Daisendorf Bürgermeister Frank Lemke verabschiedet sich mit Brief

Der Daisendorfer Gemeinderat hat seine aktuelle Sitzung schon ohne Frank Lemke abgehalten. Im Amtsblatt wurde ein mehrseitiger Abschiedsbrief des amtierenden Bürgermeisters abgedruckt.

Auch die jüngste Sitzung des Daisendorfers Gemeinderates wurde von Bürgermeister-Stellvertreter Siegfried Willibald (FWV) geleitet. Bürgermeister Frank Lemke sei bis zum Ende seiner Amtszeit zum 14. November im Urlaub, hieß es auf Nachfrage aus der Verwaltung. So befasste sich der Gemeinderat ohne den aktuellen Amtsinhaber mit der Amtseinführung von Jacqueline Alberti. Ursprünglich war die Vereidigung und Verpflichtung der neuen Rathauschefin auf den 15. November vorgesehen. "Nach Rücksprache mit Frau Alberti wird die öffentliche Vereidigung auf den 4. Dezember verschoben", so Willibald. Als Grund für die Verschiebung wurden Terminüberschneidungen genannt.

Willibald war für die Abnahme des Amtseides vorgeschlagen. Nach den gesetzlichen Vorgaben wird für diese Aufgabe ein Mitglied des Gemeinderates mit der Mehrheit der anwesenden Gemeinderäte gewählt. Willibald schlug seine Fraktionskollegin Birgit Schley vor. "Ich bin dankbar für jede Aufgabe, die mir abgenommen wird", begründete Willibald seinen Vorschlag. Er vertritt seit Wochen den krankheits- und urlaubsbedingt abwesenden Bürgermeister. Parallel führt er sein Musikinstrumentengeschäft und bildet junge Musiker aus. Birgit Schley wurde vom Rat einstimmig für die Aufgaben der Vereidigung und Verpflichtung der Bürgermeisterin gewählt. Eine Verabschiedungsfeier für Amtsinhabers Lemke wurde im Rat nicht thematisiert. Dem SÜDKURIER wurde später auf Anfrage seitens der Verwaltung und Willibald mitgeteilt, dass Lemke keine Verabschiedungsfeier wünsche. Die aktuelle Gemeinderatssitzung wäre für Lemke die letzte seiner Amtszeit gewesen, denn die nächste ist auf den 21. November terminiert.

Im Amtsblatt wurde ein vierseitiger Abschiedsbrief Lemkes veröffentlicht. Dieser war aufgrund seiner Länge zunächst abgelehnt worden, wie zu erfahren war. Lemke soll daraufhin Druck gemacht haben, damit der Brief in voller Länge erscheint. Gezeichnet ist das Schreiben mit "Frank Lemke, Bürgermeister (ab 15.11. a.D.)". Die Abkürzung a.D. steht für außer Dienst. In seinem Schreiben zählt Lemke Erfolge seiner achtjährigen Amtszeit auf, wie zum Beispiel den Ausbau der Kinderbetreuung, und bedankt sich bei namentlich genannten engagierten Bürgern. "Bitte unterstützen Sie in gleicher Weise meine Nachfolgerin, Frau Jacqueline Alberti, dann ist mir um die weitere, gedeihliche Entwicklung unserer wundervollen Gemeinde, der Sonnenterrasse über dem Bodensee nicht bange", endet das Schreiben. Der Brief wurde in der Gemeinderatssitzung nicht thematisiert.

Jacqueline Alberti ist ab 15. November die Chefin im Rathaus in Daisendorf. Ihre Vereidigung ist am 4. Dezember.
Jacqueline Alberti ist ab 15. November die Chefin im Rathaus in Daisendorf. Ihre Vereidigung ist am 4. Dezember. | Bild: Mardiros Tavit

Aus Gemeinderatskreisen war indes zu erfahren, dass Lemke keine Amtsübergabe oder Einweisung für Alberti vornehmen wird. Trotz mehrerer Versuche war Bürgermeister Lemke für den SÜDKURIER nicht für Fragen erreichbar. Am 15. November beginnt die Amtszeit von Alberti. Unklar blieb, ob sie trotz der späteren zeremoniellen Vereidigung und Verpflichtung volle Amtsgewalt mit Zeichnungsbefugnis haben wird. Nach Auskunft von Robert Schwarz, Leiter der Pressestelle beim Landratsamt, hat Alberti auch ohne Vereidigung ab Amtstritt volle Entscheidungsgewalt als Bürgermeisterin. Die Vereidigung sei aber verpflichtend, auch wenn sie erst zu einem späteren Zeitpunkt ausgeführt werden könne.

 

Jacqueline Alberti

Ende vergangenen Jahres bekundete Bürgermeister Frank Lemke, dass er sich nicht für eine zweite Amtszeit bewerben würde. Nachdem der Daisendorfer Gemeinderat die Termine der Bürgermeisterwahl festlegt hatte, warf Volljuristin Jacqueline Alberti gleich zu Beginn der Bewerbungsphase ihren Hut in den Ring. Bis zur Wahl besuchte sie alle 850 Daisendorfer Haushalte. Im Ingenieur und ehemaligen Gemeinderat Jörg Piller hatte sie nur einen Mitbewerber um das Amt. Bei einer Wahlbeteiligung von 78,5 Prozent gewann sie 52,3 Prozent der Stimmen und wurde im ersten Wahlgang erste Bürgermeisterin der 1700-Einwohnergemeinde.

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