Friedrichshafen/Bodenseekreis Milchviehhalter: "Wir sind bereit für uns, unsere Kinder und Enkelkinder zu kämpfen"

Das Kreisteam des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter forderte beim Stammtisch in Oberteuringen staatliche Regulierung.

Das Kreisteam des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) traf sich am Dienstagabend zum agrarpolitischen Stammtisch in Oberteuringen-Hefigkofen. Zu Gast war Annette Groth, seit 2013 Abgeordnete der Partei "Die Linke" des Bodenseekreises im Bundestag, die sich mit dem Umwelt- und Naturschutz sowie den Zusammenhängen zwischen Weltwirtschaft und Entwicklungspolitik beschäftigt. Die Entwicklungssoziologin bezeichnete in Oberteuringen ihr Bestreben, die kleinbäuerliche Landwirtschaft zu erhalten, als persönliches Anliegen.

Karl-Eugen Kühnle, Landesvorsitzender des BDM, erläuterte in einer Präsentation die Entwicklung der Milchpreise in Deutschland. Mit der Abschaffung der Milchquote 2015 nach insgesamt 31 Jahren sei die Produktion gestiegen, der Preis von 40 Cent Anfang 2014 auf derzeit etwa 24 Cent gefallen, den die Molkereien – private wie genossenschaftliche – den Milchbauern bezahlen. Kühnle sieht das Wegfallen staatlicher Regulierung und die alleinige Abhängigkeit vom Weltmarkt als K-o.-Kriterium für die heimische, kleinbäuerliche Milchviehwirtschaft. "Weltweit ist zu viel Milch am Markt. Auch wenn die Milch billig ist, es wird nicht mehr Milch getrunken oder Milchprodukte gegessen", betonte er. Von den traditionellen Verbündeten wie der CDU und dem Deutschen Bauernverband sehen man sich im Stich gelassen.

Annette Groth erläuterte die globalen Zusammenhänge. Billigmilch aus Europa gefährdet ihrer Ansicht nach beispielsweise Projekte in Afrika: "Wir machen die Märkte in anderen Ländern kaputt." TTIP bezeichnete sie als "große Schweinerei", da die Texte in den USA von großen multinationalen Firmen beeinflusst seien, Brüssel die Inhalte kenne, aber die Volksvertreter außen vor blieben. Auf die Frage eines Anwesenden, warum sich so wenig Protest rege, antwortete Groth mit einem Zitat von Heiner Geißler: "Gier frisst Hirn."

Der BDM fordert eine staatliche Regulierung der erzeugten Milchmenge. Fünf bis sechs Prozent weniger und die Existenz der Betriebe in Baden-Württemberg, die durchschnittlich 40 bis 50 Milchkühe hielten, wäre laut BDM gesichert. Andernfalls sei das Sterben einzelner Betriebe unausweichlich. Aber man sterbe nicht leise und unbemerkt wie die Schweinezuchtbetriebe. "Wir sind bereit für uns, unsere Kinder und Enkelkinder zu kämpfen. Wir gehen auf die Straße und wenn, dann sterben wir laut", so Kühnle.

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