Vor dem Siegeszug der Elektrizität war Feuer die einzige Licht- und Wärmequelle der Menschen. Nicht selten lösten Kerzen, Öllampen oder Holzöfen in den vergangenen Jahrhunderten verheerende Feuer aus, die schnell auf eine ganze Stadt übergreifen konnten. Auch Brandstifter schlugen in der Region immer wieder zu. Konstanz, Friedrichshafen, Salem, Waldshut-Tiengen und Villingen-Schwenningen erlebten bis ins 20. Jahrhundert wiederholt schlimme Brände, wie unser Überblick zeigt.

Historische Brände in Konstanz - eine Chronologie

 
 

Von den Bränden in der Katzgasse 3 am 21. Januar 1869 und im Neugassenviertel am 26. März 1903 sind Fotografien erhalten, die das Ausmaß der Zerstörung deutlich machen. Nach dem Brand in der Katzgasse ist vom Obergeschoss des Gebäudes kaum etwas übrig geblieben, wie auf dem folgenden Zeitdokument zu sehen ist.

Das Haus "Zur Katz" nach dem Brand von 1869, fotografiert vermutlich von German Wolf.
Das Haus "Zur Katz" nach dem Brand von 1869, fotografiert vermutlich von German Wolf. | Bild: Stadtarchiv Konstanz, Z1.altD9-177

Die Spur der Verwüstung, die das Feuer in der Neugasse und Hussenstraße 1903 hinterlassen hat, wird auf dieser historischen Aufnahme von Eugen Wolf besonders deutlich.

Die Brandstelle an der Neugasse/Hussenstraße am 26. März 1903. Fotografie aus dem Stadtarchiv Konstanz, Z1.wolfH21-5903
So sah die Brandstelle an der Neugasse/Hussenstraße in Konstanz am 26. März 1903 aus. Fotografie aus dem Stadtarchiv Konstanz, Z1.wolfH21-5903 | Bild: Eugen Wolf

Historische Brände in Friedrichshafen

  • Brände in Buchhorn: In der Geschichte des Vorgängerorts von Friedrichshafen, der Reichsstadt Buchhorn, habe es zahlreiche Brände gegeben, informiert Hartmut Semmler vom Stadtarchiv Friedrichshafen. So etwa 1360 und 1363. Im Jahr 1584 wütete eine Feuer im Spitalgebäude. Während des Dreißigjährigen Krieges kam es 1634 zu einem großen Stadtbrand. 1738, 1758 und 1787 folgten weitere Feuerkatastrophen. 
  • "Feuersbrunst" in der Altstadt: "Für die Zeit nach der Stadtgründung Friedrichshafens sind kaum Brände überliefert", so Semmler. Zwei Berichte im Seeblatt vom 22. November und 17. Dezember 1887 zeugen jedoch von einer "Feuersbrunst" in der Altstadt in diesem Jahr, bei der sechs Häuser zerstört und 14 Familien obdachlos wurden. Württembergs König Karl, der seine Sommerresidenz in Friedrichshafen hatte, ließ in einer schriftlichen Erklärung zu dem Ereignis mitteilen: "Zugleich haben seine Majestät die Erwartung ausgesprochen, daß die durch dieses Ereignis herbeigeführte Veranlassung doch wenigstens dazu werde benützt werden, die zerstörten Quartiere in einer besseren der Gesundheit der Bewohner mehr Rechnung tragenden Weise wieder aufzubauen." (Seeblatt vom 22. November 1887)
  • Brände im Zweiten Weltkrieg: Von Feuerkatastrophen wurde Friedrichshafen vor allem im Zweiten Weltkrieg getroffen. Insgesamt elf Luftangriffe gab es auf die Stadt, berichtet Hartmut Semmler: "Die größten Zerstörungen innerhalb der Stadt verursachten die Luftangriffe vom 27. und 28. April und vom 20. Juli 1944." Von den Bränden infolge der Angriffe existieren laut Semmler allerdings kaum Bilder.

Der Klosterbrand in Salem

1697 erlebte das Kloster in Salem die schlimmste Brandkatastrophe seiner Geschichte. Das Feuer griff auf große Teile des Konvents und der Abtei über. Viele Ölgemälde, Möbel und wertvolle Bücher aus der Abtsbibliothek verbrannten. Das Feuer war, wie Quellen aus der Zeit dokumentieren, in der Nacht vom 9. auf den 10. März gegen 3 Uhr im Ostflügel des Abteigebäudes in einem defekten Ofen der Gesindestube ausgebrochen. Durch einen Riss im Ofen breitete sich das Feuer über die oberen Stockwerke bis zum Dachstuhl aus. Starker Wind fachte die Flammen weiter an. Der Maler Andreas Brugger dokumentierte die Katastrophe.

Der Klosterbrand in Salem, dokumentiert von Maler Andreas Brugger im Jahre 1764.
Der Klosterbrand in Salem, dokumentiert von Maler Andreas Brugger im Jahre 1764. | Bild: Feuerwehrmuseum Salem/ Bodensee Magazin Spezial Feuerwehrmuseum Salem

Beim Neubau des Gebäudes zeigte sich, dass die Salemer aus der Katastrophe gelernt hatten: Sie bauten Brandschutzmaßnahmen ein, errichteten eine Feuerwache und schafften drei große Feuerspritzen an. Die historischen Löschmittel sind heute im Feuerwehrmuseum Salem zu sehen.

Historische Brände in Villingen-Schwenningen

Bereits im 17. Jahrhundert hatte die Stadt Villingen Bürger zu sogenannten "Feuerbesehern"  ernannt, die dafür zuständig waren, Privat- und Geschäftshäuser auf die Einhaltung strenger Brandschutzbestimmungen zu überprüfen. Bis auf wenige große Brände blieb deshalb vor allem Villingen von flächendeckenden Feuerschäden in den vergangenen Jahrhunderten weitestgehend verschont. Die überlieferten größten Feuerkatastrophen in den damals noch eigenständigen Städten im Überblick:

  • 1271: Die Stadt Villingen brennt vollkommen ab. Viele Häuser sind damals noch mit Schindeln oder Stroh gedeckt, wie es im Buch "Das Leben im alten Villingen – Im Spiegel der Ratsprotokolle des 17. und 18. Jahrhunderts" heißt.
  • 23. Februar 1633: Nach Ende der ersten Belagerung Villingens durch die württemberischen Truppen, zogen die Bewohner der Stadt auf der Suche nach Nahrung plündernd durch die umliegenden Dörfer. Auch Schwenningen wurde nicht verschont. Gleich zwei Mal, am 21. und am 23. Januar 1633, steckten die Nachbarn aus Villingen bei ihren Raubzügen Schwenningen in Brand.
  • 23. Juli 1850: Gegen die Mittagszeit brach in Schwenningen ein Feuer aus, das als Großbrand von Schwenningen in die Geschichte einging. Innerhalb von nur fünf Stunden sollen laut Aufzeichnungen im Buch "Geschichte der Stadt Villingen-Schwenningen - Band II - Der Weg in die Moderne" 98 Haupt- und Nebengebäude abgebrannt sein. Auch das erst 1830 neu erbaute Rat- und Kaufhaus fiel den Flammen zum Opfer. Rund 200 Schwenninger Familien wurden obdachlos. Schuld an der Katastrophe soll der Bürger Christian Stähle gewesen sein, der im Haus seines Vaters Geld stehlen und mit einem Feuer die Spuren seiner Tat verwischen wollte. Dokumentiert hat die Katastrophe der Maler Johannes Jauch.
Johannes Jauch, Dorfbrand Schwenningen, 1850, Öl auf Leinwand.
Johannes Jauch, Dorfbrand Schwenningen, 1850, Öl auf Leinwand. | Bild: Heimat- und Uhrenmuseum Villingen-Schwenningen

Historische Brände in Waldshut-Tiengen

Ingo Donnhauser vom Stadtarchiv Waldshut-Tiengen berichtet von zwei markanten Stadtbränden in der Geschichte von Waldshut.

  • 1492 sollen 182 Häuser abgebrannt sein. Zahlreiche Menschen sollen bei der Feuerkatastrophe ihr Leben verloren haben. "Die Zahl der genannten Häuser scheint extrem hoch, wenn sie stimmt dürfte es sich fast um die komplette damalige Stadt gehandelt haben", so Donnhauser. Das heutige Erscheinungsbilde der Stadt sei deshalb hauptsächlich auf die Zeit um 1500 oder die nachfolgenden Jahre zurückzuführen.
  • 1726 kam es zu einem weiteren tragischen Brand. In einem Keller in der heutigen Wallstraße, in dem Hanf gelagert war, brach Feuer aus. Ein starker Nordwind habe die Funken bis über die Kaiserstraße und Rheinstraße geweht, sodass auch dort Häuser abbrannten. Auf der Südseite und in der Rheinstraße sei die Zerstörung am verheerendsten gewesen, so Donnhauser: "43 Häuser wurden zerstört." Hilfe bei den Löscharbeiten leisteten den Waldshutern damals die Aargauer, Tiengener, Gurtweiler und Bewohner aus dem Schwarzwald.