Bodenseekreis Kreistag soll Nein zu Aquakultur für Felchen zementieren

SPD und FDP im Kreistag Bodenseekreis stehen Aquakulturen zur Felchenzucht im Bodensee weiter ablehnend gegenüber. Der Kreistag soll am Mittwoch über einen Antrag der beiden Fraktionen beschließen. Gefordert wird darin, dass die Landesregierung sich gegen Netzgehege im See stark macht. Trinkwasserspeicher und Fischzucht gehen nach Ansicht der Antragsteller nicht zusammen. Stattdessen könnten Aquakulturen außerhalb des Sees eine Lösung sein.

Die SPD im Kreistag unternimmt, diesmal mit Unterstützung der FDP, erneut einen Vorstoß, um der Aquakultur im Bodenseekreis einen Riegel vorzuschieben. Der gemeinsame Antrag soll am Mittwoch im Kreisparlament beschlossen werden. Tenor: Die Landesregierung soll sich dafür stark machen, dass Netzgehege zur Fischzucht im Bodensee nicht zugelassen werden. Damit geht die Forderung einher, nicht an dem 2005 in den Bodenseerichtlinien festgelegten Verbot von Netzgehegen im See zu rütteln. Stattdessen könnte die Aquakultur außerhalb des Bodensees auf ihre ökologische Verträglichkeit hin geprüft werden. "Wir lehnen die Aquakultur im Bodensee ab, auch zu Testzwecken", erklärt der SPD-Fraktionschef im Kreistag, Norbert Zeller, vorab auf Nachfrage. Trinkwasserspeicher und Fischzucht: "Beides zusammen geht nicht", sagt er und hofft auf Zustimmung der anderen Fraktionen.

Doch genau das ist in Planung, zumindest wenn es nach der im Sommer gegründeten Genossenschaft "RegioBodenseeFisch" geht. Sie will mit Netzgehegen an zwei Standorten im Überlingen See den Feldversuch wagen. Zur Erzeugung von 500 bis 600 Tonnen Felchen wären zwölf solcher Netzgehege mit einer Fläche von 3800 Quadratmetern nötig, geht aus einem Bericht des Landwirtschaftsministeriums Baden-Württemberg auf eine SPD-Anfrage hervor. Sie war im Mai dem Landtag vorgelegt worden. In etwa diese Menge an Felchen fehlt den Berufsfischern am See im Durchschnitt der Jahre als Wildfang in den Netzen und wird importiert und am Bodensee verkauft.

Die Fischereiforschungsstelle in Langenargen hat in einer Studie untersucht, ob man Felchen in Aquakultur im Bodensee züchten könnte. In dem Glasbehälter schwimmen wenige Tage alte Felchen.
Die Fischereiforschungsstelle in Langenargen hat in einer Studie untersucht, ob man Felchen in Aquakultur im Bodensee züchten könnte. In dem Glasbehälter schwimmen wenige Tage alte Felchen. | Bild: Felix Kästle/dpa

Der Markt für rund 800 Tonnen Felchen pro Jahr ist da. Lohnen könnte sich das auch, steht in dem Papier. Zuchtfelchen in Aquakultur könnten im See für 5,50 bis 6,50 Euro pro Kilo erntereif herangezogen werden, in Kreislaufanlagen an Land für 6 bis 7 Euro. Im Vergleich zu den Importkosten für Felchen aus Italien, Kanada oder anderen Ländern wäre das "wirtschaftlich darstellbar", wurde beim Dialogforum See und Fisch der Internationalen Bodensee-Konferenz (IBK) schon im vergangenen Jahr festgestellt. Weltweit gebe es jedoch trotz relevanter Versuche und Anstrengungen noch keine kommerziell erfolgreiche Produktion von Felchen in geschlossenen Anlagen.

Im Auftrag der Landesregierung untersuchte die Fischereiforschungsstelle in Langenargen in einer vierjährigen Studie bis 2015, ob man Felchen in Aquakultur im Bodensee überhaupt erfolgreich züchten könnte. Fazit: Es geht, am besten mit der Sandfelche. Auf Grundlage der Forschungsergebnisse werden in der Fischbrutanstalt Langenargen derzeit junge Sandfelchen zu einem Elterntierstamm aufgezogen, der als Besatz für künftige Netzgehege dienen könnte.

Doch die Riege der Verbände und Organisationen, die der Aquakultur im See kritisch bis ablehnend gegenüberstehen, ist lang. Selbst das Gros der Berufsfischer, die im vergangenen Jahr kaum 200 Tonnen Felchen gefangen haben, will die Fischzucht im See nicht. Sie befürchten wirtschaftliche Nachteile und schlechte Auswirkungen auf den Wildfischbestand. Die Internationale Gewässerschutzkommission (IGKB) sieht derzeit nicht einmal den Bedarf für eine weitere fachliche Prüfung, obwohl die ökologischen Auswirkungen – Wassertrübung, Nährstoff- und Keimzahl, Sauerstoffzehrung – auf den Bodensee vor allem im unmittelbaren Umfeld solcher Netzgehege nicht geklärt sind. Zumindest in puncto Fütterung der Zuchtfelchen "sind die ökologischen Auswirkungen auf die Umgebung als sehr gering einzustufen", steht in dem Landtagsbericht. Der zusätzliche Phosphoreintrag wäre minimal, auch das Risiko von Fischkrankheiten sei reduzierbar.

Der Tenor der Wasserschutzfraktion ist jedoch einhellig: Aquakultur im See ist nach den Bodenseerichtlinien nicht erlaubt. Selbst eine Pilotanlage bräuchte eine Ausnahmegenehmigung. Die Risiken seien nicht zu überschauen. Und: Der Trinkwasserschutz habe beim Thema Aquakultur erste Priorität.

Offen steht die IGKB jedoch einer Aquakultur mit Seewasser an Land gegenüber. Hier könnten die Abwässer aus der Fischzucht nach dem Stand der Technik gereinigt und damit ein negativer Einfluss auf die Wasserqualität des Bodensees minimiert werden.

Ökologische Zucht?

Lassen sich Felchen im See ökologisch vertretbar produzieren? Der Landtagsbericht zur Aquakultur beruft sich auf das Forschungsprojekt der Fischereiforschungsstelle Langenargen. Hier wurden die Felchen mit handelsüblichem Forellenfutter gefüttert, das überwiegend aus pflanzlichen Rohstoffen besteht. Durch die hohe Verdaulichkeit und geringe Futterverluste seien die ökologischen Auswirkungen gering. Auch der Phosphoreintrag sei minimal. Bei einer Jahreserzeugung von 500 Tonnen Felchen und einem Futtereinsatz von 750 Tonnen gelangen rund drei Tonnen Phosphor zusätzlich ins Wasser, womit der Eintrag um 0,2 Prozent steigen würde. Allerdings bedarf es weiterer Untersuchungen zur Abschätzung der Auswirkungen im unmittelbaren Umfeld eines Netzgeheges. Da zur Zucht nur Felchen vorgesehen sind, die von Elterntieren aus dem Bodensee stammen, gebe es keine Gefahr der genetischen Verfälschung, wenn Fische aus dem Gehegen entweichen.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Herbstliche Weine vom Bodensee
Neu aus diesem Ressort
Bodenseekreis
Friedrichshafen
Bodenseekreis
Bodenseekreis
Bodenseekreis
Bodenseekreis
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren