Friedrichshafen ZF nach erstem Halbjahr über Plan

Stiftungskonzern mit mehr Gewinn und Umsatz. Dieselgipfel könnte Geschäfte mit Umwelttechnologien befeuern.

Deutschlands zweitgrößter Automobilzulieferer ZF erwartet aus den Ergebnissen des Dieselgipfels Rückenwind für den Absatz. Am Mittwoch hatten sich Bundesregierung und Automobilkonzerne unter anderem auf die Einrichtung eines 500 Millionen Euro schweren Fonds geeinigt, der nachhaltige Mobilität in den 28 am Stärksten von Emissionen belasteten Regionen Deutschlands fördern soll. Von dem neuen Fonds erwarte man „Impulse“ für das eigene Geschäft, sagte ZF-Vorstandsvorsitzender Stefan Sommer bei der Präsentation der Halbjahreszahlen für 2017 am Donnerstag.

Der Getriebe- und Fahrwerksspezialist ZF macht nach Worten Sommers mittlerweile nur noch knapp ein Viertel seines Umsatzes mit dem Bau von Getrieben für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Anstatt dessen werden andere Geschäftsfelder wie elektrisches oder autonomes Fahren sowie Fahrsicherheit immer wichtiger. Im Mai kündigte der Friedrichshafener Stiftungskonzern beispielsweise an, ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Aachener Technologieschmiede E-Go Mobile zu gründen. Ziel des Joint-Ventures ist es, Shuttle-Fahrzeuge und kleine Lastwagen mit reinem Elektroantrieb zu bauen, die in der Endstufe auch autonom fahren sollen. Diese Art von Mobilität würde in den urbanen Ballungszentren der Zukunft eine „bedeutsame Rolle“ spielen, sagte ZF-Chef Sommer bei der Vorstellung eines entsprechenden Prototypen im Mai. Mit einem weiteren Joint-Venture, an dem auch der Bad Uracher Fahrradbremsenbauer Magura beteiligt ist, will ZF zudem in den schnell wachsenden Markt von elektrischen Fahr- und Lasträdern einsteigen.

ZF verfolgt seit dem Jahr 2013 eine Strategie – interner Name: Vision Zero -, deren Hauptziele die Vermeidung von Unfällen und von Abgasen beziehungsweise Emissionen durch smarte Technik sind. Die unter der Ägide Sommers erfolgte Neuausrichtung des Unternehmens setzt daher konsequent auf diese Bereiche. Über den Erwerb von Minderheitsbeteiligungen kauft sich ZF seit einiger Zeit in High-Tech-Firmen und Start-ups ein. Dazu zählen beispielsweise die Sensor- und Radarspezialisten Astyx und Ibeo oder die Softwarefirma Double-Slash. Zusätzlich geht man Kooperationen mit Großfirmen, etwa Hella oder Faurecia, ein. Drittens stehen Zukäufe auf dem Programm. Der spektakulärste davon erfolgte 2015 durch den Erwerb des US-Zuliefer-Konkurrenten TRW. Bei der Integration des Konzerns in ZF sei man „kurz vor der Zielgeraden“, sagte Sommer.

Gleichwohl ist dieser Teil der Expansionsstrategie des ehemaligen Conti-Managers Sommer jüngst ins Stocken geraten. Vor wenigen Monaten scheiterte die geplante Übernahme des Nutzfahrzeugbremsen-Spezialisten Haldex, weil der bayrische Zulieferer Knorr-Bremse ZF das Unternehmen wegschnappte. Vor wenigen Tagen kam auch ans Licht, dass ZF beim dritten großen Spieler im Bremsengeschäft – Wabco – ebenfalls nicht zum Zug kam und eine geplante Milliarden-Übernahmen in letzter Minute abblasen musste. Offenbar hatte der ZF-Aufsichtsrat Einspruch erhoben. ZF äußert sich allerdings zu den Vorgängen bisher nicht. Stefan Sommer sagte allerdings, man sehe sich grundsätzlich „gut aufgestellt für Akquisitionen größerer Natur“.

Klar ist, dass sich der einstige Fahrzeugteilelieferant immer mehr zum Softwarehaus mit Systemkompetenz im Zulieferbereich wandelt. „Software ist unser wichtigster Rohstoff“, sagte Stefan Sommer. Der Einsatz von Daten und künstlicher Intelligenz werde immer wichtiger.

Das erste Halbjahr lief bei ZF rund. „Sehr erfolgreich“ und „über den Erwartungen“, sagte Sommer. Es sei gelungen, alle finanziellen Kennzahlen gegenüber dem Vorjahr zu verbessern“, sagte ZF-Finanzvorstand Konstantin Sauer. Mit 18,3 Milliarden Euro liegt der Umsatz drei Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Das Ergebnis nach Steuern stieg von gut 400 auf fast 560 Millionen Euro. Und die operative Gewinnmarge liegt bei 6,6 Prozent, wobei Sauer betonte, dass dies gelungen sei, obwohl die Ausgaben für Forschung und Entwicklung mit knapp 1,1 Milliarden Euro den Vorjahreswert stark überschritten haben. Fürs Gesamtjahr rechnet ZF mit einer „stabilen Geschäftsentwicklung“ und einem Umsatz von „über 36 Milliarden Euro“.

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