Bodenseekreis Lothar Riebsamen (CDU) nach der Bundestagswahl: "Respekt vor dem Wählerwillen"

CDU-Bundestagsabgeordneter Lothar Riebsamen startet engagiert in die neue Legislaturperiode. Im Gespräch blickt er auf einen Stimmenverlust von 12,5 Prozent bei der Bundestagswahl sowie zurück auf den Wahlkampf und was womöglich schief gegangen ist.

Lothar Riebsamen, Bundestagsabgeordneter der CDU, ist zwar wieder in den Bundestag eingezogen, hat aber kräftig Federn lassen müssen: 12,5 Prozent hat er im Vergleich zur Bundestagswahl 2013 verloren. Auf die Frage, wie man mit so einem Ergebnis umgeht, antwortet er nur: "Als Demokrat habe ich immer Respekt vor dem Wählerwillen." Dass es so einfach dann doch nicht ist, so etwas wegzustecken, zeigt Riebsamens Antwort auf die Frage, ob es denn helfe zu wissen, dass sein Stimmenverlust dem bundesweiten Trend entspricht. Das, sagt er, sei ein schwacher Trost.

Und hat er denn mit einem solchen Ergebnis gerechnet? Ihm sei klar gewesen, sagt Lothar Riebsamen, dass mit einem Wiedereinzug der FDP Stimmenverluste zu verzeichnen sein würden, "dass diese dann aber so hoch ausfielen, habe ich nicht erwartet. Hinzu kommt, dass eine weitere Partei, die AfD, den Einzug ins Parlament mit über zehn Prozent geschafft hat". Eine Volkspartei wie die CDU müsse versuchen, alle Wählerschichten zu erreichen. "Ziel ist es nun, Stimmen der FDP und der AfD zurück zu gewinnen."

Guter Rat ist teuer

Und was lief im Wahlkampf aus Riebsamens Sicht schief? Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass der CDU so viele Stimmen verloren gingen? "Wir haben einen sehr engagierten und ehrlichen Wahlkampf geführt, in dem wir auch alle Probleme klar angesprochen haben. Zu kurz kam aus meiner Sicht das Thema Innere Sicherheit", sagt der Bundestagsabgeordnete. Am Schluss des Wahlkampfs sei es nur noch um Platz 3 gegangen, erwidert er auf die Frage, ob der Zuwachs von Grünen und FDP darauf zurückzuführen war, dass die Wähler die AfD als drittstärkste Kraft im Bundestag verhindern wollten.

Und hätte er persönlich etwas anders machen können und sollen? Und wenn ja, wann und in welchen Bereichen? Riebsamen zeigt sich ratlos und sagt: "Hier ist guter Rat teuer."

Trotz des verhältnismäßig schlechten Votums will Lothar Riebsamen voller Tatendrang in die neue Legislaturperiode gehen. "Die CDU im Wahlkreis hat im Ergebnis mehr als doppelt so viele Stimmen wie der Zweitplatzierte und mehr als Rot-Rot-Grün zusammen. Das ist mehr als Ansporn, ebenso engagiert wie in der Vergangenheit in die neue Legislaturperiode zu starten." Seine Ziele für die nächsten Jahre sind auch schon definiert: "Die Lösung der Infrastrukturprobleme einschließlich des Breitbandausbaus und das Thema Umsetzung der Pflegegesetzgebung hinsichtlich Kurzzeit- und Tagespflege sind große Herausforderungen." Und Alice Weidel und die AfD? Wie will er persönlich mit der AfD im Allgemeinen und mit Alice Weidel – die ja immerhin Direktkandidatin des Wahlkreises Bodensee war – im Besonderen umgehen? Riebsamen: "Inwieweit es eine Zusammenarbeit im Wahlkreis mit Frau Weidel gibt, bin ich gespannt und hängt davon ab, wie präsent sie hier ist."

Zur Person

Lothar Riebsamen ist nun schon zum dritten Mal für die CDU in den Bundestag eingezogen. Er hatte 2009, 2013 und 2017 das Direktmandat im Wahlkreis 293 Bodensee gewonnen. Zuvor war Lothar Riebsamen Bürgermeister in Herdwangen-Schönach. Riebsamen gehört seit 1981 der CDU an. Bei der Bundestagswahl 2017 stimmten 56 165 Wähler für Riebsamen, das sind 41,4 Prozent. 2013 hatte Riebsamen noch 53,9 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. (emb)

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