Bodenseekreis Kreistag lehnt Südumfahrung für Schnetzenhausen vorerst ab

Der Kreistag hat in seiner jüngsten Sitzung die Pläne auf Eis gelegt, eine Ortsumfahrung für den Ortsteil Schnetzenhausen bauen zu lassen. Untersuchungen und Gutachten kamen zu dem Ergebnis, dass weder das Verkehrsaufkommen noch die Schadstoff- oder Lärmbelastung eine Ortsumfahrung rechtfertigen würden. Die Kreisräte forderten jedoch, dass bis Ende 2018 ein Konzept vorgelegt wird, mit welchen Maßnahmen der Verkehr in der Ortsdurchfahrt von Schnetzenhausen gedämpft werden kann.

Mit Blick auf die Freigabe der Bundesstraße 31-neu im Jahr 2020 fürchten viele Einwohner eine höhere Verkehrsbelastung für den Häfler Ortsteil Schnetzenhausen. Zwei Jahre lang wurde untersucht, ob der Bau einer Ortsumfahrung sinnvoll sei. Um die Bürger zu beteiligen, wurde für die verschiedenen Interessengemeinschaften ein Runder Tisch ins Leben gerufen, an dem die Empfehlungen des Straßenbauamts regelmäßig diskutiert wurden.

Doch die Untersuchungen und Gutachten kommen zu dem Ergebnis, dass weder das zu erwartende Verkehrsaufkommen, noch die zu erwartende Schadstoff- oder Lärmbelastung den Bau einer Ortsumfahrung rechtfertigen würden. Durch den Anschluss Heiseloch an die B 31-neu sei lediglich in der Raderacher Straße mit Mehrbelastung zu rechnen. Die Mitglieder des Kreistags fassten deshalb am Mittwoch bei einer Enthaltung den Beschluss, die Pläne nicht weiter zu verfolgen.

Entgegen eines Antrags der Grünen bleibt die Ortsumfahrung aber in der Fortschreibung des Kreisstraßenausbauprogramms. Grüne-Sprecher Ralf Lattner regte auch den Bau einer Stichstraße von der Landesstraße Schnetzenhausen Richtung Kluftern zum Klinikum an, was aber in die Zuständigkeit der Stadt Friedrichshafen fällt.

Landrat Lothar Wölfle sagte: "Fest steht, dass wir durch die festgestellten Ergebnisse keine Planrechtfertigung haben." Stattdessen wolle man sich, in Anlehnung an das Mediationsverfahren in Kluftern, um Maßnahmen entlang der Ortsdurchfahrt kümmern, um eine Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs, um die Umsetzung der Fußgänger- und Radwegekonzeption und die Realisierung des Ausbaus der B 31 zwischen Meersburg und Immenstaad. Außerdem soll der Umweltverbund mit dem Ausbau der Bodenseegürtelbahn gestärkt werden.

Dieter Hornung (CDU) kommentierte: "Wir wollten politisch eine andere Lösung und wir tragen heute ein wichtiges Kreisstraßenprojekt zu Grabe." Mit einem Antrag seiner Fraktion konnte er aber erreichen, dass dem Kreistag bis zum Jahresende ein konkretes Maßnahmenpaket vorgelegt werden muss. Außerdem sollen sowohl der Stand der Umsetzung als auch die Wirkung der Maßnahmen zum Jahresende 2022 erneut beraten werden. "Es macht keinen Sinn, mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen, man muss diese Ergebnisse einfach akzeptieren", brachte er die allgemeine Stimmung auf den Punkt.

Auch Gerlinde Ajiboye-Ames (FDP) stellte fest: "Der politische Wille, den wir vor Jahren hatten, wird heute ad acta gelegt. Die Gutachten sprechen eine deutliche Sprache." Sie unterstützt die Idee einer Stichstraße zum Klinikum und alle angedachten Maßnahmen, die allerdings auch zeitnah umgesetzt werden müssten. Henrik Wengert erklärte: "Die Freien Wähler sind vom Ergebnis des Runden Tisches überrascht und auch etwas ernüchtert, aber wir respektieren das Ergebnis selbstverständlich." Er sprach sich dafür aus, die Maßnahme lediglich einzufrieren und das Projekt nicht gleich aus dem Kreisstraßenausbauprogramm zu nehmen. Der Landrat meinte abschließend: "Egal, wie man zum Thema Umweltverbund steht, ich empfehle den Blick über den See in die Schweiz." Dort trügen Maßnahmen zwar dazu beitragen, die Verkehrszunahme in den Griff zu bekommen, aber nicht dazu, dass der Verkehr abnehme.

Der Runde Tisch

Seine konstituierende Sitzung hatte der Runde Tisch am 1. März 2016. Insgesamt traf er sich zu 15 Sitzungen. Teilnehmer waren die Stadt Friedrichshafen mit der Ortsverwaltung Ailingen, der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben, der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Friedrichshafen, der Landesbauernverband, der Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), die Bürgerinitiative Schnittpunkt Sparbruck, die Bürgerinitiative Schnetzenhauser Straße, die Initiative Verkehrsberuhigung Schnetzenhausen, das Forum Schnetzenhausen, die Interessengemeinschaft Neuhäuser, die Bürgervereinigung Stockerholz, die Fischbacher Runde und das Landratsamt mit dem Amt für Kreisentwicklung und Baurecht.

"Fest steht, dass wir durch die festgestellten Ergebnisse keine Planrechtfertigung haben."

Lothar Wölfle, Landrat

"Wir wollten politisch eine andere Lösung und wir tragen heute ein wichtiges Kreisstraßenprojekt zu Grabe."

Dieter Hornung, CDU

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