Daisendorf Bürgermeisterwahl in Daisendorf entscheidet sich am Sonntag

Die Bürger von Daisendorf wählen am Sonntag ihren neuen Bürgermeister. Mit Jacqueline Alberti und Jörg Piller bewerben sich zwei Kandidaten um das Amt.

Am kommenden Sonntag wählen die Daisendorfer mit dem Bundestag nicht nur ihre Volksvertretung in Berlin, sondern auch einen neuen Bürgermeister oder eine neue Bürgermeisterin. Amtsinhaber Frank Lemke hatte schon zu Beginn des Jahres erklärt, dass er für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung steht. Gleich zu Beginn der Bewerbungsfrist, Mitte Juni, warf Jacqueline Alberti ihren Hut in den Ring. Ihr Mitkonkurrent um das Amt des Rathauschefs, Jörg Piller, bewarb sich am letzten Tag der Bewerbungsfrist. Eine dritte Kandidatin zog ihre Bewerbung zurück. Somit wird am Sonntag die Entscheidung fallen, wer das Amt künftig ausüben wird.

Die Daisendorfer haben die Wahl zwischen zwei gänzlich unterschiedlichen Kandidaten, die beide im Wahlkampf fair miteinander umgingen und sich darauf konzentrierten, ihre eigenen Stärken hervorzuheben. In dem einen Fall mit Jacqueline Alberti eine Volljuristin im Landratsamt, 39 Jahre alt und somit auch für weitere Amtszeiten wählbar. Im anderen Fall mit Jörg Piller einen promovierten Physiker aus dem Raumfahrtsbereich von Aerospace. Mit knapp 65 Jahren kann Piller sich nicht um eine zweite Amtsperiode bewerben. Dafür hob er seine Erfahrung als ehemaliger Gemeinderat und Projektleiter hervor.

Die beiden Kandidaten unterscheiden sich zwar in Geschlecht, Alter und Beruf, ähneln sich aber in ihrer Analyse der kommunalpolitischen Situation in Daisendorf und in den Inhalten ihrer Wahlprogramme.
 

Otoo Köhler, Gemeinderat: "In der Bevölkerung ist die Meinung sehr gemischt. Beide Kandidaten haben ihre Stärken und ihre Unterstützer. Jörg Piller kann mit seiner Erfahrung glänze, Jacqueline Alberti mit ihrer Jugend."
Otoo Köhler, Gemeinderat: "In der Bevölkerung ist die Meinung sehr gemischt. Beide Kandidaten haben ihre Stärken und ihre Unterstützer. Jörg Piller kann mit seiner Erfahrung glänze, Jacqueline Alberti mit ihrer Jugend." | Bild: Mardiros Tavit

Beide sehen in der Bevölkerung eine Unzufriedenheit mit der Arbeit im Rathaus. Dieser Punkt nahm im Wahlkampf bei beiden einen breiten Raum ein. Aus den Reihen der Bürger war bei den Wahlveranstaltungen häufig zu hören, dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Gemeinderat und Bürgermeister nicht mehr stattfinde. Der Bürgermeister, bedingt durch eine lange krankheitsbedingte Abwesenheit, sei lange Zeit nicht ansprechbar gewesen, vieles sei liegengeblieben. Die Gemeinde habe sich nicht mehr entwickelt, die politischen Geschäfte seien zum Stillstand gekommen, äußerten viele Bürger.

In einem SÜDKURIER-Interview erklärte Jörg Piller, vor dem Gebäude stehend: "Das Rathaus ist eine Baustelle." Die Rathausempore wird aktuell saniert. Auch beim inneren Zustand des Rathauses gebe es viel zu tun. Piller wie Alberti wollen nach eigenem Bekunden die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Bürgermeister, Verwaltung, Gemeinderat und Bürger wiederherstellen.

Beide Kandidaten führten einen gänzlich unterschiedlichen Wahlkampf. Alberti hatte sich schon vergangenes Jahr vorgenommen zu kandidieren und bereitete sich über Seminare auf den Wahlkampf und das Amt vor. Während der Sommerferien klingelte sie bei jedem der 850 Daisendorfer Haushalte, um das Gespräch zu suchen. Um die Hemmschwelle niedrig zu halten, hatte sie selbst gebackene Kekse dabei. Drei Wahlveranstaltungen bot sie in den zwei Wochen vor der Wahl an.

Piller hatte nach eigenen Bekunden sich erst eine Woche vor dem Ablauf der Frist zu der Bewerbung entschlossen. Er stellte sich mit einem Infostand an den vier Samstagen vor der Wahl vormittags auf den Rathausplatz und bot zusätzlich eine Wahlveranstaltung an.

Das Interesse der Wähler an beiden Kandidaten war sehr groß. Sowohl bei dem Vorstellungsabend der Gemeinde, als auch bei der SÜDKURIER-Podiumsdiskussion war der Bürgersaal im Rathaus voll besetzt. Bei der Vorstellungsrunde der Gemeinde waren keine Fragen zugelassen. Von den möglichen 20 Minuten Redezeit nutze Alberti 19,5 Minuten, um sich und ihr Programm vorzustellen. Piller sprach gut 16 Minuten.

Bei der SÜDKURIER-Podiumsdiskussion zwei Tage später hatten die Wähler die Möglichkeit, die Kandidaten direkt zu fragen. Für ihre Aussagen zu vermehrter Einbindung der Bürger in die Gemeindearbeit erhielten beide Applaus. Auch an diesem Abend war die Bausituation im Dorf ein großes Thema, das beide Kandidaten mit einem Bebauungsplan und einer Veränderungssperre angehen wollen.
 

Traude Pimiskern, Rentnerin: "Der Wahlkampf von der beiden Kandidaten war gut und informativ. Daisendorf jemanden, der beständige Arbeit leisten kann."
Traude Pimiskern, Rentnerin: "Der Wahlkampf von der beiden Kandidaten war gut und informativ. Daisendorf jemanden, der beständige Arbeit leisten kann." | Bild: Mardiros Tavit
Marianne Felsche, Rentnerin: "Es ist lobenswert, dass sich zwei Menschen gefunden haben, die sich das Amt zutrauen. Ich habe mich sehr gefreut, dass so viele Bürger an den Wahlveranstaltungen teilgenommen haben."
Marianne Felsche, Rentnerin: "Es ist lobenswert, dass sich zwei Menschen gefunden haben, die sich das Amt zutrauen. Ich habe mich sehr gefreut, dass so viele Bürger an den Wahlveranstaltungen teilgenommen haben." | Bild: Mardiros Tavit

Die Leuchtturmprojekte der beiden Kandidaten

  • Jacqueline Alberti möchte eine Teilzeitstelle für Kinder- und Jugendarbeit im Rathaus einrichten und somit die Kinder und Jugendlichen auffangen, die nicht in Vereinen organisiert sind. Ferner plant sie, einen Bürgerbus anzuschaffen, um hauptsächlich die Mobilität der Senioren zu erhöhen. Dabei soll die Gemeinde die Anschaffungs- und Betriebskosten sowie die Gebühr für den Personenbeförderungsschein der ehrenamtlichen Fahrer übernehmen. Den Betrieb sollen Ehrenamtliche übernehmen. Alberti möchte mit den Bürgern das Leitbild der Gemeinde, die Agenda 21, aus dem Jahr 2001 fortschreiben. Sollte es zu einer Kreditaufnahme kommen, will Alberti dafür den Weg über einen Bürgerentscheid gehen.
  • Jörg Piller möchte ein Bürger- und Vereinshaus bauen. Es soll ein reiner Zweckbau werden. Der Musikverein könnte darin mit dem neuen Probelokal seine Heimat finden. Aktivitäten, die im Bürgersaal im Rathaus keinen Platz finden, sollen im neuen Vereinshaus stattfinden. Das neue Bürger- und Vereinshaus soll für alle Vereine eine zentrale Lagermöglichkeit ihrer Gerätschaften bieten. So könnten die Provisorien aufgelöst werden. Um die Bewirtschaftung des Hauses müssten sich die Vereine kümmern. Piller wäre mit einer Kreditaufnahme einverstanden, wenn die Notwendigkeit besteht und ein detaillierter Abzahlungsplan existiert.

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