Meckenbeuren 197 Lehramtsanwärter starten ins Referendariat

Der größte Kurs von Lehramtsanwärtern, der am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in 32 Jahren in Meckenbeuren ins Referendariat startete, wurde willkommen geheißen. Es war zugleich der letzte Kurs, der seinen Amtseid in Meckenbeuren schwor. Das Seminar zieht nach Weingarten um.

197 Lehramtsanwärter für Grundschule und Sekundarstufe nehmen den Vorbereitungsdienst, das Referendariat, am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Meckenbeuren auf. Der größte Kurs, den es hier je gab, wie Seminardirektor Karl Handschuh erklärte, der die Anwärter gestern vereidigte.

"Es geht nicht darum, 25 kleine Roboter mit der gleichen Software zu programmieren", sagte Handschuh. So seien Lesen, Schreiben und Rechen lediglich das Fundament der Bildung. Mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung, die in der Schule das "Ende der Kreidezeit" eingeläutet habe, warnte Handschuh: "Es ist ein Irrtum zu glauben, es genüge zu wissen, wo etwas steht." Die Fachlichkeit sei unersetzlich und keinesfalls Selbstzweck, wirkliches Erleben nichts Passives. "Es erfordert Offenheit, Mut und einen Ruck, den man sich selbst gibt."

Karl Handschuh, Direktor des Staatlichen Seminars für Didaktik und Lehrerbildung, zur Frage von Quereinsteigern in den Lehrerberuf an Grundschulen: "Der Lehrerberuf ist so verantwortungsvoll und vielschichtig, dass ein Seiteneinstieg eigentlich nicht möglich ist."
Karl Handschuh, Direktor des Staatlichen Seminars für Didaktik und Lehrerbildung, zur Frage von Quereinsteigern in den Lehrerberuf an Grundschulen: "Der Lehrerberuf ist so verantwortungsvoll und vielschichtig, dass ein Seiteneinstieg eigentlich nicht möglich ist."

Für Lea Pauer aus Blitzenreute gaben die positiv erlebte eigene Schulzeit und Erfahrungen in der Jugendarbeit den Ausschlag, Lehrer in der Sekundarstufe 1 zu werden. Dabei war die im Vergleich zu den Kollegen am Gymnasium schlechtere Bezahlung für sie kein Kriterium. "Für mich sind Kinder einfach etwas Positives", erzählte Lea Pauer. Sarah Kuschelmeister wird künftig an einer Grundschule unterrichten und folgt damit ihrem Vater, ebenfalls Grundschullehrer. "Ich wurde schon früh in diese Richtung sozialisiert und das hat mir gut gefallen", erklärte sie ihre Berufswahl. An der Grundschule gefalle ihr besonders, dass das Lernen für die Kleinen noch eine Freude sei. Die unterschiedliche Bezahlung an Gymnasien und Grundschulen ist für sie nicht gerechtfertigt. "Wir Grundschullehrer müssen einer viel größeren Heterogenität gerecht werden."

Elisabeth Kugel, Bürgermeisterin von Meckenbeuren, bedauerte, dass das Lehrerseminar nach 32 Jahren von Meckenbeuren nach Weingarten umzieht. Den jungen Lehrern wünschte sie, dass sie etwas von ihrer Leichtigkeit mit in den Schulalltag nehmen. "Bei Ihrer Arbeit bekommen Sie gesellschaftliche Veränderung hautnah zu spüren", sagte Kugel. Dabei verhelfe Bildung zur Orientierung in der Gesellschaft. "Bewahren Sie sich immer den Blick für die Stärken und Schätze der Schüler", gab ihnen die ehemalige Schulsozialarbeiterin mit auf den Weg ins Berufsleben.

197 Lehramtsanwärter wurden im Bildungszentrum Meckenbeuren vereidigt. Vor ihnen liegen eineinhalb Jahre Referendariat an einer Grundschule oder in der Sekundarstufe 1.
197 Lehramtsanwärter wurden im Bildungszentrum Meckenbeuren vereidigt. Vor ihnen liegen eineinhalb Jahre Referendariat an einer Grundschule oder in der Sekundarstufe 1. | Bild: Claudia Wörner

Vonseiten des Regierungspräsidiums Tübingen sagte Hartmut Nill: "Die Arbeit als Lehrer ist zutiefst zufriedenstellend und sinnstiftend." 13 500 Kollegen seien an mehr als 600 Schulen im Bezirk des Regierungspräsidiums tätig. Drei Punkte zeichneten einen guten Lehrer aus: ein wertschätzender Umgang mit Kindern, Eltern und Kollegen, die individuelle Förderung des Einzelnen und die Erziehung hin zu einem verantwortungsvollen und toleranten Mitglied einer offenen Gesellschaft. "Kinder werden heute nicht mehr nach Schularten sortiert."

Aus der Sicht der Eltern fragte Andreas Konrad, Vorsitzender des Gesamtelternbeirats Meckenbeuren, die Lehramtsanwärter mit einem Augenzwinkern: "Warum tun Sie sich das an? Sie könnten auch einen ruhigen Bürojob wählen." Die Anwärter sollten sich die Gründe auf einen Zettel schreiben, den sie immer wieder hervorholen könnten, wenn ein neuer Motivationsschub nötig sei. Vonseiten des Personalrats empfahl Ottmar Rupp, den Kontakt mit den Kollegen zu suchen. Auch ihm war die Grundhaltung der Referendare wichtig: "Leisten Sie Ihren Beitrag, damit die Schüler Einsicht und Akzeptanz für unsere Demokratie entwickeln."

 

Seiteneinsteiger für die Grundschule?

Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung verschärft sich der Lehrermangel an Grundschulen. Bereits bis 2025 sollen bundesweit etwa 35 000 Lehrkräfte fehlen. Neben dem Vorschlag, Anreize für Mehrarbeit von Lehrern in Teilzeit und Pensionäre zu schaffen, schlägt die Stiftung vor, verstärkt qualifizierte Seiteneinsteiger für den Einsatz an Grundschulen zu gewinnen. Flexible Zugangswege zum Lehrerberuf und pädagogische Qualität dürften nicht im Widerspruch stehen.

Das sieht Karl Handschuh, Direktor des Staatlichen Seminars für Didaktik und Lehrerbildung in Meckenbeuren, etwas anders. "Der Lehrerberuf ist so verantwortungsvoll und vielschichtig, dass ein Seiteneinstieg eigentlich nicht möglich ist." Sinnvoller wären seiner Meinung nach mehr Studienplätze für angehende Grundschullehrer an den Pädagogischen Hochschulen. Auch eine höhere Besoldung könne den Beruf, insbesondere für Männer, attraktiver machen. "Von 77 Grundschullehrern an unserem Seminar sind gerade acht männlich." Auch eine Angleichung der Wochenarbeitszeit an die Sekundarstufe sei ein Weg. Eine Chance sieht Handschuh auch im Angebot des Kultusministeriums für Gymnasiallehrer, die nach dem Referendariat keine Stelle bekommen. Eine Zusatzqualifikation am Seminar soll ihnen den Einstieg an einer Grundschule ermöglichen.

 

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