Bodenseekreis Volle Züge sorgen für Ärger bei der Bodenseegürtelbahn

Unterwegs mit der Bodenseegürtelbahn: Auch zu Stoßzeiten ist teilweise nur ein Waggon im Einsatz. Das sorgt bei Fahrgästen und beim Land als Auftraggeber für Unmut.

Morgens um kurz nach 7 Uhr im Zug auf der Bodenseegürtelbahnstrecke von Markdorf nach Friedrichshafen. Viele Schüler fahren zur Schule, Pendler machen sich auf den Weg zur Arbeit. Die Sitzplätze sind längst belegt, im Gang stehen die Fahrgäste dicht gedrängt. "Fahren Sie Zug, da kommen Sie sich näher", tönt es aus dem Lautsprecher im Waggon. Der Lokführer versucht, den Fahrgästen mit Humor zu vermitteln, dass wieder nur ein Triebwagen im Einsatz ist. Eigentlich sollte zur Stoßzeit am Morgen ein zweiter Waggon für ausreichend Platz für die Fahrgäste sorgen. Nach einem "fröhlichen Hallöchen" erfahren diese allerdings, dass das zweite Fahrzeug leider defekt sei und man sich für die Enge entschuldige.

Passagiere, die an den Haltestellen aus überfüllten Züge strömen, waren zuletzt während der Hauptverkehrszeiten kein seltener Anblick.
Passagiere, die an den Haltestellen aus überfüllten Züge strömen, waren zuletzt während der Hauptverkehrszeiten kein seltener Anblick. | Bild: Fabiane Wieland

Schon seit morgens um 6 Uhr sind Mitarbeiter der Bahn in Markdorf im Einsatz, um für Verständnis zu werben. In einem Schreiben an die Fahrgäste heißt es dazu: "Wie Sie sicherlich täglich selbst feststellen, erbringen wir seit einigen Wochen auf der Bodenseegürtelbahn nicht mehr die Qualität, die Sie von uns erwarten." Man selbst sei "in keinerlei Weise" mit der Qualität zufrieden. Man sei aktuell mit der Herausforderung konfrontiert, dass infolge eines hohen Schadstands bei den Dieselzügen der Baureihe VT 650 sowie einem Verfügbarkeitsproblem bei Ersatzteilen nicht ausreichend Fahrzeuge für den Betrieb zur Verfügung stünden. "Wir möchten mit der Präsenz vor Ort unterstreichen, dass wir Ihrer Kritik nicht aus dem Weg gehen", heißt es weiter. Neben zwei Terminen am Mittwoch in Markdorf und anschließend in Friedrichshafen sollen Bahnmitarbeiter auch am Donnerstag von 6 bis 9 Uhr in Kressbronn und von 10 bis 13 Uhr in Friedrichshafen-Stadt als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Der eine oder andere Fahrgast sucht am Bahnhof mit den Bahnmitarbeitern das Gespräch. "Wenn zwei Waggons vereinbart sind, dann ist einer definitiv zu wenig", gesteht ein Mitarbeiter der Bahn vor einem kleinen Grüppchen Bahnkunden ein. Doch auch über die Kalenderwoche 50 hinaus (siehe Infokasten) kann die Bahn eigenen Angaben zufolge auf der Bodenseegürtelbahn Züge nicht mit der notwendigen Anzahl an Fahrzeugen bereitstellen. Derzeit könne noch keine Prognose abgegeben werden, wann die Dieseltriebzüge der Baureihe VT 650 wieder in vollem Umfang zur Verfügung stehen. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Verfügbarkeit der Fahrzeuge zu stabilisieren, um die Qualität zu verbessern. Bis dahin wollen wir durch den Einsatz von Fahrzeugen einer anderen Baureihe im Rahmen der Möglichkeiten Ersatz schaffen", so ein Bahnsprecher.

Alle Sitzplätze sind besetzt. Viele Bahnkunden müssen im Mittelgang stehen.
Alle Sitzplätze sind besetzt. Viele Bahnkunden müssen im Mittelgang stehen. | Bild: Fabiane Wieland

Nach dem Halt in Kluftern wird es im Zug noch ein wenig enger, in Fischbach wird der Ton unter den Fahrgästen ruppiger. "Jetzt geht doch da mal weiter rein", fordern die Zusteigenden. 15 Minuten nach der Abfahrt fährt der Zug am Bahnhof in Friedrichshafen-Stadt ein. "Wir möchten uns noch einmal für die Enge im Zug entschuldigen", so die Durchsage. "Wir geloben Besserung!" Doch wie lange reicht die Geduld des Auftraggebers noch? Das Verkehrsministerium in Stuttgart kennt die Verhältnisse auf der Bodenseegürtelbahn. "Wir arbeiten intensiv daran, dass DB Regio die Missstände, unter denen die Fahrgäste tagtäglich leiden, umgehend abstellt", erklärt ein Sprecher. Verspätungen, Zugausfälle und zu wenig Fahrzeuge könne das Land als Besteller des regionalen Schienenverkehrs auf Dauer keinesfalls akzeptieren.

"Da wir die Lösung dieser Probleme auch im engen Schulterschluss mit der betroffenen Region angehen wollen, haben wir den Landrat des Bodenseekreises, Lothar Wölfle, zu einem Gespräch noch im Dezember oder im Januar eingeladen“, sagt der Ministeriumssprecher weiter.

Robert Schwarz, Pressesprecher des Landratsamts, bestätigt, dass Lothar Wölfle zusammen mit Bodo-Geschäftsführer Jürgen Löffler den Termin in Stuttgart wahrnehmen wird. "Das Land bestellt die Leistung auf der Schiene, also muss das Land auch reklamieren, wenn diese Leistung nicht erbracht wird", hebt Schwarz zunächst die Zuständigkeit des Landes hervor. Allerdings: "Uns erreichen täglich Mails und Briefe mit Beschwerden der Menschen über die Bodenseegürtelbahn." Daher wolle man auch in Stuttgart deutlich machen, dass der Zustand auf der Strecke in keinster Weise akzeptabel sei. "Wir erwarten, dass wir im Verkehrsministerium die Zusage bekommen, dass sich bei der Qualität und der Quantität sofort etwas verbessert", so Schwarz weiter. Er selbst habe es schon erlebt, dass Fahrgäste an der Haltestelle stehengelassen wurden.

Am Bahnhof in Friedrichshafen berichten Fahrgäste auch am frühen Nachmittag von regelmäßigen Problemen auf der Bodenseegürtelbahn. Von chaotischen Zuständen kann an diesem Nachmittag jedoch keine Rede mehr sein. "Für mich ist es schon unangenehm, wenn man gleich morgens in eine überfüllte Bahn steigen muss", erzählt eine Auszubildende. Ein anderer Fahrgast bemängelt die Bahninfrastruktur im Allgemeinen: "Für die gebotene Leistung finde ich die Preise ziemlich hoch."

 

Technische Probleme

  • Die DB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee GmbH, eine Tochtergesellschaft der DB Regio AG, ist nach der Neuausschreibung der Verkehrsleistung durch das Land seit Dezember 2016 für die Bodenseegürtelbahn zuständig. Nach einem weiteren Jahr unter Regie der DB Regio falle die Bilanz verheerend aus, Verbesserungen seien nicht erkennbar, sagte zuletzt Landtagsabgeordneter Martin Hahn: „Wir stehen vor einem Scherbenhaufen.“ Er gehe nicht mehr davon aus, dass die DB Regio bis zum Vertragsende im Jahr 2023 einen attraktiven, verlässlichen ÖPNV auf der Strecke gewährleisten könne. „Nicht nur für viele Berufspendler, sondern auch für mich persönlich ist das Maß voll“, sagte Hahn. Das Fass zum Überlaufen hätten neuerliche Missstände gebracht, die von der DB Regio mit dem Wetter begründet wurden.
  • Derzeit müssen an rund 50 Fahrzeugen die Achsen ausgetauscht werden, erklärte ein Sprecher der Bahn zuletzt die Probleme.  Ursache dafür seien Flachstellen, die auf dem Laufrad entstehen, wenn sich durch nasses Laub auf den Gleisen ein Schmierfilm bilde. Obwohl die Werkstatt in Ulm personell verstärkt wurde und Sonderschichten gefahren werden, sei der Achstausch nur an 20 Fahrzeugen pro Woche zu schaffen. Aus diesem Grund würden zu Stoßzeiten Busse zur Verstärkung auf der Strecke eingesetzt, so die Antwort der Bahn auf eine Anfrage Anfang Dezember. Damals hatte die DB Regio angegeben, dass ab der 50. Kalenderwoche mit einem stabilen Verkehr zu rechnen sei. (kck)

 

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