Bodenseekreis Landesregierung befürwortet Testbetrieb von Netzgehegen

Fischzucht im Bodensee? Die Aquakultur wird vom baden-württembergischen Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Stuttgart weniger kritisch beurteilt als vor Ort.

Wie steht die Landesregierung zu einem Testbetrieb von Netzgehegen im See? Unterstützt das Land die Planung der Genossenschaft, die sich im Sommer zu diesem Zweck gegründet hat?

"Die Landesregierung hat im Koalitionsvertrag die Förderung der Aquakultur in Baden-Württemberg festgehalten", erklärt Isabel Kling, Pressesprecherin des Ministeriums fürLändlichen Raum und Verbraucherschutz. Sie sehe in der regionalen Erzeugung von Fischen bei einem günstigen ökologischen Fußabdruck die Nachhaltigkeit in hohem Maße gewährleistet. "Klar ist aber, dass die Landesregierung keine Vorgaben zur Umsetzung von Aquakulturen machen kann und wird. Dies ist am Ende die wirtschaftliche Entscheidung der Betriebe. Wir sehen darin allerdings eine große Chance, die heimische Fischzucht am Bodensee nachhaltig zu fördern." Die Genossenschaft habe bis jetzt noch keinen Antrag auf Genehmigung zur Errichtung und zum Betrieb einer Netzgehegeanlage eingereicht. Daher ist aktuell nicht bekannt, ob bzw. in welchem Umfang und ab welchem Zeitpunkt die Genossenschaft Felchen im Bodensee großziehen möchte. Sobald ein entsprechender Antrag vorliegt, werde dieser fachrechtlich geprüft. "Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz steht dem Vorhaben grundsätzlich ergebnisoffen gegenüber."

Welche Erkenntnisse gewann der Minister bei seiner Reise nach Finnland, bei der es ja auch um Aquakultur ging?

Minister Peter Hauk (CDU/MdL) besuchte in Finnland die staatliche Forschungsstation Tervo und eine kommerzielle Felchenzucht bei Kuopio. Die finnische Felchenzucht wurde im Wesentlichen in der Forschungsstation entwickelt. "Die Reisegruppe konnte sich ein Bild von den beachtlichen Anstrengungen des finnischen Staates zur Entwicklung und Stützung der regionalen Felchenaufzucht machen", so die Sprecherin. Die Forschungsmittel werden dort demnach schwerpunktmäßig im Bereich der "Blue Bioeconomy" eingesetzt. Ziel sei es, die Seen für die Menschen zur Erholung und als Grundlage für Ökosystemdienstleistungen zu nutzen. Im Fokus stehe die nachhaltige regionale Steigerung der Erzeugung von Felchen und Forellen. "Bei der Besichtigung der kommerziellen Felchenzucht wurde deutlich, dass die Netzgehege dort seit drei Jahrzehnten ohne merkliche Umwelteinflüsse wirtschaftlich erfolgreich betrieben werden", erklärt die Sprecherin. Der Besitzer der Anlage habe zum Beispiel berichtet, dass in 15 Meter Entfernung zu seinen Gehegen eine amtliche Wasserprobestelle besteht, die insbesondere Nährstoff- und Keimbelastung ermittelt. "Dabei wurden keine Auswirkungen der Fischerzeugung gemessen." Auch die Behauptung, dass eine solche Zucht einen massiven Einsatz zum Beispiel von Antibiotika bedürfe, würde von den Praktikern widerlegt. "In den 25 Jahren seit Bestehen der Netzgehege mussten noch nie Antibiotika eingesetzt werden", so Kling.

Unterstützt das Ministerium weitergehende wissenschaftliche Untersuchungen, um die Gefahren von Aquakultur vor allem in Bezug auf die Trinkwassergewinnung besser abschätzen zu können? Wurden weitere Studien in Auftrag gegeben oder liegen neuere Erkenntnisse vor?

Sollte eine Aquakulturanlage im See errichtet werden, müsste ein umfassendes Monitoring durch unabhängige Stellen durchgeführt werden. "Eine gesundheitsgefährdende Beeinträchtigung des Trinkwassers muss ausgeschlossen werden", so die Sprecherin. Studien würden da nur bedingt weiterhelfen. "Am ehesten könnten Erfahrungen wohl mit einer Pilotanlage gewonnen werden." Dadurch kann vermieden werden, dass die Trinkwasserqualität durch eine Anlage beeinträchtigt wird. Die Details des möglichen Vorhabens seien bisher noch nicht bekannt. Daher könne aktuell nicht beurteilt werden, ob weitergehende Untersuchungen notwendig sein werden. "Die Erkenntnisse aus Finnland sind für uns dabei eine wichtige Grundlage", so die Ministeriumssprecherin.

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