Daisendorf Neue Bürgermeisterin: Jacqueline Alberti ist in Daisendorf angekommen

Sie ist seit dem 15. November im Amt und schon so richtig angekommen in Daisendorf: Jacqueline Alberti freut sich auf 2018 und hat viel vor.

Gewählt am 24. September, erster Arbeitstag am 15. November, öffentliche Amtsverpflichtung mit Ablegung des Amtseids am 4. Dezember. Wichtige Stationen der neuen Daisendorfer Bürgermeisterin Jacqueline Alberti. Aber wenn sie zurückblickt, fängt sie mit ihrer Aufzählung früher im Jahr 2017 an. "Im Januar fingen bei mir die Überlegungen über eine Bewerbung um das Bürgermeisteramt an", setzt Alberti an. Bis April habe die Entscheidungsfindung gedauert. Gleich zu Beginn des Bewerbungszeitraums gab sie im Juni ihre Bewerbung im Rathaus als Erste ab. Politische Ratgeber empfehlen eher das Gegenteil: Die Bewerbung auf den letzten Drücker abgeben, damit die Kandidaten sich weniger angreifbar machen. "Ich bin im Nachhinein sehr froh, dass ich es so gemacht habe. Es hat mir die Zeit gegeben, im langen Wahlkampf den Daisendorfern näher zu kommen", blickt sie jetzt zurück.

Mit einem ausgeklügelten und zeitintensiven Wahlkampfkonzept ging Jacqueline Alberti in den Sommer. Sie klopfte und klingelte an den Türen aller 850 Daisendorfer Haushalte. Bei jedem Sommerfest war sie dabei, stand den Bürgern Rede und Antwort. Nach Ende der Sommerferien bot sie Wahlkampfveranstaltungen an,bei denen sie sich gut vorbereitet zeigte. "Ich bin froh, dass es so gemacht habe. Es hat mir später bei der Einarbeitung sehr geholfen. Die anstehenden Themen kenne ich vom Wahlkampf her, wusste, was die Bürgerinnen und Bürger möchten", erinnert sie sich.

Die neu gewählte Daisendorfer Bürgermeisterin Jacqueline Alberti zwischen ihren Amtsvorgängern Helmut Keser (links) und Frank Lemke.
Die neu gewählte Daisendorfer Bürgermeisterin Jacqueline Alberti zwischen ihren Amtsvorgängern Helmut Keser (links) und Frank Lemke. | Bild: Mardiros Tavit

Parallel mit dem Bundestag wurde in Daisendorf der Bürgermeister gewählt. Es wurde eine Bürgermeisterin. "Am Wahlabend lagen bei mir die Nerven blank. Ich wusste, dass es eng wird", erinnert sich Alberti heute. Zumal sich die Auszählung der Bürgermeisterwahl wegen zusätzlicher Kontrollzählungen verzögerte. Erst vier Stunden nach Schließung des Wahllokals stand das Ergebnis fest. Bei einer Wahlbeteiligung von 78,5 Prozent erhielt Alberti 552 Stimmen, was 52,3 Prozent der abgegebenen Stimmen entsprach. Zu ihrer Amtsverpflichtung kamen aus dem Landkreis sehr viele Bürgermeister. "Die Aufnahme durch die neuen Kollegen war sehr nett. Seitdem ist kaum eine Woche vergangen, in der wir nicht ein Treffen hatten", sagt sie.

 

Rückblick auf das Daisendorfer Jahr 2017

  • Januar
    Die kurz vor Weihnachten getroffene Entscheidung, das Vereinsheim der Musiker für den Ausbau des Kindergartens zu nehmen, sorgt in der Gemeinde für Unmut.
  • Februar
    Der Gemeinderat verabschiedet einen Spar-Haushalt, die Gemeinde bleibt schuldenfrei.
  • März
    Noèmi und Balazs Kirics heißen die neuen Pächter des "Dorfkrug". Damit sind sie die Nachfolger des in Daisendorf legendären Wirts Gerhard Brunner und seiner Frau Rosemarie. Das Ehepaar Kirics stammt aus der südungarischen Stadt Pécs. Beide haben eine klassische Kochausbildung.
    Noèmi und Balazs Kirics heißen die neuen Pächter des "Dorfkrug". Damit sind sie die Nachfolger des in Daisendorf legendären Wirts Gerhard Brunner und seiner Frau Rosemarie. Das Ehepaar Kirics stammt aus der südungarischen Stadt Pécs. Beide haben eine klassische Kochausbildung. | Bild: Mardiros Tavit
    Bei der Bürgerversammlung werden Ideen zur Sanierung der Freizeitanlage gesucht. Noèmi und Balazs Kirics sind das neue Wirtspaar des Traditionslokals "Dorfkrug".
    Im März fand die vom Gemeinderat lange versprochene Einwohnerversammlung zur Freitzeitanlage am Schützenhaus statt, wegen der Erkrankung von Bürgermeister Frank Lemke war sie immer wieder aufgeschoben werden. Bürgermeister-Stellvertreter Siegfried Willibald begrüßte 30 Bürger. In der Bürgerversammlung sollten Ideen für die Zukunft der Anlage entwickelt werden, die in eine Art Mehrgenerationenpark umgebaut werden soll. In den Haushaltsberatungen stellte die Gemeinde 20 000 Euro ein. Begonnen haben die Arbeiten bislang noch nicht.
    Im März fand die vom Gemeinderat lange versprochene Einwohnerversammlung zur Freitzeitanlage am Schützenhaus statt, wegen der Erkrankung von Bürgermeister Frank Lemke war sie immer wieder aufgeschoben werden. Bürgermeister-Stellvertreter Siegfried Willibald begrüßte 30 Bürger. In der Bürgerversammlung sollten Ideen für die Zukunft der Anlage entwickelt werden, die in eine Art Mehrgenerationenpark umgebaut werden soll. In den Haushaltsberatungen stellte die Gemeinde 20 000 Euro ein. Begonnen haben die Arbeiten bislang noch nicht. | Bild: Mardiros Tavit
  • April
    Barbara Vogel und Helmut Boerner geben eine musikalische Lesung zu Franz Schubert.
  • Mai
    Die Daisendorfer Pfadfinder feierten Ende Mai gemeinsam mit der Bevölkerung ihr 30-jähriges Bestehen. Nach der ersten Aufbauphase stärkten sich die Pfadfinder mit einem gegrillten 25 Kilogramm schweren Spanferkel, für den sich Peter Müller (am Grill) verantwortlich zeichnete.
    Die Daisendorfer Pfadfinder feierten Ende Mai gemeinsam mit der Bevölkerung ihr 30-jähriges Bestehen. Nach der ersten Aufbauphase stärkten sich die Pfadfinder mit einem gegrillten 25 Kilogramm schweren Spanferkel, für den sich Peter Müller (am Grill) verantwortlich zeichnete. | Bild: Mardiros Tavit
    Premierenauftritt für die neu gegründete Jugendkapelle "Auftakt".
  • Juni
    Die Bewerbungsfrist für die Bewerbungen für das Bürgermeisteramt beginnt. Jacqueline Alberti ist die erste Bewerberin.
  • August
    Glück im Unglück hatten die Besucher des Daisendorfer Weinfestes Ende August. Die Bernhard'sche Fruchtscheune, in der die Freiwillige Feuerwehr ihr Weinfest veranstaltet, erwies sich einmal mehr als wetterfester Unterstand. Am Freitag, 18. August, zog um 19.25 Uhr eine Unwetterfront mit Starkregen und heftigen Böen über Daisendorf. Die durchnässten Gäste feierten fröhlich weiter.
    Glück im Unglück hatten die Besucher des Daisendorfer Weinfestes Ende August. Die Bernhard'sche Fruchtscheune, in der die Freiwillige Feuerwehr ihr Weinfest veranstaltet, erwies sich einmal mehr als wetterfester Unterstand. Am Freitag, 18. August, zog um 19.25 Uhr eine Unwetterfront mit Starkregen und heftigen Böen über Daisendorf. Die durchnässten Gäste feierten fröhlich weiter. | Bild: Mardiros Tavit
    Ein Sturm treibt Weinfestbesucher in die Fruchtscheune.
  • September
    Jörg Piller gratuliert am Wahlabend als unterlegener Bürgermeisterkandidat der frisch gewählten Bürgermeisterin zum Wahlsieg.
    Jörg Piller gratuliert am Wahlabend als unterlegener Bürgermeisterkandidat der frisch gewählten Bürgermeisterin zum Wahlsieg. | Bild: Mardiros Tavit
    Jacqueline Alberti wird als unabhängige Kandidatin mit 52,3 Prozent der Stimmen zur Bürgermeisterin gewählt.
  • Oktober
    Bürgermeister Frank Lemke verabschiedet sich mit einem mehrseitigen Brief im Gemeindeblatt von den Bürgern aus dem Amt.
  • November
    Zur Amtsverpflichtung kamen Vertreter kamen Landrat Lothar Wölffle und viele Bürgermeister aus dem Landkreis.
    Zur Amtsverpflichtung kamen Vertreter kamen Landrat Lothar Wölffle und viele Bürgermeister aus dem Landkreis. | Bild: Mardiros Tavit
    Am 15. November tritt Jacqueline Alberti ihren ersten Arbeitstag als Bürgermeisterin an.
  • Dezember
    Die Pfadfinder veranstalten zum ersten Mal das "Christbaum Loben".

 

 

Kaum hatte Alberti ihre Amtsstube bezogen, stand auch schon das Wintergeschäft an. "Der Jahresabschluss musste gemacht werden. Es hatten sich auch viele Bürger mit einem Gesprächswunsch angemeldet. Da war nichts mit: Ich könnte mich in Ruhe sorgfältig einarbeiten." Die Arbeit eines jeden Bürgermeisters stand nun für Alberti an. Aber für sie keine Routine, sondern alles neu. Schon am zweiten Tag gab sie den Antrag für die Betriebsgenehmigung der zweiten Krippengruppe ab. Der Seniorentreff feierte 30-jähriges Bestehen – Alberti hielt die Geburtstagsrede. "Es ist mir wichtig, mit allen zu sprechen und sie einzubeziehen", sagt sie. Auch die Gemeindeaktivitäten in der Weihnachtszeit mussten durchgesprochen werden. Das von den Pfadfindern erstmalig veranstaltete "Christbaum Loben" am ersten Advent soll sich nun jährlich wiederholen. "Das gehört in die Region, es soll die Weihnachtszeit einläuten. Es wäre schön, wenn wir damit eine Tradition begründet hätten."

Alberti schaut sich die Kindergarten-Baustelle an.
Alberti schaut sich die Kindergarten-Baustelle an.

 

Ihre erste Gemeinderatssitzung absolvierte Jacqueline Alberti in nur 27 Minuten. Bewerbungsgespräche für die zusätzliche Erzieherinnen-Stelle im Kindergarten standen an. Der Kindergarten ist einer der Schwerpunkte ihrer Arbeit. Die Inbetriebnahme der neuen U3-Gruppe für die Ein- und Zweijährigen steht zum ersten März an. Alberti ist sehr zuversichtlich, dass der Termin eingehalten werden kann. Aber mit dem Kindergarten hat sie noch mehr vor. "Der direkte Kontakt in den Kindergarten ist mir wichtig. Die Kinder sind unsere Zukunft." Dass die Kinder ihr Büro eingerichtet und dekoriert haben, hat sie gerührt. Sie möchte den Zugang ins Rathaus niederschwellig halten. "Wir brauchen sie später als Jugendliche. Die Kinder sollen merken, dass sie was verändern können." Für Alberti sind solche Aktionen die ersten Schritte hin zu einer politischen Jugendvertretung im Dorf.

Vom neuen Wickelraum des Kindergartens hat Bürgermeisterin Jacqueline Alberti den Blick auf das alte Musikerheim, das gerade als neuer Bewegungsraum für den Daisendorfer Kindergarten vorbereitet wird.
Vom neuen Wickelraum des Kindergartens hat Bürgermeisterin Jacqueline Alberti den Blick auf das alte Musikerheim, das gerade als neuer Bewegungsraum für den Daisendorfer Kindergarten vorbereitet wird. | Bild: Mardiros Tavit

Die etwas ruhigere Zeit zwischen den Jahren nutzte die neue Bürgermeisterin für ein intensives Aktenstudium. Jetzt im neuen Jahr scheint Alberti ihr Arbeitstempo gefunden zu haben, und das noch vor den 100 Tagen, die jeden Amtsneuling für die Einarbeitung zugebilligt werden. "Ich komme jetzt gut klar. Ich bin gut angekommen. Auch bei den Mitarbeitern bin ich gut angekommen und weiß in der Zwischenzeit, wer wie tickt." Der Umgang miteinander ist Alberti sehr wichtig. Mit dem Gemeinderat steht sie im engen Kontakt. Vieles läuft auf Zuruf. So haben sich die Gemeinderäte Thomas Ritsche und Siegfried Willibald um den Weihnachtsbaum vor dem Rathaus gekümmert. In der Zwischenzeit ist der jetzt umgelegt. Der Platz wird für den Narrenbaum benötigt.

Die Narrenzunft der Sumpfgeister feiert 2018 den 50. Jahrestag ihrer Gründung. Und auch in diesen Zusammenhang könnte Alberti eine neue Tradition begründet haben: Die Narreneltern Paula und Andrea(s) wurden zum ersten Mal getraut. "Das gab es ja noch nie in Daisendorf. Ich hatte überhaupt kein Beispiel", sagt sie. Sie lud die Narreneltern kurzerhand zu einem Traugespräch ein.

Proppevoll war der Bürgersaal Mitte September bei der SÜDKURIER-Podiumsdiskussion zwischen den beiden Bewerbern um das Bürgermeisteramt, Jacqueline Alberti und Jörg Piller.
Proppevoll war der Bürgersaal Mitte September bei der SÜDKURIER-Podiumsdiskussion zwischen den beiden Bewerbern um das Bürgermeisteramt, Jacqueline Alberti und Jörg Piller. | Bild: Mardiros Tavit

Sehr ernste Themen stehen für Alberti und die Gemeinde bei der Gemeinderatssitzung kommende Woche an. Dann wird der Haushalt 2018 im Gemeinderat besprochen. Bevor der Gemeinde noch nicht beraten hat, wollte Alberti auch nichts verraten. Einiges wurde in der vergangenen Gemeinderatssitzung bereits angesprochen. Alle Satzungen, sprich Gebühren, stehen auf dem Prüfstand. In Zeiten steigender kommunaler Einnahmen steht Daisendorf da etwas außen vor. Denn die Gemeinde hat kaum Gewerbe und bis jetzt auch kein Gewerbegebiet, in dem sich Gewerbe ansiedeln könnte. "Es gibt ein Grundstück, aber das müssten wir zusammen mit Meersburg entwickeln", erzählt Alberti. Die Planung und Umsetzung eines interkommunalen Gewerbegebiets war schon im Wahlkampf Thema.

Bürger entscheiden mit

Aktuell stehen aber dringendere Themen an – Projekte für das laufende Jahr. "Die Fertigstellung des Kindergartens, der Breitbandausbau, das Rathauspodest, die Wasserversorgung", zählt Alberti auf. Und wieder der Haushalt. Sie stehe zu ihrem Wahlversprechen, die Bürger mitentscheiden zu lassen, bevor die Gemeinde Schulden macht. "Ich war Schuldnerberaterin, da weiß ich, wie schnell sich Schulden anhäufen." Weitere Themen aus ihrem Wahlkampf, wie Jugendarbeit und Tourismus, stehen unter Haushaltsvorbehalt. Auch die stärke Bürgerbeteiligung an den politischen Prozessen hat sie nicht vergessen. Erleichtert ist Alberti, dass die Betreuung der 25 Flüchtlinge in der Gemeinde durch den ehrenamtlichen Helferkreis gut funktioniert und mit Margarita Popov von der Johanniter-Unfallhilfe wieder eine zusätzliche professionelle Unterstützung da ist. In der Verwaltung will sie die Handlungsabläufe und Entscheidungswege genauer unter die Lupe nehmen. "Ich wünschte mir automatisiertere Abläufe."

"Wir sind auf einem guten Weg, wenn die Unterstützung bleibt": Für die Zukunft wünscht sich Alberti weiterhin die gute Zusammenarbeit mit dem Rathauspersonal, dem Gemeinderat und den Bürgern. "Ich möchte, dass sich in der Gemeinde etwas bewegt, ohne Gräben aufzutun. Ganz im Gegenteil: Es sollen Gräben wieder zugeschüttet werden", ist Albertis Wunsch für 2018.

 

 

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