Bermatingen-Ahausen Auf Kontrollgang entlang der Seefelder Aach

Eine gesetzlich vorgeschriebene Gewässerschau entlang eines gut 600 Meter messenden Abschnittes der Seefelder Aach hat turnusgemäß im Bermatinger Teilort Ahausen stattgefunden.

Anlässlich der Gewässerschau in Bermatingen-Ahausen haben Vertreter des Regierungspräsidiums Tübingen sowie des Landratsamtes Bodenseekreis beispielsweise überprüft, ob unzulässige Lagerstätten beseitigt werden müssen. Oder ob präventiv Arbeiten als Schutz gegen Hochwasser notwendig sind.

Zu Beginn des Kontrollgangs fällt Johanna Brehm und Daniel Fricker, beide vom Regierungspräsidium Tübingen, eine Lagerstätte auf, die zu nah an der Seefelder Aach ist. Der vorgeschriebene Abstand von mindestens zehn Metern, gemessen ab Böschungsoberkante, wird nicht eingehalten. "So etwas muss entfernt werden und wird generell nicht mehr geduldet", erklärt Daniel Fricker. Es handelt sich um aufgestapelte Strohballen, um einige Metallgitterboxen mit Sandsäcken sowie um Fahrgestelle, die während der Erdbeersaison für die Ernte verwendet werden. Rund 200 Meter weiter flussabwärts entdeckt Thomas Kugel vom Amt für Wasser- und Bodenschutz des Landratsamtes Bodenseekreis eine Treppe, die direkt ans Wasser gebaut wurde: "Die Treppe ist nicht zulässig und muss entfernt werden." Auch das wird im Protokoll notiert, die Beseitigung dieser sogenannten baulichen Anlage wird veranlasst.

Besorgte Anwohner

Anwohner im Bereich Forellen-, Kapellen- und Muschelweg sind der Meinung, dass öfter als in früheren Jahren Wasser in Gebäude eindringt. Ortsvorsteher Jakob Krimmel berichtet, es gebe regelmäßig Diskussionen zwischen besorgten Anwohnern und Ortsverwaltung. "Anwohner berichten, dass es vermehrt Rückstaus durch die Kanalisation gibt sowie Grundwasser durch die Bodenplatten drückt." Der Ortsvorsteher regt an, es möge nachgemessen werden, ob Areal verlandet ist und das Hochwasser nicht so abfließen kann, wie es soll. Andererseits stelle sich die Frage, ob auch der Klimawandel eine Rolle spielt.

Die Expertenmeinung

Thomas Kugel klärt auf: "Die Seefelder Aach hat im Vergleich zu früher keinen vermehrten Rückstau, der sich auf die Hochwässer und somit auf Häuser auswirkt." Je länger die Aach Hochwasser führe und je höher der Hochwasserstand sei, umso mehr wirke sich das auf den Grundwasserspiegel aus und somit auf den Wassereintritt in Kellern. Kugel ergänzt: "Sollten Abwasserleitungen in die Seefelder Aach münden, kann es Rückstaus in Keller dann geben, wenn keine Rückschlagklappe installiert ist oder diese defekt oder undicht wäre." Grundwasserstände können sich laut Kugel immer auf Gebäude und insbesondere Keller auswirken. Aber: "Üblicherweise besitzen Keller eine sogenannte wasserdichte Wanne. Aus der Erfahrung heraus ist diese oft nicht dicht. Oder der Keller wurde nicht damit ausgestattet." Kugel vertritt zudem die Auffassung, dass die Seefelder Aach nicht verlandet: "Eine Nachvermessung kann zeigen, welche Ansicht die richtigere ist."

Der Klimawandel spielt laut Thomas Kugels fachlicher Einschätzung ebenfalls eine Rolle. "Es gibt immer häufiger Regenereignisse, die sich negativ auf Hochwasserstände in Gewässern auswirken. In den letzten zwei Monaten gab es im Vergleich der letzten Jahrzehnte im gleichen Zeitraum verhältnismäßig viele Niederschläge." Dies lasse sich unter anderem am Bodensee feststellen und ablesen, der kürzlich den höchsten gemessenen Wasserstand der vergangenen 100 Jahre während eines Januars aufgewiesen habe. Durch die vielen Niederschlagsmengen seien die Böden seit Wochen mit Wasser gesättigt, was wiederum zu Hochwasser geführt habe. Kugel nennt ein Beispiel: "Von Freitag auf Samstag, 19./20. Februar, hatte die Seefelder Ach ein siebenjähriges Hochwasser-Ereignis. Das bedeutet, dass ein solches Hochwasser alle sieben Jahre rechnerisch vorkommt." Entlang der Seefelder Aach entstehen laut Kugel in der Fläche vor allem Hochwasserprobleme ab einem 20-jährigen Hochwasser.

Positives Fazit

Johanna Brehm, Regierungspräsidium Tübingen, zieht angesichts weniger Beanstandungen eine positive Bilanz: "Wir haben heute eine unzulässige Ablagerungsstelle entdeckt und eine Treppe, die auf Grund und Boden des Landes ist. Das Regierungspräsidium ist berechtigt, die Treppe entfernen zu lassen." Brehm lobt den standortgerechten Bewuchs, der zur Befestigung des Ufers beiträgt. An ein paar Stellen werde Gehölz zurückgeschnitten oder teils entfernt, um möglicherweise entstehende Engstellen zu vermeiden. Diese Arbeiten müssen aus Gründen des Naturschutzes bis Ende Februar erledigt sein.

Wissenswertes für Anrainer

  • Gewässerschauen sind gesetzlich vorgeschrieben und müssen bei Gewässern 1. Ordnung (zum Beispiel Seefelder Aach, Schussen, Deggenhauser Aach, Argen) mindestens alle fünf Jahre stattfinden. Während einer Gewässerschau werden Abschnitte eines Flusses oder Baches oder stehende Gewässer (Seen) besichtigt. Es geht hierbei um Hochwasserschutz und darum, ob Vorschriften des Natur, Umwelt- und Gewässerschutzes eingehalten werden. Falls Gefahrstellen, unzulässige Nutzungen oder sonstige Mängel festgestellt worden sind, wird deren Beseitigung veranlasst. Es geht um Fragen wie beispielsweise: Ist Material nicht wie vorgeschrieben gelagert, das bei Hochwasser mitgerissen werden und Engstellen wie Brücken verstopfen kann? Gibt es illegale Einleitungen ins Gewässer oder illegale Nutzungen? Wie sieht es mit der Verkehrssicherheit aus? Ist das Gewässerbett leistungsfähig genug und damit sichergestellt, dass Hochwasser abfließen kann, wie es soll?
  • Der Abstand zum Gewässer muss ausreichend sein. Das gilt auch für sogenannte Ablagerungen wie Kompost-, Reisig- und Holzhaufen oder Strohballenlager. Gemessen wird ab der Böschungsoberkante. Innerorts müssen mindestens 5 Meter Abstand eingehalten werden, außerorts mindestens 10 Meter.
  • Die Wasserentnahme an Fließgewässern ist nur mit Gießkannen oder Eimern erlaubt. Wer Wasser abpumpen will, muss sich das von den Fachämtern genehmigen lassen. Während Hitzephasen mit Niedrigwasser kann das Entnehmen von Wasser verboten werden.
  • Das Aufstauen von Fließgewässern ist nicht erlaubt, das kann die Wanderung von Kleinlebewesen und Fischen behindern.
  • Bauliche Anlagen wie Treppen, Hütten, Zäune direkt am Gewässer sind nicht erlaubt. Im Übrigen sind die erwähnten Abstände von 5 sowie 10 Metern einzuhalten.
  • Standortgerechte Bäume/Sträucher befestigen und sichern den Uferbereich. Geeignete Bäume sind beispielsweise Schwarz-Erle, Gewöhnliche Esche, Silberweide, Bergahorn. Geeignete Sträucher: Haselnuss, Gewöhnlicher Schneeball, Purpurweide, Zweigriffliger Weißdorn. (gan)
Quelle: WBW Fortbildungsgesellschaft für Gewässerentwicklung

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