Friedrichshafen/Köln Warum kleinere Messestandorte wie Friedrichshafen vor Herausforderungen stehen

Kleinere Messestandorte haben es nicht leicht. In der Konkurrenz mit Großstädten und Ballungsräumen ziehen sie im Wettbewerb um attraktive Messen immer öfter den Kürzeren. Doch mit dem richtigen Konzept können auch sie wettbewerbsfähig bleiben.

Kleine Messegesellschaften haben um ihre Zukunft zu kämpfen – diese Erkenntnis ist spätestens vergangene Woche auch in Friedrichshafen angekommen. Der Standort verliert die Leitmesse Outdoor an den Messe-Riesen München. Der Umzug hat für große Diskussionen gesorgt und ermöglicht einen Blick in eine Branche, die selten in der Öffentlichkeit steht: Die Messewirtschaft. Die deutschen Messegesellschaften erwirtschaften jährlich über 3,5 Milliarden Euro Umsatz. Doch kleinere Standorte wie Friedrichshafen stehen vor Herausforderungen.

Haben kleinere Messen wie Friedrichshafen gegen stetig weiter wachsende Giganten wie München künftig keine Chance mehr? Martin Paul Fritze, der an der Uni Köln Junior-Professor für Messewirtschaft ist, sagt, dass wenn sich eine Messe zu einer internationalen Leitmesse entwickeln will, sie nahezu gezwungen sei, an einen größeren Standort auszuweichen. Lediglich regionale Veranstaltungen blieben für kleinere Messenplätzen ein mögliches Erfolgsmodell, so der Experte: "Sie können wettbewerbsfähig bleiben, indem Sie Nischen entwickeln und besetzen, die aus Rentabilitätserwägungen an größeren Standorten nicht durchgeführt werden." Dieser Trend lasse sich in den letzten Jahren beobachten. Auch regionale Messen wachsen laut Fritze bei Besuchern, Umsatz und Ausstellern und könnten durchaus rentabel sein.

Warum Messen ihren Standort wechseln, das erklärt Peter Neven, der Geschäftsführer des Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (Auma), am Beispiel Husum, Hamburg und dem Umzug der Windenergy. Die Weltleitmesse im Windkraftbereich zog im Jahr 2014 vom kleinen Austragungsort Husum in die Großstadt Hamburg. "Da ging es um zu wenig Platz, eine nicht ausreichende Infrastruktur, zu wenig Hotels oder Fragen der Internationalisierung", sagt Neven. Besonders der letzte Punkt ist ein klarer Vorteil für größere Messen: "Sie unterhalten mehr Büros im Ausland, was die Gewinnung von Besuchern und Ausstellern erleichtert", erklärt er. Parallelen zwischen Nevens Husum-Hamburg-Beispiel und dem Outdoor-Weggang sind vorhanden: Münchens Hallenfläche ist mehr als doppelt so groß wie Friedrichshafens, die Messegesellschaft macht sogar weit über zehnmal so viel Umsatz, hat nach eigenen Angaben 70 Auslandsvertretungen und hat bei der Bewerbung die Karte Infrastruktur erfolgreich ausgespielt.

Für die Messe Friedrichshafen ist der Verlust der Outdoor ein herber Schlag. Der europäische Branchentreff findet ab 2019 in München statt. Damit verliert Friedrichshafen in diesem Jahr die Lizenz für eine ihrer vier internationalen Messen. Neben der Outdoor sind das die Fakuma, die Eurobike und die Aero, wobei letztere beide Eigenveranstaltungen der Messe Friedrichshafen sind. Was der Verlust wirtschaftlich bedeutet, sagen die Messe-Macher am Bodensee nicht. Der Jahresumsatz der Messe für 2015 und 2016 lag bei je 34 Millionen Euro. Die Leitmessen machen davon laut Branchenkennern etwa drei Viertel aus.

Für 2019 plant die Messe Friedrichshafen mit einer eigenen Outdoor. Die Erwartung, eine Alternative zur Ispo in der bayerischen Metropole anzubieten, hätten Aussteller schon vor der EOG-Entscheidung formuliert, sagt Messe-Chef Klaus Wellmann. Branchenkenner Neven ist skeptisch, was Gegenveranstaltungen nach einem Messeabgang angeht: "Bisher hat so etwas selten funktioniert." Erfolg sei aber möglich, wenn sich ein Standort "auf bestimmte Angebots- und Besuchergruppen oder Einzugsgebiete" konzentriere.
 

Messen im Südwesten

Der Ausstellungs- und Messeausschuss der Deutschen Wirtschaft listet in Baden-Württemberg fünf Messegelände mit Veranstaltungen von mindestens nationaler Bedeutung auf. Absteigend nach Hallenfläche sortiert sind das Stuttgart, Friedrichshafen, Karlsruhe, Offenburg und Freiburg. Weitere Messegelände gibt es in Villingen-Schwenningen, Ulm, Sinsheim und Mannheim. In der Nachbarschaft befinden sich zwei der größten Messegesellschaften der Welt: Frankfurt mit 647 Millionen Euro Jahresumsatz und München (428 Millionen Euro). (dod)

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