Konstanz/Stuttgart Daimler-Massenrückruf: Zündfunke im Abgas-Skandal

Der Stuttgarter Autobauer muss europaweit fast 800 000 Fahrzeuge wegen manipulierter Abgasanlagen zurückrufen. Den Konzern dürfte das teuer kommen und Daimler-Chef Dieter Zetsche die Bilanz verhageln, meint Wirtschaftsressortleiter Walther Rosenberger

Von Null auf fast 800 000 in nicht einmal drei Wochen. Dieses Tempo muss Daimler erst mal jemand nachmachen. Konnte sich der Konzern Ende Mai formal in Sachen Abgasskandal noch als unbescholten bezeichnen liegen die Dinge nun gänzlich anders. In 774 000 Autos europaweit ist nach Einschätzung des Bundesverkehrsministeriums eine Schummelsoftware verbaut. Allein für rund 240 000 in Deutschland zugelassene G- und C-Klassen hat das Verkehrsministerium gestern einen bindenden Rückruf ausgesprochen. Daimler steckt plötzlich ganz tief drin in der Abgasaffäre. Abzusehen war das. Die Abgasreinigung bei Zimmertemperatur herunterzuregeln und das mit dem Schutz des Motors zu begründen, kann getrost als recht auffällige Trickserei der schwäbischen Ingenieure bezeichnet werden.

Zu lange Schwieg das Ministerium

Noch auffälliger ist eigentlich nur, dass die deutschen Aufsichtsbehörden fast drei Jahre gebraucht haben, um das festzustellen und erst jetzt bei Daimler die Reißleine ziehen. Für Daimler wird die Sache dadurch brenzlig. Unwahrscheinlich, dass es bei der jetzigen Zahl an Schummel-Dieseln bleibt. Wahrscheinlich, dass nun weitere Klagen, etwa in den USA oder in Europa, folgen. Ein sanftes Hinübergleiten in den Ruhestand Ende 2019 kann sich Daimler-Chef Dieter Zetsche nun abschminken.

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