Bodenseekreis Flüchtlinge haben Chance auf Arbeit

13 geflüchtete Männer absolvieren derzeit eine Zusatzqualifizierung im Bereich Metallbau. Trotz einigen Weiterbildungsangeboten – zum Beispiel durch das Jobcenter – spielt das Thema Abschiebung in Unternehmen im Bodenseekreis weiterhin eine Rolle

Safi Hazratdinis Augen leuchten, wenn er von seiner Arbeit spricht. "Ich habe mein Ziel fast erreicht, es macht Spaß", sagt der aus Afghanistan stammende Flüchtling. Hazratdini arbeitet bei dem Unternehmen Ziegler GmbH in Bermatingen – im Rahmen einer Teilqualifizierung "TQplus Fachkraft für Metalltechnik" des Bildungswerks der Baden-Württembergischen Wirtschaft. In Afghanistan war er Einzelhandelskaufmann, in Deutschland wollte er sich in einem anderen Bereich weiterentwickeln. "Am Anfang habe ich einen Sprachkurs absolviert und erfolgreich abgeschlossen. Jetzt habe ich einen Ausblick auf eine Ausbildung, zum Beispiel als Industriemechaniker. Das macht meine Zukunft sicher", erzählt Hazratdini. Er ist froh, dass er diese Chance bekommen hat. Als einer von 13 geflüchteten Männern nimmt er an der Weiterbildungsmaßnahme teil. Anlässlich eines Pressegesprächs in den Räumen des Bildungswerks in Friedrichshafen haben Teilnehmer, Organisatoren und Unternehmenspartner die sechsmonatige Qualifizierung kürzlich vorgestellt. Derzeit haben die Teilnehmer etwa zwei Drittel geschafft, die Prüfungen stehen in den kommenden Wochen an. Auch Osama Alali ist mit der Kurzausbildung zufrieden. "Ich habe bisher viel gelernt. In der Theorie zum Beispiel Mathe und Deutsch. Praktisch gearbeitet haben wir in Bermatingen viel gelernt", sagt Alali.

Dass es für Geflüchtete trotz allem weiterhin schwer bleibt, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, zeigen andere Fälle aus dem Landkreis. So ist es für Momin Qadari, Auszubildender bei Naturata in Überlingen, immer noch nicht sicher, ob er in Deutschland bleiben darf. "Qadari hatte gegen den Abschiebungsbeschluss Widerspruch eingelegt, momentan laufen die Verhandlungen", sagt Thilo Kauf, Geschäftsführer bei Naturata. Im September vergangenen Jahres habe der 19-jährige Afghane seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bei dem großen Naturwarenladen begonnen. "Wir hoffen natürlich, dass Qadari bleiben darf. Sonst hätten wir ihm vermutlich keinen Ausbildungsplatz gegeben", gibt sich Kauf zuversichtlich. Mit dem Thema Abschiebung zu kämpfen hat auch Marion Wagner, Geschäftsführerin der Häfler Firma ASL. Einer ihrer Arbeiter, der Albaner Elton Sulaj, musste 2016 das Land verlassen. Seitdem bemüht sich Wagner, den jungen Mann zurückzuholen. "Nachdem wir es erst mit einem Ausbildungsvertrag für Elton versucht haben, sind wir jetzt dabei, einen Arbeitsvertrag fertigzumachen", erklärt Wagner. Dies habe ihr ein Mitarbeiter am Mittwoch bei der Ausländerbehörde empfohlen. "Wir kämpfen seit fast drei Jahren darum, dass Elton wieder einreisen darf, und hören erst damit auf, wenn er da ist", sagt Wagner entschlossen.

Wie Walter Nägle, Pressesprecher Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg, berichtet, ist der Bedarf auf dem Arbeitsmarkt in jedem Fall da. Im vergangenen Jahr haben 321 geflüchtete Menschen im Gebiet der Agentur eine Arbeit aufgenommen, 197 eine Ausbildung begonnen. "Ab dem Zeitpunkt der Anerkennung haben asylberechtigte Menschen und anerkannte Flüchtlinge mit einer Aufenthaltserlaubnis uneingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt", erklärt Nägele. Er verweist auf die sogenannte "drei-plus-zwei-Regel": Während einer dreijährigen Ausbildungszeit und einer zweijährigen Folgebeschäftigung gilt ein Schutz vor Abschiebung. Für den Eintritt in den Arbeitsmarkt sei die Sprache von großer Bedeutung. Das betont auch Georg Beetz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bodenseekreis. "Neben Motivation müssen natürlich Deutschkenntnisse da sein", sagt Beetz. Im Kammergebiet gebe es derzeit insgesamt 25 Flüchtlinge, die eine Ausbildung in einem Handwerksberuf absolvieren.

Aufgabe des Jobcenters

Einige Angebote zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt entstehen durch das Jobcenter Bodenseekreis. Wie Amtsleiterin Maria Gerard auf Nachfrage erklärt, werden mit möglichen Trägern Konzepte entwickelt. "Dann schauen wir in unserem Bestand, welcher Flüchtling für das jeweilige Angebot geeignet ist und informieren diese dann", so Gerard. Im Fall der BBQ-Teilqualifizierung zur Fachkraft für Metalltechnik habe das Jobcenter nach denjenigen Ausschau gehalten, die sich für Metall interessieren. "Wichtig war auch, dass bereits ein Sprachkurs absolviert wurde, denn Deutschkenntnisse sind bei solch einer Weiterbildung natürlich nötig", sagt Gerard. Über ein weiteres Projekt mit dem Unternehmen BBQ werde derzeit diskutiert. "Wenn es soweit sein sollte, informieren wir wieder alle geeigneten Flüchtlinge im Kreis", sagt Gerard. (lip)

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