Bodenseekreis Künftig mehr Züge für die Bodenseegürtelbahn

Das Angebot der Bodenseegürtelbahn soll verbessert werden. Landrat Lothar Wölfle ist mit dem Ergebnis einer Sitzung in Stuttgart zufrieden, jetzt kommt es auf die Umsetzung an. Norbert Zeller (SPD) hält die Entscheidung hingegen für überfällig. Das Verkehrsministerium habe viel zu lange zugesehen.

Zugausfälle, Verspätungen, überfüllte Waggons oder gar an der Haltestelle stehengelassene Fahrgäste: Die Liste der Kritikpunkte ist lang, jetzt soll sich bei der Bodenseegürtelbahn endlich etwas tun. Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg hat am Dienstag ein stufenweises Konzept zur Steigerung der Qualität vorgestellt. Auch Vertreter aus der Region waren vor Ort. Landrat Lothar Wölfle betont nach der Sitzung in Stuttgart: "In der Theorie haben wir erreicht, was wir erreichen wollten, jetzt kommt der Praxistest."

„Wir haben in Abstimmung mit der DB Regio und ihrer Tochter, der DB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee GmbH (RAB), sowie dem Landkreis Bodensee und dem Verkehrsverbund Bodo einen Zwei-Stufen-Plan entwickelt. Ziel ist es, die derzeit schlechte Betriebsqualität auf der Bodenseegürtelbahn zwischen Radolfzell–Friedrichshafen und Friedrichshafen–Lindau nachhaltig zu verbessern“, wird Verkehrsminister Winfried Hermann in einer Pressemitteilung des Ministeriums zitiert. Seit dem vergangenen Jahr hätten sich immer mehr Fahrgäste über ausgefallene Züge und bei den fahrenden Zügen massiv über zu wenig Sitzplätze beschwert. In der ersten Stufe sollen nun mit Wagen, die auf dem Markt bereits vorhanden sind, die Kapazitäten und das Fahrplanangebot ausgeweitet werden. In der zweiten Stufe werden mit fünf neuen Zügen die Kapazitäten erhöht. Diese Züge werden von der Landeseigenen Hohenzollerischen Landesbahn (HzL) gewartet. Hermann wies nach Angaben des Ministeriums in der Sitzung nachdrücklich auf die Verantwortung der RAB für einen reibungslosen Betriebsablauf hin. "Sollte die RAB dies nicht hinbekommen, wird das Land mit seiner Landesgesellschaft HzL auch den Betrieb der Bodenseegürtelbahn übernehmen."


Das Zwei-Stufen-Konzept im Detail

  • In der ersten Stufe...
    In der ersten Stufe wird laut Verkehrsministerium ab dem 24. März die Frühverbindung von Singen ab 6.14 Uhr (bisher 6.17 Uhr) von Montag bis Freitag zehn Minuten Fahrzeit weniger nach Friedrichshafen benötigen. Die Kapazität wird von 146 auf 210 Sitzplätze erhöht. Außerdem sollen zwei Fahrten im Schüler- und Pendlerverkehr von Friedrichshafen nach Uhldingen-Mühlhofen und zurück angeboten werden, die bisher nur bis/von Salem gefahren sind. In der Hauptverkehrszeit am Nachmittag werden nach Angaben des Ministeriums drei neue Zugpaare fahren. In Friedrichshafen starten die Züge um 15.52 (bis Markdorf), 16.51 und 17.54 Uhr (beide bis Salem). Von Markdorf nach Friedrichshafen startet ein Zug um 16.20 Uhr. Von Salem gibt es um 17.26 und 18.38 Uhr Verbindungen nach Friedrichshafen. Es stehen jeweils 140 Sitzplätze zur Verfügung. Insgesamt erhöhe sich das Platzangebot in der Zeitspanne von 15.30 bis 18 Uhr um 350 Sitzplätze. In der Sommersaison fahren am Wochenende zwischen 8.32 Uhr bis 17.38 Uhr ab Friedrichshafen und von 10.18 Uhr bis 19.14 Uhr ab Radolfzell alle Züge mit 210 Sitzplätzen. Auf dem Abschnitt von Friedrichshafen nach Lindau sind künftig über 140 Sitzplätze pro Fahrzeug verfügbar. Dadurch wird laut Verkehrsministerium bei fast allen Fahrten auf diesem Abschnitt die doppelte Kapazität gegenüber der jetzigen Sitzplatzkapazität gefahren.
  • Ab Mitte 2019...
    Ab Mitte 2019 beabsichtigt das Verkehrsministerium, in einer zweiten Stufe fünf neue Triebwagen auf dem Abschnitt Friedrichshafen–Radolfzell einzusetzen. Damit soll langfristig die Betriebsstabilität auf der Strecke verbessert werden. Dann fahren zwischen Montag und Freitag fast alle und am Wochenende rund 70 Prozent aller Fahrten mit diesen Fahrzeugen, die mit rund 150 Sitzplätzen über zehn Sitzplätze mehr verfügen. Plan ist, diese im Rahmen des Fahrzeugfinanzierungsmodells des Landes zu erwerben. Dadurch soll an Schultagen das Platzangebot der RB 22757 Singen (ab 6.14 Uhr) – Friedrichshafen (an 7.24 Uhr) erhöht werden. Die Regionalbahn fährt mit 300 statt 146 Sitzplätzen (beziehungsweise 210 ab 24. März). Die drei neuen Züge werden Montag bis Freitag in der Hauptverkehrszeit am Nachmittag ebenfalls mit je 150 Sitzplätzen gefahren. Insgesamt erhöht sich daher das Platzangebot in der Zeit von 15.30 Uhr bis 18 Uhr nochmals um 50 weitere auf 400 Sitzplätze. Weitere Verbesserungen soll es in der Sommersaison an den Wochenenden geben. Das erweitere Platzangebot wird bei 13 Zügen je Richtung angeboten.

Landrat Lothar Wölfle erklärt: "Wir sind mit zwei Themen angetreten. Zum einen ging es uns um die Leistung von der Deutschen Bahn." Von der Sauberkeit über die Pünktlichkeit bis zur Verfügbarkeit habe es zahlreiche Beschwerden gegeben. Das alles habe man weitergegeben. Außerdem hätten Nachforschungen zuletzt ergeben, dass das Land Wagenkapazitäten auf der Bodenseegürtelbahn abbestellt hatte. "Heute ging es uns daher insbesondere darum, wie das Land zu einer Verbesserung beitragen kann", so Wölfle. Nachdem er vor Weihnachten heftige Kritik geübt habe, sei er nun mit dem Ergebnis zufrieden. "Das Ministerium hat sich wirklich angestrengt." Das Land bestelle ab dem 24. März zusätzliche Kapazitäten. "Wo bislang ein Waggon im Einsatz war, sind es künftig zwei. Wo es zwei Waggons waren, werden es ab März drei sein", betont der Landrat. Darüber hinaus gebe es zu den Hauptverkehrszeiten ein zusätzliches Angebot. Das erarbeitete Konzept halte er für absolut tragfähig. Jetzt müsse sich dieses in der Praxis bewähren. "Und da bleiben wir dran", sagt Wölfle.

Das Angebot der Bodenseegürtelbahn soll nach vielen Beschwerden nun verbessert werden. Ein Zwei-Stufen-Konzept wird ab März umgesetzt.
Das Angebot der Bodenseegürtelbahn soll nach vielen Beschwerden nun verbessert werden. Ein Zwei-Stufen-Konzept wird ab März umgesetzt. | Bild: Katy Cuko

Weniger euphorisch ist da Norbert Zeller, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion. Die Entscheidung ist aus seiner Sicht überfällig. "Wir beklagen seit über zwei Jahren die Missstände auf der Bodenseegürtelbahn." Das Verkehrsministerium habe viel zu lange zugesehen, wie die Bahn ihren Vertrag nicht erfüllt habe. Zudem seien in der Vergangenheit Leistungen reduziert worden. "Wir hoffen, dass Stuttgart jetzt aufgewacht ist." Entscheidend werde sein, dass der Minister dranbleibe. "Die erreichten Verbesserungen dürfen noch nicht das Ende sein", betont Zeller. Nach wie vor müsse ein Halbstundentakt angestrebt werden. Außerdem gelte es, die Elektrifizierung voranzutreiben.

„Viele, viele Beschwerden, Zeitungsmeldungen und Bürgerbriefe an uns Landtagsabgeordnete zeigen endlich Wirkung“, sagt Klaus Burger, CDU-Landtagsabgeordneter, der auch den Wahlkreis Bodensee betreut. Die Verbesserungen könnten besonders für den westlichen Bodenseekreis als erster Meilenstein betrachtet werden. Auch der Konstanzer FDP-Landtagsabgeordneten Jürgen Keck zeigte sich erfreut, dass eine Konzeption zur Überwindung der unhaltbaren Zustände vorgelegt wurde. „Ich hoffe nun, dass sich alle Beteiligten an die Vereinbarungen halten werden.

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