Gailingen Gailingen steht bei den Narrentagen Kopf - hier gibt es alle Bilder!

Das Wetter spielte mit und das närrische Publikum war gut gelaunt: 4500 Hästräger zeigten sich am Sonntag beim Umzug der Narrenvereinigung in Gailingen. Die Eichelklauber-Zunft richtete die Narrentage am Wochenende aus und bekam viel Lob.

Zwei Mal innerhalb einer Woche gab es die Möglichkeit, die Fasnacht in ihrer ganzen Bandbreite zu genießen. Nach Tengen war nun an diesem Wochenende Gailingen Schauplatz der Narrentage der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee. Kurz und knackig wurde gefeiert: Als Zentrum der regionalen Narrenwelt stand die Hochrheingemeinde eineinhalb Tage Kopf. Höhepunkte waren der Nachtumzug am Samstag und der gestrige Umzug der Narrenvereinigung mit mehreren Tausend Besuchern. Als professionelle Gastgeber, die das Treffen bis in das Kleinste vorbereitet hatte, fungierte die Eichelklauber-Zunft. Es war ein Kraftakt für die Gailinger Narren – zumal sie keine Mehrzweckhalle zur Verfügung hatten. Die Hochrheinhalle wird gerade generalsaniert. Aber mit einer Zeltfasnacht haben die Eichelklauber nun schon im zweiten Jahr Erfahrung. Statt Massenquartier gab es für die Übernachtungsgäste meist eine Privatunterbringung, was den Gastnarren gar nicht so ungelegen kam. Schließlich schnarcht in den Hallen immer einer.

Am samstäglichen Nachtumzug liefen 38 Narrenvereine, Musiken und freie Gruppierungen mit. Die Zahl der gut gelaunten Zuschauer schätzte Zunftmeister Patrick Gansser mit zufriedener Miene auf 1500 bis 2000. Da wurde zum Vergnügen des Publikums herrlich geschnurrt und gestrählt. „Ein schöner Umzug“, fand so auch Helga Ihatane aus Mühlhausen, die gerade von einem Obertsroter Schlossbergteufel in den Arm genommen wurde. Närrisches Treiben gab´s dann bis spät in die frühen Morgenstunden in den Beizen Zelten und Straßenständen im „Narrennest zwischen Kurpark und Hochrheinhalle".

Gailingen stand Kopf – das galt wortwörtlich für Pfarrer Claudius Stoffel bei der Narrenmesse in der proppenvollen Pfarrkirche. Er löste bei Bürgermeister Heinz Brennenstuhl eine verlorene Wette ein: Stoffel schaffte trotz eines gebrochenen Arms einen wahrhaften Kopfstand und verdonnerte damit den Schultes, im Frühsommer in der Kirche solo ein Te Deum zu singen. Auf dem Zunftmeister-Empfang im Rathaus trafen sich die Großkopfeten der Narrenwelt. Viel Lob von allen Seiten gab´s für die Eichelklauber und ihre Helfer. Schelmisch versprach da Gansser, nun da man in den erlauchten Kreis der Ausrichter vorgestoßen sei, auf diesem Kurs weiter zu segeln und ein Narrentreffen abzuhalten – alle 50 Jahre.

Der närrische Schlagabtausch galt auf weiten Strecken dem Rückzug Brennenstuhls ins Privatleben und den bevorstehenden Bürgermeisterwahlen. Weil er nicht geglaubt habe, dass die Eichelklauber je ein Narrentreffen veranstalten, habe er gesagt, er bleibe so lange Gemeindechef, bis es in Gailingen eine solche Veranstaltung gebe, erzählte Brennenstuhl mit einem Augenzwinkern. „Damit wollte ich mir mein Amt bis an mein Lebensende sichern." Jetzt könne man diskutieren, ob es nun die Narrentage gebe, damit sich der an Dienstjahren zweitälteste Bürgermeister im Kreis endlich aus dem Amt verabschiede, frotzelte da Gansser. Die Lücke, die Brennenstuhl hinterlassen werde, sei auf jeden Fall eine große. „Schon wegen der stattlichen Statur“, lästerte alles andere als ernst gemeint Landrat Frank Hämmerle. Mit der Bewerbung von Friedi Miller – einer schillernden Dauerbewerberin für ein Bürgermeisteramt – habe Gailingen jetzt aber die Chance die hübscheste Bürgermeisterin im Landkreis zu bekommen, sponn der Präsident der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee Rainer Hespeler den Faden weiter.

Pünktlich zum gestrigen Umzug der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee ließ sich die Sonne blicken. 4500 Hästräger aus 56 Zünften aus dem ganzen Vereinigungsgebiet nahmen teil. Die Zunft hat all ihre 6500 Plaketten an die Zuschauer verkauft und hätte noch mehr verkaufen können. Ordnungskräfte sprachen von rund 10 000 Besuchern. Die Gäste waren von dem schönen Umzug begeistert, bei dem überdurchschnittlich viele Musikkappellen für eine super Stimmung sorgten.

 

Jüdische Fasnacht

Die Narrentage sind vorbei. Gailingen, zeitweise eine der größten Landjudengemeinden in Deutschland, hat in seiner Geschichte aber noch eine andere Fasnachtstradition aufzuweisen: Die jüdischen Bürger der Hochrheingemeinde feierten von 1861 bis zur Machtergreifung der Nazis 1933 ausgelassen ihre eigene Fasnacht. Anlässlich der Narrentage hat der Verein für jüdische Geschichte im Jüdischen Museum die Ausstellung „Gailinger Purim – die Juden Fasnacht“ konzipiert. Die Ausstellung führt mit Fotografien und Texten in eine im südwestdeutschen Raum einmalige Fasnachtstradition ein. So schildert die in Gailingen aufgewachsene Berta Friesländer-Bloch die Traditionen zum Purim-Fest,das zwischen Ende Februar und Anfang März gefeiert wird. Die Ausstellung findet in der Mikwe, dem jüdischen Ritualbad im Untergeschoss des jüdischen Museums im Bürgerhaus statt. Sie ist bis 21. Mai zu sehen. Öffnungszeiten täglich außer samstags von 9 bis 16 Uhr.

 

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