Daisendorf SÜDKURIER-Podiumsdiskussion: Bürgermeister-Kandidaten stellen sich Fragen

Bei der SÜDKURIER-Podiumsdiskussion in Daisendorf konnten sich die Wähler ein Bild von Jacqueline Alberti und Jörg Piller machen. Die beiden sind die Bewerber um das Bürgermeisteramt.

Die Besucher der SÜDKURIER-Podiumsdiskussion im Bürgersaal des Daisendorfer Rathauses mussten erst ihren Weg über die Baustelle der Rathausempore finden. Waren sie oben angekommen, erwartete sie ein von der untergehenden Abendsonne Licht durchfluteter Saal. Ein symbolträchtiges Bild für die anstehende Bürgermeisterwahl.

Nach der Kandidatenvorstellung der Gemeinde, zwei Tage zuvor am selben Ort, lud der SÜDKURIER Kandidaten und Bürger zur Podiumsdiskussion ein. Denn während der Vorstellungsrunde hatten strikte Regeln gegolten. Jeweils eine 20-minütige Vorstellung, keine Fragen, keine Diskussion. Innerhalb von 48 Stunden füllte sich der Bürgersaal nun erneut. Die Wahlbürger wollten sich ein komplettes Bild von den beiden Kandidaten machen. Jacqueline Alberti und Jörg Piller standen Rede und Antwort. Diesmal waren Bürgerfragen zugelassen und erwünscht.

SÜDKURIER-Redakteur Martin Baur (Mitte) leitet die Diskussion mit den Kandidaten. Jacqueline Alberti und Jörg Piller pflegen an diesem Abend einen fairen Umgang.
SÜDKURIER-Redakteur Martin Baur (Mitte) leitet die Diskussion mit den Kandidaten. Jacqueline Alberti und Jörg Piller pflegen an diesem Abend einen fairen Umgang. | Bild: Mardiros Tavit
SÜDKURIER-Redakteur Martin Baur führte routiniert und humorvoll durch das Programm. Gleich zu Beginn vermochte er Alberti ein Lebensdetail zu entlocken. "Mit elf Jahren waren sie in einer Flüchtlingsunterkunft, wie kamen sie dahin?", mit der Frage überraschte Baur die Kandidatin. Die gebürtige Dresdnerin erzählte. "Obwohl ich darüber eigentlich nicht öffentlich sprechen wollte", entglitt es ihr. "1989 sagten mir meine Eltern im Ungarn-Urlaub, dass wir nicht mehr in die DDR zurückkehren werden", stattdessen fuhren sie mit ihrem Lada weiter über Österreich in die Bundesrepublik. "Wir waren in Heidelberg im Auffanglager. Meine Mutter wollte an den Bodensee." So kam Alberti über Uhldingen 1994 nach Daisendorf.

Ihr Mitbewerber Jörg Piller wurde in Göttingen geboren. Ab seinem dritten Lebensjahr wuchs er im württembergischen Aalen auf: "Zuhause wurde Hochdeutsch gesprochen, in der Schule tiefstes Schwäbisch." Er studierte Physik in Göttingen und promovierte dort. Ein Jobangebot als Projektleiter in der Raumfahrt holte ihn an den Bodensee, seit 1993 lebt er in Daisendorf. "Mein erstes Projekt wurde mit den Space Shuttle ins All geschossen. Mein aktuelles Projekt arbeitet im Orbit in der Internationalen Raumstation."

"Kommen wir von den Sternen wieder zurück auf den Daisendorfer Boden", war Baurs Überleitung zu den kommunalpolitischen Realitäten. Beide Kandidaten zeichneten sich in den einzelnen Themenrunden durch einen fairen Umgang miteinander aus. Beide verzichteten auf offene Angriffe auf ihr Gegenüber. Beide hoben die eigenen Stärken und Ideen hervor. Die Bürger konnten sich ihr eigenes Bild von dem Selbstverständnis und den Konzepten der Kandidaten machen. Beide möchten das dörfliche Ortsbild erhalten und haben die Baupolitik auf ihren Arbeitslisten ganz oben stehen. Außerdem unterstrichen sie die Wichtigkeit der Transparenz in der Gemeindeverwaltungs- und Gemeinderatsarbeit sowie die Einbeziehung der Bevölkerung in den einzelnen Aufgabenbereichen. Hierzu gab es von den Bürgern Applaus.

Das Interesse an den beiden Bürgermeister-Kandidaten bei der SÜDKURIER-Podiumsdiskussion ist groß.
Das Interesse an den beiden Bürgermeister-Kandidaten bei der SÜDKURIER-Podiumsdiskussion ist groß. | Bild: Mardiros Tavit
In der regen Fragerunde fassten die Bürger in einzelnen Punkten nach. Alberti möchte Arbeitsgruppen zum Beispiel für Tourismus und Senioren einrichten und öfter Bürgerversammlungen abhalten. Piller setzt auf Eigeninitiative der Bürger, sodass sich bei besonderen Anliegen Bürgergruppen bilden und ihre Anliegen formulieren, die dann im Team von Verwaltung, Rat und Bürgermeister behandelt werden. Als Projektleiter möchte er die in seinem Unternehmen erfolgreich praktizierte Teamarbeit auch in Daisendorf etablieren. Ein weiterer – gravierenderer – Unterschied liegt im Alter der Kandidaten. Während Alberti eindeutig für mehrere Amtszeiten kandidiert, kann der 65-jährige Piller dies nicht, die gesetzliche Altersgrenze liegt bei 68.

 

Vorhaben und Veranstaltungen

  • Zu Jacqueline Albertis zentralen Vorhaben gehört die Einrichtung eines Jugend-Gemeinderates, die Anstellung einer Teilzeit-Erzieherin für die Belange der Kinder nach dem Kindergarten und ein Bürgerbus zur Verbesserung der Mobilität. Jörg Pillers zentrales Vorhaben ist die Errichtung eines Bürger- und Vereinshauses für Anliegen, die das Rathaus nicht abdecken kann. Diese soll auch Lagermöglichkeiten für die Vereine bieten und die Provisorien, die über die Jahre entstanden sind, ablösen.  Beide möchten das dörfliche Ortsbild erhalten, die Gemeinderatsarbeit attraktiver gestalten, öfter Bürgerversammlungen anbieten und die Bevölkerung in die Gemeindearbeit einbeziehen.
  • Nächste Veranstaltungen mit den Kandidaten: Jacqueline Alberti ist heute um 19 Uhr im Dorfkrug und am Freitag, 22. September, um 19 Uhr im Hermannsdorfers am Daisendorfer Schützenhaus. Jörg Piller steht am Donnerstag, 21. September, um 19 Uhr im Dorfkrug Rede und Antwort. Am Samstag, 23. September, steht er mit einem Informationsstand von 10 bis 12 Uhr vor dem Rathaus.

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