Bermatingen Martin Fromme ist der Tabubrecher mit eineinhalb Armen

Kabarettist Martin Fromme will mit seinem Bühnenprogramm Berühungsängste gegenüber Behinderten abbauen.

Herbstzeit ist Kabarettzeit im Bermatinger Kulturkessel. Den Auftakt zum Kabarett-Herbst machte am vergangenen Freitag Martin Fromme, nach eigener Aussage "Deutschlands einziger Komiker mit Behinderung, der diese auch auf der Bühne thematisiert". Der Name seines Programms lautet "Besser Arm ab, als arm dran" und ist wörtlich zu nehmen. Der körperbehinderte Comedian macht ungeniert Witze über sein Handicap und frotzelt herzlich über den Umgang mit Behinderten. So konfrontiert er das Publikum gleich zu Beginn mit direkten Fragen: "Sie überlegen sich sicherlich gerade, darf ich lachen? Muss ich lachen? Oder bin ich dann behindertenfeindlich?" Nicht gerade subtil bricht er das Eis, nein, eher mit der Brechstange, aber mit Erfolg. Das Publikum traut sich, zu lachen. Fromme gesteht, dass er lieber schwul wäre. Denn Schwule und auch Türken könnten auf Tour gehen und ungehindert Witze über sich und ihresgleichen machen. Doch er sei ja als Brillenträger und Besitzer von gerade eineinhalb Armen prädestiniert für das Thema Behinderung.

Wortgewandt und unterhaltsam, wie Fromme ist, wertet er so manchen Gag auf. Offen bekennt er, Inklusion sei zwar ein populäres Thema, aber schwierig auf der Bühne. Doch das hält ihn nicht davon ab, es trotzdem durchzuziehen. Er spricht über Wolfgang Schäuble, der als Rollstuhlfahrer nie von seinen Ämtern zurücktreten könne, oder von der Problematik, bei seinem Heiratsantrag den Vater um die Hand der Tochter zu bitten. "Ja, Behinderte können auch böse sein", resümiert er, "man kann ihnen trauen, sollte es aber nicht immer."

Mit zahlreichen eingespielten Foto- und Filmbeiträgen, in denen er listig mit versteckter Kamera ahnungslose Menschen auf der Straße in arge Bedrängnis bringt, zeigt er sich als Bevormunder von Nichtbehinderten und lässt Passanten Zeugen werden, wie er sich telefonisch als Sexarbeiter verdingt. Einige Virtuosität wohnt seinen selbst gemalten Bildern inne, die er selbstverständlich mit dem Mund gemalt hat. "Wir Behinderte malen immer mit dem Mund, auch wenn es gar nicht nötig ist. Verkauft sich einfach besser." Virtuos ist auch sein Wortwitz, beispielsweise, als er einen sehr bissigen offenen Brief an Boulevardjournalist Franz Josef Wagner vorträgt. Fromme bricht auf humorvolle Art mit seinem Programm die vermeintlich klaren Verhaltensregeln im Umgang mit Menschen mit Behinderung auf, spricht laut aus, was sonst niemand zu fragen wagt und baut so Berührungsängste ab. Der Komiker bricht mit den gängigen Tabus, indem das Publikum über etwas lachen kann, das eigentlich als unschicklich gilt.

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