Stuttgart Das Land hat zu wenige Firmengründer

Kretschmann räumt auf einem Start-up-Gipfel Nachholbedarf ein. Die Landesförderbank will Millionen Euro für Projekte geben.

Bei Unternehmensgründungen sieht Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) im Südwesten noch Nachholbedarf. „In Sachen Start-ups ist Baden-Württemberg noch so etwas wie eine unterbewertete Aktie“, räumt der Grüne ein. Kretschmann hat das Thema zur Chefsache gemacht und am Freitag auf einem „Start-up-Gipfel“ in Stuttgart eine Kampagne zur Förderung der Gründerszene gestartet. Kretschmann: „Wir müssen im Ausland dafür werben, dass Risikokapital bei uns investiert wird.“ Gleichzeitig geht ein Portal im Internet an den Start, das Finanzierer und Gründer zusammenbringen soll.

2600 Teilnehmer hat der Start-up-Gipfel auf die Stuttgarter Landesmesse gelockt. 360 junge Unternehmen präsentieren sich und suchen Kontakt zu den Abgesandten von etablierten Unternehmen. Die Zusammenarbeit von Weltmarktführern und Weltunternehmen sieht Kretschmann als besondere Chance: „Berlin ist sexy. Aber wir haben Substanz.“ Kretschmann und CDU-Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut nehmen sich viel Zeit für den Rundgang. Alexander Lemken ist einer der Gründer der Mannheimer ioxp GmbH, mit deren Entwicklung Schulungsmaterialien hergestellt werden. Die realen Produkte werden dabei mit dem Tablet-Computer verknüpft. Vor zweieinhalb Jahren haben sich die Forscher selbstständig gemacht. Zehn Mitarbeiter hat ioxp mittlerweile.

Beeindruckt ist Kretschmann auch von der Geschäftsidee der Konstanzer Stimos GmbH, die Oberflächen von Implantaten so behandelt, dass sie schneller mit den Körperzellen verwachsen. „Wo passt das besser als in einer Region mit so viele Medizintechnikfirmen“, meint er. Auch das Wechselportal esave.de mit Sitz in Radolfzell am Bodensee, das seinen Kunden die Anbieterwahl im Strom- und Gasgeschäft erleichtern will, ist auf dem Gründer-Gipfel vertreten. Neun Regionen mit unterschiedlichen Branchenschwerpunkten haben sich im Südwesten entwickelt, die Gründer selbst sprechen von Ökosystemen. Das Ökosystem Heilbronn lockt mit einem Roboter auf seinen Stand in Halle 5, der für Kretschmann und Hoffmeister-Kraut einen Sekt einschenkt. Es ist eine Demonstrationsanlage der Hochschule Heilbronn, erzählt Moritz Böker.

Etliche Millionen hat Hoffmeister-Kraut für die Gründerszene locker gemacht. Fünf Millionen Euro stellt das Wirtschaftsministerium für sechs sogenannte Acceleratoren bereit. Das sind branchenspezifische Zentren, die Start-ups Partner und erfahrene Berater vermitteln sollen. Eines davon wird in Mannheim sein. Für solche „Brutkästen“ hätte die CDU-Politikerin gerne mehr Geld, auch von Privatfirmen.

Vor wenigen Tagen hat Hoffmeister-Kraut zusammen mit L-Bank-Chef Axel Nawrath einen neuen Finanzierungsfonds aufgelegt. Die grün-schwarze Regierung gibt fünf Millionen Euro, die landeseigene Bank stockt auf 50 Millionen Euro auf. Etwa 20 Beteiligungen seien so möglich.

Jungfirmen

Nach Daten der Steinbeis-Stiftung sind in den Landkreisen Tuttlingen, Konstanz und im Bodenseekreis 2016 rund 880 Junggfirmen gegründet worden. Bei nebenberuflich betriebenen Kleinunternehmen gab es 1900 Neu-Anmeldungen. (wro)

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