Bodenseekreis Bauernhof-Netzwerk verbessert Fruchbarkeit der Böden

Ein Netzwerk von Bauernhöfen am Bodensee engagiert sich für Qualitätsverbesserung bei Böden. Eine Exkursion auf den Rimpertsweiler Hof in Salem zeigt aktuelle Probleme auf, aber auch Wege, wie die Qualität von Böden verbessert werden kann. Ein Bodenfruchtbarkeitsfonds unterstützt Biolandwirte mit einem finanziellen Beitrag.

Der Begriff Nachhaltigkeit hat eine große Karriere gemacht in den letzten Jahrzehnten. Seine Wurzeln reichen allerdings Jahrhunderte zurück zu einer Forstwirtschaft, die darauf achtet, nie mehr Holz zu schlagen als im Wald nachwächst. Ein derartig ressourcenschonender Umgang wäre in der gesamten Landwirtschaft wünschenswert, um die wichtige Substanz und die Fruchtbarkeit der Böden langfristig und damit für die nachfolgenden Generationen zu sichern.

Allerdings nimmt die wichtige Humusschicht, die oft nur wenige Zentimeter beträgt, Jahr für Jahr ab und damit zugleich die Bodenfruchtbarkeit und die Ertragskraft. Schon durch Erosion gehen nach den Zahlen des Weltagrarberichts mehr als 24 Milliarden Tonnen Boden weltweit verloren – das sind jährlich mehr als drei Tonnen Boden je Erdbewohner. Den Qualitätsverlust an Fruchtbarkeit beziffern Experten allein im Bereich der Europäischen Union mit 38 Milliarden Euro. Mit einem Pilotprojekt dieser Entwicklung gegensteuern will ein Bodenfruchtbarkeitsfonds, der unter dem Dach der Schweizer Trigon-Stiftung gegründet wurde und nun bei der Biostiftung Schweiz in Arlesheim angesiedelt ist. Ihm gehören derzeit 38 Bauernhöfe aus den vier Ländern rund um den Bodensee und in Süddeutschland als Partner an. Mit dabei sind aus dem Bodenseekreis fünf Biohöfe im Deggenhausertal, in Friedrichshafen, Salem und Überlingen.

Johannes Burka war quasi Gastgeber auf dem Rimpertseiler Hof und demonstriert die Bodenqualität in seinen Gewächshäusern. Anschließend erläuterten Vertreter der Bio-Stiftung Schweiz den Teilnehmern die Ziele des Bodenfruchtbarkeitsfonds.
Johannes Burka war quasi Gastgeber auf dem Rimpertseiler Hof und demonstriert die Bodenqualität in seinen Gewächshäusern. Anschließend erläuterten Vertreter der Bio-Stiftung Schweiz den Teilnehmern die Ziele des Bodenfruchtbarkeitsfonds. | Bild: Hanspeter Walter

Den entscheidenden Unterschied an Bodenqualität und Fruchtbarkeit kann man geradezu sehen, fühlen und riechen. Die Teilnehmer der jüngsten Exkursion von "Wir – Biopower vom Bodensee" – Landwirte, Verbraucher und andere Interessierte – konnten dies auf dem Rimpertsweiler Hof in Salem-Oberstenweiler mit allen Sinnen erleben. "Das riecht richtig nach Waldboden", lautete einer der erstaunten Kommentare zum Humus in der hohlen Hand. Die Bodenexperten wie Ulrich Hampl hatten an verschiedenen Stellen mit einem Spezialspaten besondere Bodenprofile ans Licht befördert. Auch an der Krümelstruktur lässt sich quasi zwischen den Fingern die Luftdurchlässigkeit und die Fähigkeit, Wasser zu binden, erspüren. Beides ist wichtig für die Mikroorganismen und die organische Substanz, die im Grunde die Fruchtbarkeit der Böden ausmachen.

Der Bodenqualität mit allen Sinnen auf der Spur.
Der Bodenqualität mit allen Sinnen auf der Spur. | Bild: Hanspeter Walter

Wie dünn die eigentliche Humusschicht mit nur wenigen Zentimetern auf einem Getreidefeld ist, überrascht die Teilnehmer der Exkursion. Umso wichtiger ist die sorgfältige Pflege des Bodens und seine natürliche Düngung. Sauerstoff ist erforderlich, damit Mikroorganismen das organische Material mit Gewinn verarbeiten und zersetzen können. Der Boden muss dazu locker und gut durchlüftet sein. Einfach mit dem Wendepflug das Obere nach unten zu kehren, trage zur Fruchtbarkeit wenig bis nichts bei, erläutert Ulrich Hampl. Im Gegenteil: Wenn das organische Material unter Luftabschluss quasi verfault, sei das der Qualität sogar abträglich. Daher werden Geräte eingesetzt, die die natürlich entstandene Schichtung des Bodens nicht zerstören oder gar ganz auf den Kopf stellen.

Nicht ohne Grund gilt die Luzerne in der Landwirtschaft schon immer als wichtiger Bodenverbesserer. Das Kleegras wurzelt zum einen vier bis fünf Meter in die Tiefe, wie das Bodenprofil zeigt. Damit kann es längere Trockenperioden gut überdauern. Durch die Knöllchenbakterien in den Wurzeln kann zudem der Luftstickstoff verfügbar gemacht werden, ein wichtiges Element der natürlichen Düngung.

Ganz andere Bedingungen gelten dagegen im Gewächshaus. Ohne Torfbestandteile kommt auch Demeter-Bauer Johannes Burka vom Rimpertsweiler Hof hier nicht aus. "Wir brauchen und haben hier eine besonders ausgeprägte Humusschicht, die rund zwölf Zentimeter ausmacht", erläutert Burka den Teilnehmer der Exkursion und lässt sie dies mit den Fingern erfühlen – und mit der Nase riechen.

Fruchbarkeitsfonds für den Boden

  • Das auf drei Jahre angelegte Pilotprojekt des Bodenfruchtbarkeitsfonds steht quasi in den Startlöchern, wie Mathias Forster, Stiftungsrat der Bio-Stiftung Schweiz und Geschäftsführer der Trigon-Stiftung, betont. Die 32 Partnerhöfe, davon 18 in Deutschland, neun in der Schweiz, drei in Österreich und zwei in Liechtenstein, sind schon 2016 auserkoren worden. Davon liegen fünf im Bodenseekreis. Das Budget für die finanzielle Förderung mit 250 Euro pro Hektar, das sind 50 Prozent der angesetzten Mehrkosten für die systematische Bodenverbesserung, liegt bei 1,52 Millionen Euro. "Davon haben wir durch unser Fundraising zwar schon feste Zusagen in Höhe 750 000 Euro zusammen", ist Forster zufrieden mit den Zuwendungen von Stiftungen, Privatpersonen und Unternehmen. Diese seien allerdings auf die drei Jahre verteilt und an die Finanzierung des Gesamtbudgets geknüpft. "Wir können mit den Auszahlungen daher erst beginnen, wenn die Zusagen von 550 000 Euro für das erste Jahr erreicht sind", sagt Forster. Ungeachtet dessen habe die Stiftung schon mit Fachveranstaltungen und der Dokumentation des Zustands begonnen. Informationen im Internet: www.bodenfruchtbarkeit.bio
  • "Wir – Bio-Power vom Bodensee" versteht sich als Netzwerk von Erzeugern, Großhandel, Naturkosthändlern und Konsumenten. Es will eine Plattform für Informationen, Hof- und Geschmackserlebnisse sein und die Partnerschaft der Beteiligten weiterentwickeln. Dazu veranstaltet das Netzwerk regelmäßig Exkursionen zu Betrieben in der Region. Informationen im Internet: www.wir-bodensee.bio

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