Bodenseekreis Ein Leben ohne Müllberge: Landratsamt sucht "Zero-Waste"-Familien

Im Bodenseekreis wird die "Zero-Waste-Family" gesucht. Das Abfallwirtschaftsamt will wissen, gibt es im Landkreis Familien, die sich der Herausforderung stellen und für das Projekt drei Monate lang möglichst wenig Abfall produzieren?

Der Abfall eines ganzen Jahres passt bei Bea Johnson in ein Einmachglas. Die in Frankreich geborene Amerikanerin gilt als Vorreiterin der sogenannten Zero-Waste-Bewegung (Null Müll), deren Ziel es ist, so wenig Müll wie möglich zu hinterlassen. Auch in Deutschland gibt es immer mehr Gruppen und Mitglieder, die sich dieser Philosophie anschließen. Im Bodenseekreis wird jetzt die "Zero-Waste-Family" gesucht. Das Abfallwirtschaftsamt will wissen, gibt es im Landkreis Familien, die sich der Herausforderung stellen und für das Projekt drei Monate lang möglichst wenig Abfall produzieren?

  1. Wie läuft das Projekt "Zero-Waste-Family" ab? Die Teilnehmer erhalten nach Angaben des Landratsamts vorab einen Fragebogen, durch den die derzeit produzierte Abfallmenge erfasst wird. Damit soll am Ende der Erfolg des Projekts gemessen werden. Wörtlich genommen wäre es das Ziel, keinen Müll zu produzieren. "Aber das ist sicher nicht realistisch", so das Landratsamt. Es werde nicht nur die Menge an Restmüll betrachtet, sondern auch wie viele Wertstoffe, beispielsweise Papier, Plastik oder Glas, eingespart wurden. Hier gebe es sicherlich ein großes Einsparpotenzial. "Uns interessiert gerade auch bei den Wertstoffen, wie schwer es beispielsweise ist auf Kunststoffverpackungen zu verzichten", teilt die Behörde mit. Außerdem wolle man der Frage nachgebe: Gibt es mögliche Alternativen dazu?
  2. Was ist das Ziel der Aktion? Der beste Abfall ist der, der erst gar nicht entsteht, teilt das Landratsamt auf Anfrage mit. Weiter wolle man dafür sensibilisieren, was Abfallvermeidung bedeutet. Der Fokus liege momentan eher auf der Sammlung von Wertstoffen. "In Deutschland sind wir Weltmeister im Sammeln von Altglas, Papier und anderen Wertstoffen. Das ist gut – aber besser ist es natürlich, erst gar keinen Abfall zu produzieren", schreibt das Landratsamt weiter. Gerne wolle man daher die Erfahrungen, die die Zero-Waste-Familien während des Projekts machen, an andere Bürger weitergeben. "Manch ein Tipp ist vielleicht dann auch für andere nützlich und umsetzbar."
  3. Wie ist die Idee entstanden? Im Abfallwirtschaftskonzept des Bodenseekreises wurde nach Angaben des Landratsamts festgelegt, Leitfäden und neue Programme zur Abfallvermeidung zu erstellen, zu fördern und umzusetzen und somit die fünfstufige Abfallhierarchie der Europäischen Union in der Praxis umzusetzen. Das Team der Abfallberatung suche daher immer wieder nach neuen Maßnahmen zur Abfallvermeidung. So sei die Überlegung entstanden, ob es Familien gibt, die den Versuch, drei Monate keinen Müll zu produzieren, ausprobieren möchten. Das Abfallwirtschaftsamt möchte am Ende des Projekts erfahren: Welche Herausforderungen müssen die Teilnehmer meistern? Kostet es mehr Zeit oder Geld, abfallarm zu leben? Oder kann gespart werden? Wie kocht und kauft man ein, ohne Müll zu produzieren? Wo findet man Zahnpasta oder Pflegemittel ohne Plastik? Macht es Spaß oder wollten die Teilnehmer abbrechen?
  4. Wer kann mitmachen und wie ist die Resonanz bislang? Teilnehmen können Familien und Einwohner aus dem Bodenseekreis. Noch sei das Interesse etwas zurückhaltend. Momentan gibt es zwei Anfragen.
  5. Wann startet und wie lange läuft das Projekt? Anmeldeschluss für Teilnehmer ist der 31. Januar. Dann läuft der Versuch laut Landratsamt drei Monate lang: "In dieser Zeit werden die Familien von der Abfallberatung begleitet, um zu erfahren, wie es den Teilnehmern bei der Umsetzung dieses Projektes ergeht." Wer am wenigsten Müll produziert oder am Ende das beste Konzept/Mülltagebuch vorlegt, wird der Gewinner sein. Einsendeschluss für das Mülltagebuch ist der 15. Mai. "Wir sind auf kreative Beiträge, Ideen und Konzepte gespannt." Drei Familien dürfen sich über einen Einkaufsgutschein jeweils über 250 Euro für abfallarmes Einkaufen in einem Biomarkt oder auf einem Wochenmarkt freuen.

Zero Waste

  • Abfallmengen im Bodenseekreis: 114 Kilogramm Rest- und Sperrmüll produziert jeder Einwohner im Bodenseekreis pro Jahr im Durchschnitt. 32 000 Tonnen schwer ist nach Angaben des Abfallwirtschaftsamts der jährlich zur Müllverbrennung fließende Abfallstrom aus dem Landkreis. Dazu kommen noch 80 Kilogramm Bioabfall, 36 Kilogramm Verpackungsabfälle (Gelber Sack) und 90 Kilogramm Papier pro Einwohner.
  • Der Begriff Zero Waste stammt ursprünglich aus der Industrie und beschreibt ein Prinzip, Produkte so zu entwerfen, dass ihre Bestandteile wiederverwertet werden können. Heute ist der Begriff zu einer weltweiten Bewegung für ein weitgehend müllfreies Leben mit Tausenden Anhängern geworden.
  • Einkaufen ohne Verpackung: Abfallvermeidung beginnt beim Einkaufen. Den ersten verpackungsfreien Laden im Bodenseekreis gibt es in Markdorf. Simone Keller betreibt dort den „Unverpackt“-Laden. Die Idee: Nach dem Einkauf nehmen Kunden die Ware in selbst mitgebrachten Behältern mit. Auch in Konstanz und Ravensburg ist das Einkaufen ohne Verpackung möglich.

Das Anmeldeformular für da Projekt "Zero-Wast-Family" gibt es im Internet: www.abfallwirtschaftsamt.de

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