Bodenseekreis S-Bahn mit Dieselbetrieb für Bodenseegürtelbahn gefordert

Keine Fortschritte beim Planungsbeginn sind bei der Elektrifizierung der Bahnstrecken am Bodensee zu erkennen

Die zwei Diskussionsleiter Ulrich Bauer und Wolfgang Schreier sowie die Referenten Bernd Klingel, Patrick Altenburger und Werner Fritschi bildeten das Podium.
Die zwei Diskussionsleiter Ulrich Bauer und Wolfgang Schreier sowie die Referenten Bernd Klingel, Patrick Altenburger und Werner Fritschi bildeten das Podium. | Bild: Petersen

Fünf Fachleute auf dem Podium debattierten vor rund 80 Zuhörern im Foyer des Überlinger Kursaals über den Zustand und die mögliche Zukunft des schienengebundenen Nahverkehrs im Bodenseeraum. Wer gehofft hatte, die Elektrifizierung und die Einrichtung eines S-Bahn-Verkehrs auf der Bodenseegürtelbahn würden durch die 2020 anstehende Landesgartenschau in Überlingen beschleunigt, wurde an diesem Abend schnell eines Besseren belehrt. Aus Kosten- und planungstechnischen Gründen ist eine Elektrifizierung frühestens im nächsten Jahrzehnt möglich. Bisher gibt es noch keinen konkreten Ansatz einer solchen Planung, wie Referent Bernd Klingel von der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg zugab.

Er und seine beiden Schweizer Mitreferenten stellten zwar auch auf deutscher Seite viele Verbesserungen im Nahverkehr in den vergangenen Jahren fest. Mit dem Tempo von Schienenprojekten in der Schweiz kommen die Deutschen aber nicht annähernd mit. So musste Klingel einräumen, dass „das Prinzip, jeden Ort in jeder Stunde einmal anzufahren“ auch zukünftig nicht überall der Realität entsprechen werde. Gerade sei die Elektrifizierung der Südbahn von Ulm nach Friedrichshafen auf 2018 verschoben worden. „Planungen, die noch nicht begonnen wurden, stehen momentan ganz weit hinten.“

Da muss den deutschen S-Bahn-Befürwortern die Schweiz wie das gelobte Land vorkommen: „Bei uns ist noch einiges nicht perfekt“, behauptete zwar Werner Fritschi von der vor zehn Jahren in Betrieb genommenen Thurbo-Regionalbahn, wartete dann aber mit beeindruckenden Zahlen auf: 36 Bahnhöfe werden auf 80 Kilometer Seestrecke im von 5 Uhr bis 24 Uhr durchgehenden Halbstundentakt angefahren. Sie befördern zwischen Kreuzlingen und Romanshorn täglich 5000 Reisende. Selbst auf dem schwächsten Streckenabschnitt nach Stein ist die Anzahl der Fahrgäste seit 2007 um 51 Prozent gestiegen. Dazu stehen der Thurbo AG 102 Triebwagen und mehr als 300 Lokführer zur Verfügung. Ähnlich Erfolge konnte Patrick Altenburger aus dem Kanton Schaffhausen vermelden, der die bestehenden Netze und neue Planungen in Schaffhausen und Winterthur vorstellte. „Doch dazu muss man viel Geld in die Hand nehmen. Ohne Moos nix los!“,

Nachdem der Landtagsabgeordnete Martin Hahn spontan ein Umdenken auf deutscher Seite und den Schulterschluss aller Beteiligten angemahnt hatte, wurde zum Abschluss eine Resolution verabschiedet, die eine möglichst schnelle Einleitung der Planungen und die übergangsweise Einrichtung einer S-Bahn im Halbstundentakt mit Dieseltriebwagen forderte.

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