Bodenseekreis Berufspendler: Am anderen Bodenseeufer lockt das Geld

Die Zahl grenzüberschreitender Pendler am Bodensee steigt ständig, wie ein Blick auf die Statistikplattform Bodensee der Internationalen Bodensee-Konferenz zeigt. Vor allem die Schweiz und Liechtenstein sind gegen des Lohnniveaus attraktiv. Vor allem am deutschen Seeufer wirkt sich das Pendeln negativ aus: Hier treten die Firmen in Konkurrenz mit Unternehmen auf der anderen Seeseite, die höhere Löhne zahlen.

Morgens einmal über den See – für immer mehr Menschen aus der Bodenseeregion gehört das zum Alltag. Aus dem Bodenseekreis gehen rund 500 Menschen zum Arbeiten in die Schweiz, andere fahren nach Österreich oder Liechtenstein. Besonders viele zieht es in den gegenüberliegenden Kanton Thurgau, aber auch nach St. Gallen, Zürich und Schaffhausen. Im Nachbarkreis Konstanz pendeln fast 10 000 Berufstätige täglich über die nahe Grenze. Diese Daten hat die Statistikplattform Bodensee erhoben, eine Arbeitsgruppe der Internationalen Bodensee-Konferenz.

"Es gibt Leute, die sagen, das Arbeitsklima sei hier angenehmer, aber vor allem liegt es an der Lohndifferenz und natürlich auch am starken Franken", sagt Peter Maag, Direktor der Industrie- und Handelskammer (IHK) Thurgau. Eine Krankenschwester kann in der Schweiz doppelt so viel verdienen wie in Deutschland, Einstiegslöhne von 5000 Franken im Monat (etwa 4300 Euro) sind für eine examinierte Pflegekraft durchaus drin. Das gilt auch für Lehrer: In Baden-Württemberg beginnt deren Gehaltstabelle bei 2505,52 Euro im Monat und endet für einen Oberstudienrat mit viel Berufserfahrung bei 6989,65 Euro. In Zürich kann ein Gymnasiallehrer bis zu 170 000 Franken Jahresgehalt beziehen, das sind rund 146 000 Euro. Das Einstiegsgehalt für Grundschullehrer liegt bei rund 70 000 Franken (60 200 Euro). Auch in der Wirtschaft wird besser gezahlt. Verdient ein Ingenieur in Deutschland, abhängig von Branche, Alter und Erfahrung, durchschnittlich 60 000 Euro im Jahr, sind es in der Schweiz über 80 000 Euro.

Vergleichsweise niedrige Mieten und Lebenshaltungskosten am nördlichen Ufer machen es attraktiv, in Deutschland zu wohnen und in der Schweiz zu arbeiten: Es gibt keine Sprachbarrieren und aufgrund der EU-Personenfreizügigkeit beziehungsweise bilateraler Verträge auch keine wesentlichen Beschränkungen in der Arbeitsmigration zwischen den Anrainerstaaten am See.

Vor allem Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe, in diversen Dienstleistungsbranchen und im Gesundheitswesen sehen ihre Chancen in den Anrainerstaaten. "Wir haben eine hohe Nachfrage im Gesundheitswesen, die Industrie zieht erst jetzt wieder richtig an", sagt Maag. Dennoch sind auch qualifizierte Techniker und Ingenieure gefragt. "Wir bilden in der Schweiz zu wenige Ingenieure aus, daher ist für unsere Firmen die Hochschule Konstanz sehr wertvoll", sagt Peter Maag.

Für die Unternehmen auf der deutschen Seeseite sind diese Bewegungen weniger erfreulich. Zwar ist der Bodenseekreis weniger von Abwanderung betroffen als etwa Konstanz. Aber die Firmen sind sich der Konkurrenz um qualifizierte Angestellte bewusst. "Mittlerweile bezeichnen fast 60 Prozent der regionalen Unternehmen den Fachkräftemangel als Risiko Nummer eins für ihren weiteren Geschäftsverlauf. Jede Fachkraft, die abwandert, ist ein Verlust. Aber die Arbeitsmarktgegebenheiten sind in Grenzregionen besonders wettbewerbsorientiert und derzeit begünstigt der Euro-Franken-Kurs das Pendeln in die Schweiz zum Arbeiten zudem", sagt Peter Jany, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bodensee-Oberschwaben.

Die Firmen versuchen, mit attraktiven Arbeitsplätzen und Rahmenbedingungen Auszubildende und Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Die Langzeittendenz allerdings geht in die andere Richtung: Seit 2010 verzeichnet die Statistikplattform einen stetigen Anstieg der grenzüberschreitenden Arbeitsmobilität rund um den Bodensee. Die Zahl der Berufstätigen aus Deutschland und Österreich, die ihr Geld in der Schweiz verdienen, stieg in dem Zeitraum um über 30 Prozent.

 

Pendlerströme

Die Statistikplattform Bodensee befasst sich mit Fragen der öffentlichen Statistik in der Grenzregion Bodensee. Sie hat für das Jahr 2016 rund 53 900 Personen gezählt, die über die Staatsgrenzen hinweg zu einem Arbeitsort im Gebiet der internationalen Bodenseeregion pendelten. Mit fast 24 000 sind Deutsche darunter die größte Gruppe. Sie stieg im vergangenen Jahr um weitere 4,3 Prozent. Rund 20 000 Deutsche gehen in die Schweizer Kantone Zürich, St. Gallen, Schaffhausen und Thurgau zur Arbeit, umgekehrt kamen knapp 600 Personen aus der Schweiz in die deutsche Bodensee-Teilregion. Die Zahl der Grenzgänger in die Schweiz stieg im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent auf insgesamt 37 300. Rund 3300 Deutsche pendeln nach Österreich. Attraktiv ist auch das Fürstentum Liechtenstein. Hier kommen täglich etwa 20 000 Personen über die Grenze, sie machen 53,5 Prozent aller Erwerbstätigen aus. Die meisten von ihnen reisen aus der Schweiz an.

Die Pendlerströme im Internet: www.statistik-bodensee.org

 

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