Daisendorf Kandidaten zur Bürgermeisterwahl Daisendorf beziehen Position

Jacqueline Alberti und Jörg Piller kandidieren um das Amt des Bürgermeisters in Daisendorf. Sie stellten sich am Mittwochabend öffentlich vor.

Daisendorf – Bei der Kandidaten-Vorstellungsrunde zur Bürgermeisterwahl in Daisendorf hat sich gezeigt, dass die Wahlbürger mit Jacqueline Alberti und Jörg Piller zwei Bürgermeisterkandidaten mit unterschiedlichen Ansätzen zur Auswahl haben. Auch nach der Veranstaltung blieben viele der Besucher in ihrer Entscheidung unschlüssig.

Der Bürgersaal war voll gefüllt. Zu den vorbereiteten Stuhlreihen wurden weitere Sitzgelegenheiten gestellt. Am Ende mussten aber dennoch einige Interessierte im Eingangsbereich stehen. Die Begrüßung übernahm Bürgermeister-Stellvertreterin Birgit Schley. Ihr oblag es auch, die Spielregeln des Abends zu erklären, auf die sich der Gemeinderat schon vorab geeinigt hatte. Die Kandidaten hatten in der Reihenfolge des Eingangs ihrer Bewerbung jeweils 20 Minuten Zeit, sich selbst und ihr Wahlprogramm vorzustellen. Es waren keine Fragen zugelassen. Keiner der Kandidaten durfte sich während der Rede des anderen im Saal aufhalten. Die Veranstaltung endete sofort mit der zweiten Vorstellungsrede. Alle Anwesenden waren angehalten, danach das Rathaus zu verlassen.

Jacqueline Alberti hatte ihre Bewerbung schon zu Beginn der Bewerbungsfrist abgegeben. Als sie zu reden anfing, wurde es still im Saal. Doch trotz der Lautsprecheranlage war ihre Stimme kaum zu hören. "Lauter"-Rufe waren die Folge. Anfangs trug Alberti ihre vorbereitete Rede merklich nervös vor. Immer wieder griff sie zum bereitgestellten Wasserglas. Gelernt hatte sie Erzieherin, bevor sie Jura studierte. Mit der Bemerkung "als staatlich anerkannte Erzieherin könnte ich im Kindergarten aushelfen, wenn Not am Mann wäre", sammelte sie Sympathiepunkte.

Aus ihrem Wahlprogramm stellte sie drei Punkte heraus: die Gründung eines Jugend-Gemeinderates, die Gründung eines Verschönerungsvereins und ein Konzept zur Mobilität der Senioren mit der Verbesserung des Anschlusses nach Meersburg. Ohne ihren Konkurrenten direkt anzusprechen, hob Alberti ihre Jugend hervor und setzte sich in eine Linie mit dem in Daisendorf beliebten Alt-Bürgermeister Helmut Keser: "Nach 24 Amtsjahren wäre ich 63 und könnte ihn übertreffen."

Ganz auf seine Erfahrung setzt der 65-jährige Jörg Piller. Sowohl seine berufliche Erfahrung, als auch seine acht Jahre dauernde Arbeit im Gemeinderat hob er hervor. Diese waren für ihn die "Lehr- und Gesellenjahre", wie er erklärte. "Hier geht alles über den Tisch des Bürgermeisters. Hier gibt es keine Ausschüsse und Fachabteilungen." In der Gemeinde habe er einen Stillstand in der Entwicklung gesehen, erklärte Piller. Das habe seinen Ehrgeiz geweckt, für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren. Dabei setze er auf Teamarbeit. Wie Alberti konzentrierte er sich auf wenige zentrale Programmpunkte und verwies auf seine Internetseite, auf der sein vollständiges Wahlprogramm nachzulesen sei.

Nach seiner Rede verließen die Bürger, wie von Bürgermeister-Stellvertreterin Birgit Schley erbeten, zügig das Rathaus. Auf Nachfrage erklärten viele, dass sie noch unschlüssig seien, wen sie wählen sollten, und hofften auf den direkten Vergleich bei der SÜDKURIER-Podiumsdiskussion heute.

Die SÜDKURIER-Podiumsdiskussion beginnt um 19 Uhr im Bürgersaal im Rathaus Daisendorf. Moderiert wird die Veranstaltung von SÜDKURIER-Redakteur Martin Baur.

"Strukturiert, logisch, manchmal trocken"

Jörg Piller ist 65 Jahre alt, verheiratet, hat zwei Kinder und lebt seit 1993 in Daisendorf. Piller ist promovierter Physiker und arbeitet als Projektleiter Raumfahrt bei Aerospace in Immenstaad. Sein Slogan lautet: "Gemeinsam für Daisendorf."

Über die Liste der Freien Wähler saß Piller von 2005 bis 2013 im Daisendorfer Gemeinderat. Aktuell ist er Vorsitzender des Gutachterausschusses der Gemeinde und Kassenprüfer der Kameradschaftskasse der Freiwilligen Feuerwehr Daisendorf. Er habe einen Stillstand in der Entwicklung der Gemeinde beobachtet. Das habe seinen Ehrgeiz zur Kandidatur geweckt.

Piller möchte die Expertise aus der Bevölkerung nutzen und nennt die bestehende Daisendorfer Energiekonzeptgruppe als Beispiel. An seinen "Top 10 Aufgaben zum Start" möchte er sich messen lassen.

Als zentrale Programmpunkte führt er die Erstellung einer Ortsbildsatzung mit Veränderungssperren und Bebauungsplänen für die Bereiche an, in denen es keine Bebauungspläne gibt. Die Kosten dafür müssten eventuell über Kredite gestemmt werden.

Der Kindergarten soll ausgebaut bleiben. "Die Geburtenrate steigt, der vermutete Abfall ist nicht eingetreten." Als besonderes Anliegen nannte Piller die Förderung des sozialen Lebens in der Gemeinde. Er möchte eine Stätte, "in der die Vereine die Aktivitäten machen können, die im Rathaus nicht möglich sind". Sie soll auch Lagermöglichkeiten für die Vereine bieten, so auch für den zurzeit heimatlosen Musikverein. "Wir müssen wegkommen von der Zerstückelung und den Provisorien, das ist am Ende teurer."

Sich selbst beschreibt Piller als "Physiker, strukturiert, logisch und manchmal trocken. Aber glauben Sie mir, auch ich habe ein Herz. Ich höre auf andere Meinungen und meine Frau erdet mich."

Der Kandidat im Internet:www.gemeinsamfuerdaisendorf.de

"Wie würde ich die Sache angehen?"

Jacqueline Alberti ist 39 Jahre alt, verheiratet, hat zwei Kinder und lebt seit 1994 in Daisendorf. Sie ist staatlich anerkannte Erzieherin, studierte anschließend Jura und arbeitet zurzeit als Volljuristin in der Schuldnerberatung im Landratsamt Bodenseekreis. Ihr Slogan lautet: "sicher, sozial, stark."

Ihre Motivation, sich um das Bürgermeisteramt zu bewerben, ging auf den offen Brief zurück, den Bürgermeister Frank Lemke im April 2016 im Gemeindeblatt veröffentlicht hatte. Lemke hatte darin Gemeinderäten und Bürgern Überschreitungen ihrer Kompetenzen vorgeworfen. Die lange Krankheitsphase des Bürgermeisters war für Alberti der Anlass, sich zu überlegen, was zwischen Verwaltung und Gemeinderat falsch lief. "Ich habe mich dann damit beschäftigt, wie ich es machen würde." In Gesprächen habe sie dann flapsige Bemerkung gemacht, wie sie als Bürgermeisterin die Sachen angehen würde. "Doch statt dass meine Freunde gesagt hätten, du spinnst doch, haben sie gesagt, dass ich es machen soll." Schließlich sei sie Volljuristin und habe Verwaltungserfahrung. Im nächsten Schritt hätte sie sich über das Bürgermeisteramt näher informiert und Seminare besucht.

Alberti möchte das Wissen aus der Bevölkerung nutzen. In beratenden Kreisen sollen Bürger in die Gemeindearbeit einbezogen werden und in verschiedenen Themenbereichen wie Jugend, Energie und Senioren Lösungen erarbeiten. Zentrale Punkte Albertis sind die Gründung eines Jugend-Gemeinderates, eines Verschönerungsvereins und die Verbesserung der Mobilität der Senioren durch einen besseren Anschluss an Meersburg.

Sie könne Planungen über mehrere Legislaturperioden begleiten und zu Ende bringen. Alt-Bürgermeister Helmut Keser hatte 24 Amtsjahre. "Ich wäre dann 63 und könnte ihn übertreffen".

Die Kandidatin im Internet:www.jacqueline-alberti.de

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