Bodenseekreis Mit Handy am Steuer: Unfallbilanz der Polizei zeigt gefährlichen Trend

Die Unfallbilanz der Polizei für Landkreise Bodensee, Konstanz, Ravensburg und Sigmaringen für das erste Halbjahr 2017 zeigt einen deutlichen Anstieg von Smartphones als Unfallursache. Zudem hat sich die Zahl der Verkehrstoten nahezu verdoppelt.

Die eklatant gestiegenen Zahlen in der Unfallbilanz der Polizei bei den schweren Verkehrsunfällen geben Anlass zur Sorge und zwingen zum Handeln. Handys am Steuer werden seit Kurzem härter bestraft. Immer wieder kommt es zu schwersten Verkehrsunfällen, bei denen der Verdacht naheliegt, dass der Verkehrsteilnehmer durch die Nutzung eines Smartphones abgelenkt war. Das steht in der Verkehrsunfallbilanz des Polizeipräsidiums Konstanz für das erste Halbjahr 2017 für die Landkreise Bodenseekreis, Konstanz, Ravensburg und Sigmaringen, die jetzt vorliegt.

Die Zahl der Verkehrstoten hat sich von 17 auf 30 Prozent in der hiesigen Region nahezu verdoppelt, sagt der stellvertretende Polizeipräsident Uwe Stürmer – und das könne niemanden kalt lassen. Zu dem überproportionalen Anstieg um 237 Verkehrsunfälle mit Verletzten komme es allerdings auch, da sich bestimmte Straßen regelrecht zu Rennstrecken für Motorradfahrer entwickelt hätten, wie es heißt. Das betreffe vor allem Straßenabschnitte im nahe gelegenen Donautal. Eine reduzierte Höchstgeschwindigkeit sorgte auf der L 197 zwischen Stetten a.k.M. und Thiergarten für eine verminderte Unfallbilanz. Diesen Faktoren trete man seitens der Polizei äußerst entschieden entgegen und werde dem keinesfalls tatenlos zusehen, betonte Stürmer.

Seit dem 19. Oktober gelten höhere Bußgelder für das Telefonieren am Steuer oder das Benutzen von Smartphones oder Tablets. Bis zu 200 Euro Strafe, ein Punkt im Flensburger Strafregister und ein mögliches Fahrverbot sind die Folgen dieser gefährlichen Unsitte, die laut Polizei immer mehr um sich greift. War ein schlingerndes Fahrzeug früher ein unverkennbares Anzeichen für Müdigkeit des Fahrers oder Alkohol am Steuer, so sei es mittlerweile oft ein Indiz für den sträflich-leichtsinnigen Gebrauch von elektronischen Kommunikationsmitteln während der Autofahrt. Dabei gehe es nicht nur um Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung, sondern vor allem auch um das Senden von Kurznachrichten, das Versenden von E-Mails oder sogar um das Nutzen sozialen Netzwerken wie Facebook – alles während der Fahrt.

Jens Purath, Polizeisprecher in Konstanz, warnt die Autofahrer daher vor diesem Verhalten mit oft schrecklichen Folgen. Nur ein Augenblick der Unachtsamkeit genüge für einen folgenschweren Unfall. Auch weist Purath nachdrücklich darauf hin, dass die Polizei den Kontrolldruck erhöhe und durchaus zeitnah nachvollziehen und auch nachweisen könne, ob ein Handy während der Fahrt oder zum Zeitpunkt eines Unfalls benutzt worden sei. Fahrlässige Körperverletzung sei der Straftatbestand, der dann ermittelt werde.

"Wer mit dem Handy am Steuer unterwegs ist, bringt sich und andere in Lebensgefahr", warnt auch Polizeivize Uwe Stürmer. Die neuesten Zahlen geben der Polizei Anlass zur Sorge. Sie werde sich mit Behörden, Institutionen, Verkehrswachten und dem Fahrlehrerverband dafür einsetzen, diesem negativen Trend spürbar entgegenzuwirken, kündigt Stürmer an. Ein Trend, der laut Polizei leider auch im laufenden Quartal weiter anhält.

Die Bilanz

Verkehrsunfallbilanz der Landkreise Bodenseekreis, Konstanz, Ravensburg und Sigmaringen für das erste Halbjahr 2017 liegt jetzt vor. Die Gesamtzahl der Unfälle gegenüber 2016 blieb mit einem absoluten Plus von 15 (0,1 Prozent) fast unverändert. Die Verkehrsunfälle mit Verletzten nahmen jedoch drastisch mit einem Plus von 15 Prozent zu, das sind 237 Unfälle. Bei den Verkehrstoten ist ein markanter Anstieg von 17 auf 30 zu verzeichnen, also nahezu eine Verdoppelung. Insgesamt wurden bei 12 377 (12 362) Verkehrsunfällen 1832 (1610) Menschen leicht und 457 (429) schwer verletzt. In diesen Zahlen sind die Unfälle mit Fahrrädern enthalten. (sma)

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