Bodenseekreis 150 Flüchtlinge kommen vorläufig im Kloster Weingarten unter

In einer Hau-Ruck-Aktion haben ehrenamtliche Helfer das alte Konventsgebäude im Kloster Weingarten für die kurzfristige Unterbringung von Flüchtlingen hergerichtet. Dafür hatten sie nur wenige Stunden Zeit. Seit die Flüchtlinge da sind, kümmern sie sich um Betreuung und Verpflegung. Ob das Kloster auch künftig für die Erstunterbringung von Flüchtlingen genutzt wird, steht noch nicht fest.

Die Nachricht kam für alle überraschend: Knapp 150 Flüchtlinge sind am Wochenende kurzfristig im alten Konventsgebäude im Kloster Weingarten untergebracht worden. Aus einer Notlage heraus, weil es nirgendwo sonst Platz gab für die Männer, Frauen und mehr als 50 Kinder, die es auf ihrer Flucht bis nach Deutschland geschafft haben. Am Freitagmittag wandte sich die Landesregierung an den Landkreis Ravensburg und die Diözese Rottenburg-Stuttgart und bat um Hilfe, sagt Manuela Pfann, stellvertretende Pressesprecherin des Bistums. „Wir kriegten einen Anruf aus dem Staatsministerium. Man sagte uns am Freitag, am Wochenende kämen 2000 Menschen nach Baden-Württemberg und es gebe keine Räume mehr. Deshalb wurde der Bischof gebeten, das Kloster zu öffnen.“

Vonseiten der Diözese habe es Vorbehalte gegeben – zum einen wegen der besonderen Würde des Ortes, heißt es in einer Mitteilung, die am Sonntag in den Weingartner Gottesdiensten zur Information der Gläubigen verlesen wurde. Zum anderen wegen der Sorge, dass man den Belangen der Flüchtlinge nicht gerecht werden könne. Bedenken habe es wegen des baulichen Zustands des Gebäudes und der Betreuung der Menschen gegeben. Dennoch habe sich die Diözese dem Anliegen schließlich nicht verweigern wollen.

In einer Hau-Ruck-Aktion haben seitdem ehrenamtliche Helfer in Zusammenarbeit mit Regierungspräsidium Tübingen und der unteren Katastrophenschutzbehörde am Landratsamt Ravensburg die Notunterkunft für die Flüchtlinge hergerichtet und kümmern sich vor Ort. Gerhard Krayss, Geschäftsführer des Roten Kreuzes, Kreisverband Ravensburg, erklärt: „Ab Samstag waren sämtliche Hilfsorganisationen des Landkreises im Einsatz. Wir haben zusammen mit elf Handwerkerfirmen die Notunterkunft aufgebaut.“ Um Betten, Decken und Verpflegung, Betreuung kümmerte sich das Rote Kreuz. Das Technische Hilfswerk stellte unter anderem die Wasserversorgung sicher, vor dem Eingang des Konventsgebäudes stehen Toiletten- und Duschcontainer. Im Einsatz waren laut Pressemitteilung des Technischen Hilfswerks, Ortsverband Weingarten, insgesamt 42 Einsatzkräfte aus Weingarten, Wangen und Blaubeuren. Im Gebäude haben diese Helfer zusammen mit den Handwerkern Trennwände aus Holzplatten eingebaut, um die Räume zu unterteilen. So sind unter anderem auch denkmalgeschützte Bereiche gesichert worden. Auch Fluchtwege haben die Helfer des THW ausgeschildert und Strom und Lampen kontrolliert, ehe die Flüchtlinge in das Gebäude einzogen.

Siegfried Hollstein, Bezirksbrandmeister im Regierungsbezirk Tübingen, ist für das Regierungspräsidium vor Ort und leitet die Einrichtung. Er erklärt: „Das Objekt stand eine Zeit lang leer. Wir haben keinen Nachweis über die Wasserqualität.“ Deshalb seien die Leitungen abgestellt und die Notversorgung organisiert worden, sagt Raphael Ries, Kreisbereitschaftsleiter beim DRK-Kreisverband Ravensburg. Er ist einer der rund 56 Helfer, die allein das Rote Kreuz organisiert hat. 350 Stunden seien die Ehrenamtlichen seit Samstag im Einsatz gewesen, sagt Geschäftsführer Gerhard Krayss. Unter anderem haben sie auch eine Betreuung für die rund 50 Kinder vom Säuglingsalter bis 14 Jahre organisiert. Das Engagement sei enorm, auch aus der Bevölkerung. Spielzeug- oder Trinkwasserspenden seien eingegangen.

24 Stunden Brandwache

Vor Ort sind seit Samstag auch Einsatzkräfte der Feuerwehren aus dem Kreis Ravensburg, um den Brandschutz sicherzustellen. Denn in den Räumen gibt es unter anderem keine Rauchmelder. Am Montagnachmittag etwa hatte ein Viererteam der Feuerwehr aus Fleischwangen Dienst. „Es gibt vier Schichten mit jeweils sechs Stunden, damit wir 24 Stunden Brandwache gewährleisten können“, sagt Feuerwehrmann Benjamin Menzel. „Wir haben es so gelöst, dass diejenigen Dienst machen, die momentan Urlaub haben“, erklärt er, wie sich die ehrenamtlichen Helfer eingeteilt haben. Der Einsatz sei eine Selbstverständlichkeit.

Heute sollen die 150 Menschen nach Meßstetten weiterreisen, sagt Siegried Hollstein. Dort würden sie untersucht und ins Verfahren gebracht. Wie es mit dem Kloster weitergehe, stehe noch nicht fest. „Wir schauen, inwieweit diese Einrichtung erhalten bleibt“, sagt Hollstein. Sollten dort künftig wieder Menschen untergebracht werden, sei es das Ziel, die Versorgung und Betreuung durch externe Dienstleister zu organisieren. „Damit wir das Ehrenamt so schnell es geht entlasten“, sagt Hollstein.

Erstunterbringung

Ob und wie es im Konventsgebäude als Unterkunft für Flüchtlinge weitergeht, steht laut Siegfried Hollstein vom Regierungspräsidium noch nicht fest. Die Entscheidung treffe das Integrationsministerium des Landes. Es gebe aber Planungen dahingehend, dass in dem Gebäude eine Bedarfserstaufnahmestelle für Flüchtlinge eingerichtet werde. Während im aktuellen Notfall Flüchtlinge, die noch nicht registriert seien, im Gebäude untergebracht sind, wolle man künftig Menschen in Weingarten unterbringen, die bereits im Verfahren stehen.

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