Bodenseekreis Echt-Bodensee-Card droht das Aus

Die Geios AG, technischer Anbieter der Echt-Bodensee-Card (EBC), ist pleite. Firmenchef Konstantin Andreas Feustel hat beim Amtsgericht Kempten Insolvenz angemeldet, bestätigt der Richter und stellvertretende Pressesprecher Armin Baumberger. Demnach ist Feustels Firma entweder zahlungsunfähig oder überschuldet. Der Antrag liege vor, eröffnet sei das Verfahren noch nicht, so Baumberger. Robert Saam aus Kempten sei als Gutachter bestellt, um zu prüfen, ob ein Insolvenzverfahren eröffnet wird. Damit droht der Gästekarte Echt-Bodensee-Card das Aus, die technische Basis wackelt.

Was bedeutet das für die elektronische Gästekarte, die erst im April in Langenargen, Eriskirch, Bodman-Ludwigshafen und Sipplingen eingeführt wurde? Und was bedeutet es für die Urlauber, die mit der EBC freie Fahrt in Bus und Bahn bekommen können? Solange die Geios-Software im Rechenzentrum läuft, ändert sich am Betrieb der Karte vorerst nichts. Derzeit funktioniert auch der technische Support für die Echt-Bodensee-Card, wie ein Testanruf zeigte.

Alles Weitere hängt vom Gutachter oder Insolvenzverwalter ab. Ist noch genügend Finanzmasse da, um das Verfahren zu eröffnen, steht die Firma quasi zum Verkauf. Von den 17 Mitarbeitern, die die Geios AG zwischenzeitlich hatte, ist fast keiner mehr für die Firma tätig; die Fotos der Beschäftigten auf der Homepage sind schon vor Wochen von der Internetseite verschwunden. Mit einem neuen Eigentümer hätte die Deutsche Bodensee Tourismus GmbH (DBT) als Anbieter der Gästekarte unter Umständen wieder einen Vertragspartner für das EBC-System, mit dem vermutlich neu verhandelt werden müsste, sagt ein Branchen-Insider.

Gelänge es einem bestellten Insolvenzverwalter nicht, die Geios AG oder auch nur die Software und deren Entwickler für die Echt-Bodensee-Card und zwei weitere Gästekarten – Hochschwarzwald-Card und Saarland-Card – zu verkaufen, wäre die EBC rein technisch Geschichte. Das trifft auch dann zu, wenn ein Insolvenzverfahren mangels Masse erst gar nicht eröffnet wird.

Im Landratsamt weiß man seit Längerem Bescheid. Für nächsten Dienstag sei eine Gesellschafterversammlung anberaumt, „danach nehmen wir Stellung“, erklärt Pressesprecher Robert Schwarz auf Anfrage. Viele Fragen stehen im Raum. Nach EU-weiter Ausschreibung erhielt die Geios AG im Februar 2016 als Start-Up den Zuschlag, ohne dass offenbar der wirtschaftliche Hintergrund der erst zehn Monate zuvor gegründeten Firma gründlich genug geprüft wurde und ohne dass Referenzen, geschweige denn eine Software-Lösung vorlagen. Die Wilken GmbH als zweiter Bieter hatte den Zuschlag trotz fachlich bester Eignung nicht erhalten, weil ihr Angebot vier Mal teurer war als das der Geios AG.

Deren Gründer und Geschäftsführer Konstantin Andreas Feustel ist gleichzeitig Chef des Beratungsunternehmens Wiif GmbH in Oberstaufen. In dieser Funktion berät der 38-Jährige den Landkreis seit 2014 in Sachen EBC und verantwortet somit das Konzept für die elektronische Gästekarte mit. 2015 gründete er die Geios AG. DBT-Geschäftsführer Enrico Heß beantwortete unsere Anfrage zu den Konsequenzen für die EBC nicht.

Steuergeld verpufft?

Der Kreistag hat 2016 in einem so genannten Betrauungsakt der DBT einen Kredit in Höhe von 1,2 Millionen Euro für die Einführung der EBC gewährt. 700.000 Euro davon hat die DBT bereits abgerufen, ein Großteil davon dürfte an die Geios AG geflossen sein.

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