Stuttgart In drei Minuten geladen? EnBW will bis 2019 neue Schnellladestationen für E-Autos bauen

Die EnBW will 2019 neue Schnellladestationen bauen. Doch können Stromer die neuen Ladestationen überhaupt nutzen?

Von null auf hundert in drei Sekunden: Dieser Messwert ist oft entscheidend für den Kauf eines Sportwagens. Künftig könnte ein ähnlicher Wert auch über den Kauf eines Elektroautos entscheiden. Das Energieunternehmen EnBW will ab 2019 mit neuen Hochgeschwindigkeitsladesäulen, sogenannten High Power Charger, den Ladezyklus auf drei Minuten verkürzen. Laut Unternehmensangaben sei dies für eine Reichweite von hundert Kilometer ausreichend.

An herkömmlichen Schnellladesäulen werden Stromer mit einer Ladeleistung von 120 Kilowatt in 20 bis 30 Minuten auf 80 Prozent ihrer Akkukapazität geladen. „Die Leistung der Hochgeschwindigkeitsladestationen ist deutlich höher und liegt bei 150 bis 300 Kilowatt“, erklärt Angela Brötel, EnBW-Pressesprecherin auf SÜDKURIER-Anfrage. Dadurch solle die Wartezeit beim Laden erheblich verkürzt werden. Die EnBW will zusätzlich gemeinsam mit dem Öl- und Gasunternehmen OMV die Schnellladeinfrastruktur weiter ausbauen. Hierfür sollen bis Ende des Jahres 2019 insgesamt 100 OMV-Tankstellen in Süddeutschland mit den Hochgeschwindigkeitsladesäulen ausgestattet werden.

Experten bemängeln jedoch, dass kein Bedarf für die neuen Ladestationen bestehe: „Es gibt aktuell einfach keine Fahrzeuge für derartige Schnellladestationen. Stromer haben eine maximale Ladeleistung von 120 bis 135 Kilowatt“, sagt Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbands eMobilität. Die Technik der E-Autos sei erst in zwei bis drei Jahren in der Lage, höhere Ladeleistungen von 150 bis 300 Kilowatt aufnehmen zu können.

Doch die neuen Hochgeschwindigkeitsladesäulen sind laut Brötel nicht für die aktuelle Fahrzeuggeneration gedacht: „Es wird Stromer mit deutlich höheren Ladeleistungen geben.“ Um diese Autos dann auch betanken zu können, baue man schon jetzt die entsprechende Infrastruktur. Wollen mehrere Fahrzeuge gleichzeitig laden, könne die Leistung von 300 Kilowatt auch zwischen den Ladepunkten verteilt werden. Pro Standort können zwei Fahrzeuge gleichzeitig geladen werden.

Die zusätzlichen Ladestationen sollen das Angebot für Autofahrer erweitern: „Wir bieten ein Multienergieangebot für alle Fahrzeugtypen an“, sagt Thomas Bauer, Pressesprecher von OMV Deutschland, gegenüber dieser Zeitung. Neben den herkömmlichen Zapfsäulen sollen ab 2019 bis zu acht Hochgeschwindigkeitsladepunkte pro Standort entstehen. Bundesweit betreibt OMV über 300 Tankstellen. Davon solle ab 2019 ein Drittel aus Schnellladesäulen bestehen.

Auch Energieversorger wie Eon oder verschiedene Stadtwerke bieten Ladestationen an. Tesla stellt Kunden sogar ein eigenes Netzwerk mit speziellen Tesla-Ladestationen zur Verfügung. Kunden erhalten eine Gutschrift von 400 Kilowattstunden. Das reicht für eine Strecke von 1600 Kilometer. Diese Gutschrift decke den Langstreckenbedarf der meisten Tesla-Fahrer ab.

Mangelnde Infrastruktur

Es gibt derutlich zu wenig Ladesäulen in Deutschland. Laut einer Analyse des Car-Instituts an der Universität Duisburg-Essen kommen in den 50 größten deutschen Städten 11 800 Einwohner auf eine Ladesäule. Der Bund fördert den Ausbau der Ladeinfrastruktur bis 2020 mit rund 300 Millionen Euro. Trotz Dieselkrise haben Stromer aber nur einen kleinen Anteil im Straßenverkehr. Laut Statista sind aktuell 54 000 E-Autos auf den Straßen unterwegs (1,4 Prozent Marktanteil). Das Ziel, bis 2020 mindestens 300 000 Stromer unter den Fahrzeugen zu haben, dürfte so nicht zu halten sein. (lsc)

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