Bodenseekreis Jürgen Grässlin liest aus seinem Buch "Schwarzbuch Waffenhandel"

Der Friedensaktivist und Autor Jürgen Grässlin las in der Erlöserkirche in Friedrichshafen aus seinem „Schwarzbuch Waffenhandel“ und machte auf die Gefahren von Waffenhandel aufmerksam. Das Herz der Rüstungsindustrie sei hier am Bodensee.

Mit 2,1 Milliarden Euro war der Gesamtwert des deutschen Waffenhandels im Jahr 2010 so hoch wie nie zuvor. „Man kann erneut von massiven Steigerungen ausgehen“, sagte Jürgen Grässlin, der im Saal der Friedrichshafener Erlöserkirche vor rund 50 Interessierten aus seinem „Schwarzbuch Waffenhandel“ las.

Auf mehr als 600 Seiten legt der profilierteste Rüstungsgegner Deutschlands nicht nur Seilschaften offen. Er gibt den Opfern eine Stimme und den Tätern in Konzernen und Politik in Täterprofilen Name und Gesicht. Deutschland sei in Sachen Waffenhandel Europameister und stehe nach den USA und Russland weltweit an dritter Stelle. 98 Prozent des Waffenexports erfolgen dabei ganz legal.

„Hier am Bodensee sitzen wir im Herz der Rüstungsindustrie“, sagte Grässlin, der 2011 für seine Arbeit mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet wurde. So sei EADS (neu: Airbus) der weltweit größte Hersteller von militärisch und zivil genutzten Hubschraubern. „Im Lybienkonflikt hat EADS alle drei Konfliktparteien beliefert“, nannte er eines von vielen Beispielen, die zeigen, wie gut Krieg fürs Geschäft ist.

Auch für Atomwaffenträgersysteme sei EADS weltweit der einzige Hersteller. Mercedes ist einer der führenden Produzenten von Militärfahrzeugen. Dieselmotoren von Tognum finden sich in Kampfpanzern und Kriegsschiffen. „70 deutsche Firmen haben 2011 bei der Messe Idex in Abu Dhabi für ihre Produkte geworben“, informierte Grässlin.

Geradezu zynisch sei es, wenn die Bundesregierung gleichzeitig die Menschen in Algerien, Tunesien und Ägypten dazu auffordere, auf die Straße zu gehen.

Typisch sei, dass verfeindete Staaten mit Waffen beliefert werden. „Indien und Pakistan, Iran und Irak“, nannte Grässlin als Beispiele. Man spreche dabei von einer Stabilisierung des Gleichgewichts.

„In Wahrheit tragen die Unternehmen massiv zum Leid auf dieser Welt bei, indem sie Öl ins Feuer gießen.“ Ein Dorn im Auge ist Grässlin die Firma Heckler & Koch in Oberndorf am Neckar. „Zwei Millionen Menschen sind Opfer ihrer Waffen geworden.“ Für den Friedensaktivisten stehen Kleinwaffen wie das Gewehr G 3 als Massenvernichtungswaffen weltweit an erster Stelle. So sei Andreas Heeschen, Hauptgesellschafter von Heckler & Koch, für ihn der tödlichste Manager Deutschlands.

2012 erhielt die von Grässlin mitbegründete bundesweite Aufschrei-Kampagne – Schirmherrin ist Margot Käßmann – den Stuttgarter Friedenspreis zugesprochen. „50 Organisationen unterstützen uns und jede Woche kommen neue dazu.“ Grässlin machte Mut, sich nicht mit dem Thema abzufinden, sondern Widerstand zu leisten. „Schließen Sie Bündnisse, kaufen Sie ein anderes Auto oder wechseln Sie die Bank“, forderte er auf.

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