Bermatingen Gospel als Antibiotikum für die Seele

Markdorfer Gospelchor sang am Samstag in St. Georg in Bermatingen

Die rund 200 Zuhörer sitzen schon längst auf den Bänken. Sie warten auf den Markdorfer Gospelchor. Einen kurzen Moment lang blickt Leiter Hans-Jörg Walter ins Schiff der St. Georg-Kirche. Dann geht er wieder, kommt aber zurück. Gefolgt von den Sängerinnen und Sängern, die, nach weiblichen und männlichen Stimmen getrennt in die gotische Pseudobasilika, den jüngeren Anbau der ursprünglich romanischen Kirche einziehen. „Sing and shout“, singe und rufe, singen sie, derweil die beachtliche Kette der Chormitglieder an den Zuhörern vorbei passiert, um im Chorraum Aufstellung zu nehmen.

„Wir werden sie begeistern“, kündigt Herrmann Schwarz an, einer der Tenöre und der Chor-Sprecher an diesem Abend. Schwarz beziehe sich freilich nicht nur auf den Gefallen, den, wie er hoffe, das Publikum am Konzert finden werde. Nein, er meine auch die erbauliche Seite des Begriffs, die vom Geist ergriffen wird, der aus der Gospel-Musik atme. Und es ist ein beschwingtes Atmen. Ein Atmen voller Rhythmus, der auch rasch die Zuhörer erfasst. So mancher bewegt seinen Fuß mit, so manche wiegt den Oberkörper. Viele beginnen zu Klatschen, sobald Dirigent Walter sie um die Begleitung des Taktes bittet. Einige haben das längst von sich aus getan. Denn Gospel-Gesang, zumal wenn er so vielseitig ist wie hier, begeistert nicht nur, er reißt auch mit.

Spätestens als der Gospel-Chor sein „Glory in the Lord“ anstimmt. Das Lied, das den Herrn verherrlicht, dabei aber sehr, sehr schnell zu singen ist. Sodass Schlagzeuger Juan Moreno tüchtig mit den Stöcken rühren muss. Insofern wird bei keinem der Zweifel keimen, als Herrmann Schwarz später von der heilsamen Wirkung des Gospels spricht. „Er ist ein Antibiotikum für die Seele.“ Natürlich, schließlich stellt die Gospel-Musik doch den die Gottesdienste der US-amerikanischen Plantagen-Sklaven begleitenden Gebetsgesang dar. Jenen gesungenen Ausweg aus schwerster körperlicher Bedrückung. Aber dieser Ausweg ist, wenngleich vielfach von schwermütigen Untertönen durchsetzt, überaus heiterer Natur – also lebhaft. Und er hat, so wie er vom Markdorfer Chor vorgetragen wird, nichts von seiner Vitalität verloren.

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