Singen 400 Menschen zeigen in Singen klare Kante gegen den Kiesabbau im Dellenhau

Friedliche Demo gegen Kiesabbau im Dellenhau durch die Innenstadt. Drei Gemeinden kämpfen mit den Bürgern weiter.

Cindy hat auch eine Warnweste bekommen. Sie ist eine der wenigen vierbeinigen Teilnehmerinnen an der Demonstration gegen den Kiesabbau im Gewann Dellenhau. Rund 400 Leute, die meisten in neonfarbenen Warnwesten, protestierten am Samstag friedlich, aber eindrücklich, gegen das Vorhaben. Peter Waldschütz aus Gottmadingen hatte den Protestmarsch organisiert und bei der Abschlusskundgebung verbale Unterstützung von Oberbürgermeister Bernd Häusler, Bürgermeister Ralf Baumert und Bürgermeisterin Ute Seifried.

"Hört auf, unseren Lebensraum zu zerstören", stand auf dem Schild von Birgit Hafner aus Rielasingen, die ihre Hündin Cindy als 'Aktivistin auf vier Beinen' dabei hatte. Eine Familie mit zwei Kleinkindern hatte ein Plakat mit der Aufschrift: "Wir lieben Bagger." Und darunter: "Wir lieben Bäume mehr" gemalt. Dieter Baur aus Weiterdingen hatte ein originelles Schild dabei, das die Kernaussage "Bei Kies geht es nur um Kies" zeigte. Und ganz viele Schilder mit der schlichten Aussage "NEIN" waren zu sehen, als sich der Demonstrationszug am Hallenbad in Bewegung setzte. "Kein Kiesabbau im Dellenhau" – mit dieser Parole verschafften sich die Demoteilnehmer das Gehör der Passanten, als es am Wochenmarkt vorbei Richtung Innenstadt ging.

Am Heinrich-Weber-Platz sammelten sich die rund 400 Teilnehmer. Peter Waldschütz skizzierte in seiner Rede zu Beginn das Szenario vom Nasskiesabbau im Radolfzeller Stadtwald auf Singener Gemarkung, wo täglich 5000 Tonnen abgebaut würden. Es könne nicht sein, dass ein Kiesunternehmer – in diesem Fall die Firma Birkenbühl – die schon 13 oder 14 Kiesgruben betreibt, nun eine weitere Genehmigung bekomme. "Die massive Verkehrsbelästigung, die Rielasingen dann bekäme, kann sich heute noch keiner vorstellen", so Waldschütz. Schließlich würde der Kies dann durch den Ort nach Überlingen am Ried zur Aufbereitung gefahren. "Rielasingen würde im Verkehr ersticken. Deshalb müssen wir da einen Riegel vorschieben", so Waldschütz. Er appellierte an die Bürger, sich in einem Brief an den Petitionsausschuss des Landes zu wenden, um das Vorhaben noch abzuwenden.

 

Termine:

  • Dienstag, 2. Mai, 19 Uhr: Sitzung des Gemeinderats Hilzingen im Sitzungssaal. Im Tagesordnungspunkt 8 geht es um das Raumordnungsverfahren über den Rohstoffabbau im Gewann Dellenhau und die Stellungnahme der Gemeinde.
  • Donnerstag, 4. Mai, 20 Uhr: Infoveranstaltung in der Stadthalle Singen. Die Stellungnahmen der Gemeinden Rielasingen-Worblingen, Gottmadingen und Singen werden für die Öffentlichkeit erläutert.
  • Adresse für Einsprüche: Petitionsausschuss des Landtags von Baden-Württemberg, Haus des Landtags, Konrad-Adenauer-Straße 3, 70173 Stuttgart, Telefon (0711)20 630, E-Mail: post@landtag-bw.de
 

Oberbürgermeister Bernd Häusler erklärte, dass die drei Gemeinden seit dem Jahr 2014 am Thema dran sind, aber dennoch am 22. Oktober 2014 ein Pachtvertrag abgeschlossen wurde. "Wir werden auf allen Ebenen weiterkämpfen", so Häusler. Für Bürgermeisterin Ute Seifried ist dieses Vorhaben "ökologischer Wahnsinn", gerade auch vor dem Hintergrund der derzeitigen Diskussionen um Feinstaubbelastungen. Bürgermeister Ralf Baumert aus Rielasingen berichtete, dass inzwischen 18 Mitglieder der Regionalversammlung beantragt haben, das Thema am 25. Juli trotz kürzlicher Zustimmung noch einmal zu behandeln. Er hoffe, dass sich Hilzingen in seiner Gemeinderatssitzung am Dienstag doch noch gegen den Abbau ausspricht.

Die Demo lief mit Hilfe von rund zehn Ordnern friedlich ab. Einsatzleiter Werner Pistol von der Polizei hatte die Ordner vor Beginn entsprechend instruiert.

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