Bodenseekreis Flüssen werden durchlässiger für Fische

In den vergangenen Jahren sind viele Flüsse im Bodenseekreis durch Aufstiegshilfen an Wasserkraftwerken für Fische besser passierbar geworden. Hier sei man "bei 90 Prozent", sagt Thomas Kugel vom Amt für Wasser und Bodenschutz. Vor allem dem Bestand der Seeforelle hat das gut getan.

Die Seeforelle ist ein stattlicher Fisch, bis zu 80 Zentimeter lang und silbern schimmernd. Sie ist launisch, sie ist selten und sie hat ein aufregendes Leben: Natürlicherweise schlüpft sie in flachen Gewässern, schwimmt dann runter in den Bodensee. Dort wird sie erwachsen und zieht später zum Laichen ihren Ursprungsfluss wieder hinauf. Die Seeforelle hat aber ein Problem: Viele Flüsse kommt sie nicht mehr hoch oder als Jungfisch nicht mehr runter. Zwischen 20 und 30 Querverbauungen gibt es in Flüssen im Bodenseekreis, entweder sind es noch genutzte oder ehemalige Wasserkraftanlagen.

"Jede Querverbauung macht den Tieren bei der Wanderung Schwierigkeiten", sagt Thomas Kugel vom Amt für Wasser und Bodenschutz. "Wir haben daher in den letzten Jahren viel für die Fischdurchlässigkeit der Flüsse gemacht." Zunächst habe sich der Kreis in Zusammenarbeit mit Kommunen und Betreibern um Erleichterungen für den Aufstieg der Fische gekümmert. "Da sind wir bei 90 Prozent", sagt er. Bei einigen Verbauungen seien Fischpässe aufgrund der Lage oder der Art der Anlage schwieriger anzulegen. Dass Fische auch beim Absteigen umkommen, weil sie etwa in Turbinen geraten, sei erst in den vergangenen fünf Jahren ins Bewusstsein gerückt. "Jetzt machen wir auch den Abstieg mit, wenn wir etwas ändern. Da sind wir allerdings erst bei zehn Prozent", sagt Thomas Kugel. Das Landratsamt ist fachlich zuständig und berät die Beteiligten: Die Anlagen selbst sind meist in Privatbesitz, die Gewässer gehören den Gemeinden.

Das Wehr in Uhldingen-Mühlhofen ist mit Hilfen für Fische nachgerüstet.
Das Wehr in Uhldingen-Mühlhofen ist mit Hilfen für Fische nachgerüstet. | Bild: Landratsamt

"Es gibt noch viele Barrieren in der Region, die müssen Stück für Stück abgebaut werden", sagt Ulfried Miller, Geschäftsführer des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) Bodensee-Oberschwaben. Moderne Fischtreppen oder Umgehungsrinnen fehlten noch an vielen Kraftwerken. "Seeforellen oder andere Fische, die zu ihren Laichplätzen an der Quelle wandern, können keine Höhenunterschiede von einem Meter überwinden", erklärt Miller. Technische Möglichkeiten gebe es viele, von der Rampe bis zum Fischlift mit Lichtschranke.

Werner Baur, Ravensburger Kreisvorsitzender des Landesfischereiverbands Baden-Württemberg, reicht das nicht: "Gerade bei kleinen Kraftwerken steht die saubere Energiegewinnung in keinem Verhältnis zum ökologischen Schaden, den sie anrichten." Fische kämen in den Anlagen trotz Auf- und Abstiegshilfen zu Schaden. "Ich habe schon gesehen, wie noch lebende Aale mit gebrochener Wirbelsäule hinter der Kraftwerksturbine lagen." Seeforellen gebe es kaum noch. Auch Kleinstlebewesen im Gewässerboden, wie Schwämme, Krebse, Muscheln und Larven, müssten wandern können. Stattdessen lagerten sie sich an jedem Kraftwerk ab, ebenso wie alles weitere Sediment. Die so entstehende Verschlammung werde zum Nährboden für Bakterien, die wiederum CO2 und Methan ausstoßen.

"Der Bestand der Seeforelle wird durch andere Dinge minimiert", sagt hingegen Manfred Lüttke, Ehrenpräsident der Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg. "Zum Beispiel hat sich die Wassertemperatur erhöht, das verträgt die Seeforelle nicht." Eine Folge des Klimawandels, dem die Wasserkraftbetreiber mit erneuerbarer Energie entgegenwirken wollen. "Außerdem fehlen die Laichgebiete, weil es keine Entwässerungskanäle an Wiesen oder Überschwemmungsgebiete gibt und die Flüsse durch die Begradigungen zu schnell fließen", sagt Lüttke. Die Ruhezonen an den Wehren könnten unter Umständen die geschwundenen Laichgründe ausgleichen. Lüttke ist seit Jahrzehnten passionierter Angler. "Ein selbstreproduzierender Fisch schwimmt in keine Turbine", hat er beobachtet. Stattdessen nutzten gesunde Fische die regelmäßigen Überschwemmungen für den Abstieg. Immer mehr Fische stammten aber aus Zuchtanlagen und hätten das Leben in natürlicher Umgebung nie erlernt.

Der Bestand an Seeforellen hat sich dank massiver Gegenmaßahmen wieder einigermaßen erholt.
Der Bestand an Seeforellen hat sich dank massiver Gegenmaßahmen wieder einigermaßen erholt. | Bild: Archiv

Zumindest die Seeforellen in der Bodenseeregion haben es da besser. Ihr Laich wird auch in der Fischzuchtanstalt in Langenargen gesammelt und erbrütet. "Wenn sie ein paar Zentimeter groß sind, kommen sie dann schon in die Gewässer, in denen sie sonst auch heranwachsen", sagt Kugel. So starten sie früh ins wahre Leben und gewöhnen sich an das Wasser, in das sie später zum Laichen zurückkehren – wenn der Mensch sie lässt.

 

Richtlinien

Seit 2000 gibt es die europäische Wasserrahmenrichtlinie, die den nachhaltigen Ressourcenschutz und den Erhalt oder die Wiederherstellung der ökologischen Funktionsfähigkeit der Gewässer in den Mittelpunkt stellt. Ihr Ziel ist ein guter ökologischer und chemischer Zustand von Flüssen und Seen und eine gute Grundwasserqualität. Sie soll für die Qualität des Lebensraums Wasser für Wasserpflanzen, Algen, Kleinlebewesen und Fische sorgen. Dazu gehört auch die Durchlässigkeit für Fische, die zu ihren Laichplätzen wandern.

Querbauten und Wehre für Wasserkraftanlagen sind hier Hindernisse. Stromerzeugung aus Wasserkraft ist effizient und kann im Gegensatz zu anderen erneuerbaren Energien der Grundlast zugeordnet werden. 21 Wasserkraftanlagen liefern im Bodenseekreis Strom ins Netz. Viele von ihnen sind von Privatleuten betriebene kleine Anlagen mit einer installierten Leistung zwischen fünf und 25 Kilowattstunden. Größere Kraftwerke gibt es vor allem an der Argen. Der Anteil des im Kreis erzeugten Stroms aus Wasserkraft am gesamten Stromverbrauch beträgt rund 0,1 Prozent.

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