgeführt. Wobei Emma nicht nur Elektromobilität heißt. Das Projekt wird auch mit anderen, konventionell betriebenen, Fahrzeugen betrieben. Wir sind mit dem Bodensee-Oberschwaben-Verkehrsverbund Bodo und dem Busunternehmen Bühler im Gespräch, Emma auch weiter auszubauen. Es gilt, den Öffentlichen Personennahverkehr im Tal insgesamt besser auszubauen. Wir wollen erreichen, neben dem Schulbusverkehr weitere ÖPNV-Verbindungen als Buslinien zu entwickeln.

"Emma"-Fahrzeug vor dem Rathaus in Wittenhofen (von links): Christof Bühler, Rebecca Leberer, Sandra Gohm und der damalige Bürgermeister Knut Simon, als im August 2015 der 1000. "Emma"-Nutzer gefeiert wurde.
"Emma"-Fahrzeug vor dem Rathaus in Wittenhofen (von links): Christof Bühler, Rebecca Leberer, Sandra Gohm und der damalige Bürgermeister Knut Simon, als im August 2015 der 1000. "Emma"-Nutzer gefeiert wurde. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Der Bürgerdialog "Gut leben auf dem Land – Lebensqualität in Deutschland", angestoßen vom Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Christian Schmidt, und das damit verbundene Projekt der Hochschule Weingarten scheint etwas im Sande zu verlaufen. Ist das Thema, bei dem sich zahlreiche Bürger im Tal engagiert eingebracht haben, gestorben?

Es sind verschiedene Bereiche im Bürgerdialog angesprochen worden, die schon umgesetzt wurden oder noch umgesetzt werden – wie beispielsweise die bessere Anbindung der Gemeinde Deggenhausertal an das schnelle Internet. Der Bürgerdialog war eine gute Sache. Und die Dinge, die da besprochen wurden, werden weiterverfolgt. Es ist ja auch geplant, die große Einwohnerversammlung in Wittenhofen nur alle zwei Jahre auszurichten. Dafür wollen wir in den Jahren, in denen keine große Einwohnerversammlung stattfindet, mit der Verwaltung in die einzelnen Teilorte gehen und dort mit den Bürgern vor Ort die Themen besprechen, die die Gemeinde insgesamt betreffen und die Leute in den Teilorten bewegen.

Seit vielen Jahren ist die Jugendarbeit ein Thema im Tal. Hildegard Sasse, die als Leiterin des Familientreffs in Ruhestand geht, hatte hier wohl Ideen. Gibt es hier Neues und Perspektiven?

Frau Sasse und die neue Leiterin des Familientreffs, Gabriela Strack, waren für ein Gespräch bei mir und wir haben vereinbart, dass wir das Thema gemeinsam im neuen Jahr in Angriff nehmen wollen. Frau Strack hat schon erste Ideen, die dann konkretisiert werden.

Das Kinderhaus in Untersiggingen wird im kommenden Jahr zu Kosten in Höhe von rund einer Million Euro erweitert. Gibt es schon Pläne für einen zusätzlichen Kindergarten in Deggenhausertal, wenn die Anzahl an Kindern weiterhin steigt?

Es gibt noch keinen fest definierten Platz, aber wir werden dieses Thema im kommenden Jahr intensiv beraten müssen – vor allem, ob wir einen neuen Standort entwickeln. Oder ob wir am Kindergarten in Deggenhausen möglicherweise noch einen Anbau planen müssen. Dort gibt es – auf dem alten Schulhof – auch die entsprechenden Erweiterungsmöglichkeiten. Aber das muss im Rat eingehend diskutiert werden.

Das Kinderhaus in Untersiggingen soll im kommenden Jahr für rund eine Million Euro erweitert werden.
Das Kinderhaus in Untersiggingen soll im kommenden Jahr für rund eine Million Euro erweitert werden. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Die Feuerwehr bekommt einen neuen Mannschaftstransportwagen. Sind weitere Investitionen geplant?

Wir haben mit der Freiwilligen Feuerwehr einen Mehrjahresplan aufgestellt, um zu sehen, wann welche Investitionen zu tätigen sind. Der Mannschaftstransportwagen mit Führungsausstattung hatte jetzt erste Priorität. Weitere Investitionen werden in den kommenden Jahren notwendig sein: neue Ausgehuniformen, die Umrüstung auf Digitalfunk und die Ersatzbeschaffung eines wasserführenden Fahrzeugs.

In den Baugebieten in Deggenhausen und Wittenhofen werden die letzten Bauplätze vergeben. Welche weiteren Möglichkeiten zur Ausweisung von Baugebieten gibt es im Tal?

Wir führen Gespräche mit verschiedenen Eigentümern über mögliche Grundstücksflächen, die die Gemeinde ankaufen möchte, um dort Baugebiete zu entwickeln, damit wir für die nächsten Jahre Flächen anbieten können. Wir sind immer noch eine Zuzugsregion. Aber die Gespräche sind noch am Anfang.

Welche Möglichkeiten gibt es, die Gewerbegebiete im Tal zu erweitern?

In Deggenhausen ist im Jahr 2018 eine Erweiterung geplant. Es gibt da auch schon Interessenten. Es geht um rund vier Hektar Fläche.

Wie viele Flüchtlinge gibt es aktuell in der Gemeinde und wie wird die Entwicklung im kommenden Jahr sein?

Wir haben derzeit 56 Flüchtlinge in der Gemeinde, davon 35 in der Anschlussunterbringung, und 21 in der Gemeinschaftsunterkunft. Fürs kommende Jahr sieht das Landratsamt derzeit vor, dass wir zwölf weitere Flüchtlinge in der Anschlussunterkunft unterbringen müssen. Deshalb sind wir auch weiterhin glücklich, wenn wir weiteren Wohnraum anmieten können. Ordnungsamtsleiterin Sabrina Schorer und der Helferkreis engagieren sich in vorbildlicher Weise für die Menschen. Und ein Flüchtling ist bei uns im Bauhof beschäftigt.

Welche weiteren, wichtigen Projekte stehen für das Jahr 2018 auf der Agenda?

Das größte Projekt ist die Erweiterung des Kinderhauses in Untersiggingen, des Weiteren der Breitbandausbau und die Erweiterung vom Gewerbegebiet Deggenhausen. Bei der Wasserversorgung investieren wir in eine UV-Anlage im Pumpwerk (Wasserwerk) bei Wittenhofen. Das ist eine vorbeugende Entkeimung des Wassers – wobei unser Wasser im Tal sehr gut ist. Außerdem wird die schrittweise Sanierung der Wasserhochbehälter fortgeführt. Ein wichtiges Projekt wird auch der Neubau einer Brücke in Wittenhofen zur Neuen Mitte sein und die Wohnumfeldgestaltung in diesem Bereich. Verwaltungsintern werden wird unser Finanzsystem von der Kameralistik auf die Doppik umstellen, was für die Verwaltung und den Gemeinderat große Veränderungen bedeutet.

Fragen: Wolf-Dieter Guip

Bürgermeister Fabian Meschenmoser im Wasserwerk der Gemeinde in Wittenhofen. Ihm ist wichtig, dass die Wasserversorgung als Grundbedürfnis im Entscheidungsbereich der Gemeinde verbleibt. Hier soll eine UV-Anlage installiert werden.
Bürgermeister Fabian Meschenmoser im Wasserwerk der Gemeinde in Wittenhofen. Ihm ist wichtig, dass die Wasserversorgung als Grundbedürfnis im Entscheidungsbereich der Gemeinde verbleibt. Hier soll eine UV-Anlage installiert werden. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Zur Person

Fabian Meschenmoser, 34, wurde im September 2016 zum Bürgermeister gewählt. Sein Amt trat er am 2. November 2016 an. Meschenmoser ist in Friedrichshafen geboren. Er ist verheiratet und hat einen Sohn. Nach dem Besuch der Grundschule in Frickingen und der Realschule in Salem hat er am Wirtschaftsgymnasium in Überlingen das Abitur gemacht. Das Studium an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl hat er als Diplom-Verwaltungswirt abgeschlossen. Zu seinen Hobbys zählt die Musik, er ist Mitglied des Gospelchor Deggenhausertal. Beim Musikverein Harmonie Lippertsreute ist er Schlagzeuger und beim Sunny-Boy-Club Dirigent und Vorstandsmitglied. Er wandert und radelt gerne.

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