Bodenseekreis Mit Bierdeckeln gegen "ungerechte Besteuerung"

Dehoga-Versammlung in Birnau: Gastronomen fordern reduzierten Mehrwertsteuersatz und mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten

Viele Zahlen könnten die schönste Rede verderben, hatte der im Vorjahr neu gewählte Kreisvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, Horst Müller aus Hagnau, seiner Begrüßung bei der Hauptversammlung im Birnauer Oberhof in Anlehnung an das Bonmot von den Köchen vorweg geschickt und ersparte den Mitgliedern Auszüge aus der Statistik. Um Zahlen ging es allerdings auch bei den zwei aktuellen politischen Anliegen, die Müller ansprach. Zum einen war es die Forderung nach mehr Flexibilität beim Arbeitszeitgesetz, zum anderen war es die Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent für die Gastronomie. "Gleiche Steuer für gleiches Essen", diesen Anspruch habe man am Bodensee auch schon den CDU-Politikern Jens Spahn und Lothar Riebsamen mit auf den Weg nach Berlin gegeben, sagte Müller.

Was für einen Metzger schon immer gelte und was die Hoteliers für die Übernachtungspreise 2009 erreicht hätten, müsse auch den Gastronomen bei der Rechnung auf Speisen zugestanden werden, betonte Dieter Wäschle, stellvertretender Vorsitzender beim Dehoga-Landesverband. Wäschle präsentierte die Bierdeckelaktion des Landesverbands, die der Konstanzer den Kollegen dringend ans Herz legte. Der Filz mit dem Aufdruck "Gleiche Steuer für gleiches Essen" müsse auf jedem Tisch liegen, insbesondere wenn Politiker zu Gast seien. 70 000 Euro lässt sich der Verband die Aktion kosten. In 17 EU-Ländern gebe es einheitliche Steuersätze auf Speisen, sagte Wäschle und die Gastronomie repräsentiere immerhin fast zwei Millionen Beschäftigte. Mitarbeiter in der Küche könne man auch fairer bezahlen, wenn die Mehrwertsteuer reduziert werde.

Auf den Fachkräftemangel hob der stellvertretende Kreisvorsitzende Uwe Felix ab. "Es ist ein Wettbewerb um gute Mitarbeiter entbrannt", sagte er, die Branche müsse "in der Außenwirkung noch attraktiver werden". Sie müsse verstehen, wie die Jugendlichen ticken und die Lossprechungsfeier auch mal in eine Disco verlegen.

An der Obergrenze von 48 Stunden pro Woche wolle niemand rütteln, ging Bernd Dahringer von der Geschäftsstelle Ravensburg auf das Arbeitszeitgesetz ein. Doch müssten die maximale Tagesarbeitszeit von 10 Stunden und die vorgeschriebene Ruhezeit von 11 Stunden im Einzelfall flexibler gehandhabt werden können. Das gelte zum Beispiel für Bankette oder auch Hochzeiten. "Wir können doch um 23 Uhr keinen Schichtwechsel machen oder das Fest beenden." Rückendeckung für diese Forderung sieht er in einem aktuellen Statement der Wirtschaftsweisen.

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