Bermatingen Gemeinderat will kein Fracking

Mit einer einstimmig verabschiedeten Resolution stellen sich die Bermatinger Räte gegen das Fracking, die Förderung von Erdgas in der Region. Die Risiken durch die Chemie, die beim Fracking eingesetzt wird, seien nicht abschätzbar.

Bermatingen will Fracking nicht. Der Gemeinderat lehnte die unkonventionelle Gasförderung einstimmig per Resolution ab. Das in der Region schon vielfach aufgegriffene Thema betrifft wegen der Schürfrechte auch Bermatingen und Ahausen und war aus den Reihen des Gemeinderats angeregt worden. Guido Köberle, Spezialist des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben und Kenner der Materie, erläuterte Hintergründe und Risiken des Verfahrens.

Eine akute Gefahr der Bohrung besteht nicht. Im ersten Schritt werden von Unternehmen Daten gesucht, gesichtet und gesammelt. „Wir sind noch weit weg vom Thema Probebohrung, geschweige denn Erschließung“, meinte Köberle. Wenn es aber so weit komme, werde das in Schiefergestein eingeschlossene Gasvorkommen mit sehr hohem Druck in 4000 Metern Tiefe mit Hilfe von Wasser, Chemikalien und Quarzsand herausgelöst. Und hier liege das Problem. Man wisse nicht, wie der Cocktail aus bis zu 30 chemischen Stoffen, die teils den Wassergefährdungsstufen von 1 bis 3 zugeordnet sind, in Verbindung mit der dort vorherrschenden Wärme von 70 bis 80 Grad und salinem, also salzhaltigem Wasser, reagiere. Unklar ist, wie viele von diesen Chemikalien wieder an die Oberfläche gelangten. Mit der unkonventionellen Bohrung kann man auch über hunderte von Metern seitliche Schichten und möglicherweise Wasserschutzgebiete erreichen. Eine Bohrstelle benötigt einen Hektar Fläche.

In den Regionen Pfullendorf, Oberschwaben und Konstanz sind die Firmen bereits unterwegs, auf der Liste stehe auch ein Gebiet zwischen Markdorf und Oberteuringen. Ein Großteil liege im Einzugsgebiet des Bodensees, Trinkwasserspeicher für fünf Millionen Bürger. „Das ist das große Problem“, meinte Köberle. Gleichzeitig sei dies aber auch Chance. Nur das Wasserrecht und das Wasserrechtsverfahren böten Möglichkeiten einzugreifen. Laut Bund soll Fracking in Wasserschutzgebieten ausgeschlossen werden.

Würde man alle Vorkommen an Schiefergas in Deutschland herauslösen, könnte man sich 13 Jahre völlig unabhängig von Importen machen, Polen dagegen wäre 100 Jahre unabhängig von russischen Gasimporten, verglich der Referent. Er verwies auf Unwägbarkeiten, wie in der Region vorkommende Erdbeben sowie durch die Bohrung ausgelöste tektonische Störungen, erwähnte aber auch, dass österreichische Erdölfirmen dabei seien, ein sogenanntes „Clean Fracking“ ohne den Einsatz von Chemikalien zu entwickeln. Gutachten hatten nach derzeitigem Stand gezeigt, dass die Risiken derzeit nicht abschätzbar seien und dass es ohne Umweltverträglichkeitsprüfung keine Erlaubnis geben dürfe.

Für den verständlichen Vortrag dankte Bürgermeister Martin Rupp. Man solle von vornherein nicht alles verteufeln, aber der Referent habe auf die Relation von Wirtschaftlichkeit und Ökologie verwiesen, verglich er es mit Forderungen an die Gemeinde: Was bei einem Bebauungsplan in Sachen Umweltverträglichkeitsprüfung alles abzuarbeiten sei!

Die Antwort schuldig bleiben musste Köberle Gemeinderätin Elisabeth Gutemann (SPD), die sich nach Art der Chemikalien erkundigte. Die Firmen gäben sie nicht bekannt. Ihre Benennung gehörte jedoch zu den Forderungen des Bundes. Karl Volz (CDU) meinte: „Wir wollen das nicht um jeden Preis und schon mal gar nicht um den des Trinkwassers!“ Heiner Bühler (LBU) stellte die Haltbarkeit und Undurchlässigkeit der geplanten Beton-Ummantelung in Frage, bestätigt durch den Referenten. Neben der Bodensee-Wasserversorgung stellten sich auch alle anderen Gemeinden im Bodenseekreis gegen das Fracking.

Carola Uhl forderte eine noch schärfere Formulierung der Resolution. Rupp befand, man könne das Thema neu bewerten, wenn es ein chemiefreies Verfahren gebe.

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