Seoul/Washington Trump legt nach: Nordkorea sollte „sehr, sehr nervös sein“ – US-Präsident warnt Pjöngjang und fordert China zum Handeln auf

US-Präsident Donald Trump legt im Atomstreit mit Nordkorea nach: Seine Warnung an die Regierung in Pjöngjang sei „vielleicht nicht hart genug“ gewesen.

US-Präsident Donald Trump legt im Atomstreit mit Nordkorea nach: Seine Warnung an die Regierung in Pjöngjang sei „vielleicht nicht hart genug“ gewesen, sagte er am Donnerstag auf seiner Golfanlage in Bedminster im US-Bundesstaat New Jersey. Nordkorea sollte „sehr, sehr nervös“ sein, selbst wenn es nur über einen Angriff auf die USA oder ihre Verbündeten nachdenke. Trump rief China erneut auf, den Druck auf Nordkorea zu erhöhen.

Trump sagte an der Seite von Vizepräsident Mike Pence: „Nordkorea sollte sich lieber zusammenreißen, sonst wird es Ärger kriegen wie nur wenige Staaten zuvor.“ Er warnte Pjöngjang davor, „auch nur daran zu denken“, die USA oder ihre Verbündeten anzugreifen. Gleichzeitig betonte er, die USA seien weiterhin offen für Verhandlungen.

Seine Drohungen in Richtung Pjöngjang vom Vortag verteidigte der Präsident. Es sei „an der Zeit, dass jemand “für die Menschen in diesem Land eintritt und auch für die Menschen in anderen Ländern."

Trump hatte am Dienstag gesagt, er werde im Atomstreit mit Nordkorea mit „Feuer und Wut“ auf Provokationen reagieren. Daraufhin drohte das weitgehend isolierte Land mit dem Raketenbeschuss von Zielen im Umfeld von Guam. Auf der Insel im Westpazifik sind rund 6000 US-Soldaten stationiert. Das US-Außengebiet liegt rund 3300 Kilometer von Pjöngjang entfernt.

US-Präsident Donald Trump (r) und US-Sicherheitsberater H.R. McMaster nehmen am 10.08.2017 im Trump National Golf Club in Bedminster, New Jersey (USA) an einer Pressekonferenz teil.
US-Präsident Donald Trump (r) und US-Sicherheitsberater H.R. McMaster nehmen am 10.08.2017 im Trump National Golf Club in Bedminster, New Jersey (USA) an einer Pressekonferenz teil. | Bild: dpa

Trump rief China erneut auf, Nordkorea zum Ende seines Nuklearprogramms zu drängen. „Ich denke, China kann sehr viel mehr tun.“ Die Regierung in Peking gilt als der wichtigste Verbündete Nordkoreas. Der US-Präsident warf China bereits mehrfach vor, zu wenig zur Lösung des Konflikts beizutragen.

Pjöngjang treibt trotz internationaler Sanktionen seit Jahren sein Raketen- und Atomwaffenprogramm voran. Im Juli testete Nordkorea zwei Interkontinentalraketen, mit denen das Land nach Einschätzung von Experten das US-Festland treffen könnte. Der UN-Sicherheitsrat hatte erst am Samstag die Strafmaßnahmen gegen Nordkorea verschärft, um Pjöngjang zum Einlenken zu bewegen.

„Wenn er etwas in Guam unternimmt, dann wird es ein Ereignis sein, wie es noch niemand zuvor gesehen hat, was in Nordkorea passiert“, sagte Trump an die Adresse des Machthabers in Pjöngjang, Kim Jong Un. Dieser hatte zuvor das US-Außengebiet Guam im Pazifik als mögliches Angriffsziel identifiziert, sollten die USA ihre „provokativen“ Handlungen nicht einstellen.

Von seiner umstrittenen „Feuer und Wut“-Drohung an die Adresse Nordkoreas will Trump nicht abrücken – im Gegenteil. Möglicherweise sei sie sogar nicht scharf genug gewesen, sagte er am Donnerstag in seinem Urlaubsdomizil in Bedminster (New Jersey). Es sei an der Zeit gewesen, dass jemand für die Amerikaner und die Menschen anderer Nationen aufstehe. Auf die Frage, ob er an einen sogenannten Präventivschlag denke, antwortete Trump: „Darüber reden wir nicht. Ich mache das nie.

Die scharfe Rhetorik Trumps ist auch in den USA umstritten.

Kritiker wie der republikanische Außenpolitik-Experte John McCain sagen, es sei gefährlich, Rote Linien zu ziehen und sich damit selbst unter Zugzwang zu setzen.

Der US-Präsident verwies erneut darauf, dass das US-Atomwaffenarsenal in einem guten Zustand sei. „Es ist in Tip-Top-Verfassung“, sagte er. „Niemand, das gilt auch für Nordkorea, sollte uns mit irgendetwas bedrohen.“ Er kündigte auch an, dass die USA ihre Raketenabwehr aufstocken würden. Er werde dafür einen signifikanten Milliardenbetrag bereitstellen, sagte Trump.

Zwar fügte er hinzu, die USA müssten Verhandlungen jederzeit erwägen. „Aber sie haben jetzt 25 Jahre lang verhandelt.“ Der US-Präsident zweifelte auch an, dass die jüngst einstimmig im Sicherheitsrat beschlossenen UN-Sanktionen den erwünschten Effekt haben würden. Trump sagte, er glaube, dass China in dem Konflikt deutlich mehr tun und den Druck auf Nordkorea erhöhen werde.

Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert, betonte, die US-Politik des wirtschaftlichen Drucks sei durchaus erfolgversprechend. Sie forderte, kein Land soll mehr Gastarbeiter aus Nordkorea aufnehmen – das von ihnen verdiente Geld fließe nicht in die Familien, sondern in Rüstungsprogramme der Regierung.

Nordkorea zeigt sich unbeeindruckt

Nordkoreas Führung hatte am Donnerstag demonstrativ unbeeindruckt und mit Spott auf die jüngsten Drohungen Trumps reagiert. „Sachlicher Dialog ist mit so einem Typen bar jeder Vernunft nicht möglich, nur mit absoluter Stärke ist ihm beizukommen“, hieß es in einer von den Staatsmedien verbreiteten Stellungnahme der Streitkräfte. Am Freitag (Ortszeit) hieß es dann aus Pjöngjang, die USA müssten mit einer „schandvollen Niederlage“ rechnen, sollten sie weiter auf ihre „extremen militärischen Abenteuer“ sowie Sanktionen und Druck bestehen.

Nordkorea hatte trotz Verboten des UN-Sicherheitsrats und Warnungen aus dem Ausland am 28. Juli eine Interkontinentalrakete getestet. Diese hatte nach Berechnungen von Experten eine theoretische Reichweite von rund 10 000 Kilometern. Nordkoreas Staatschef Kim sagte nach dem Test, das Festland der USA sei jetzt in Reichweite. Als Reaktion auf den Raketentest verhängte der UN-Sicherheitsrat die bislang schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen warf Nordkorea völkerrechtswidriges Verhalten vor und zeigte Verständnis für Trump. Internationale Kommentatoren sehen eher taktische Manöver hinter den verbalen Attacken. An den Börsen sorgte die Krise weiter für Unsicherheit. Der deutsche Leitindex Dax gab deutlich nach, der US-Index Dow Jones begab sich noch rasanter auf Talfahrt.

Sicherheitsberater der USA und Südkoreas stimmen sich zu Nordkorea ab

Die führenden Sicherheitsberater der Regierungen in Seoul und Washington haben sich am Freitag darauf geeinigt, alle möglichen Maßnahmen gegen Nordkorea im Voraus zu diskutieren. Laut einem Regierungssprecher in Seoul wurde dies bei einem Telefonat zwischen dem Leiter des Nationalen Sicherheitsrates Südkoreas, Chung Eui Yong, und seinem US-Kollegen H. R. McMaster besprochen. Beide Seiten hätten die derzeitige Sicherheitslage sowie Möglichkeiten diskutiert, wie man mit den Bedrohungen umgehen könne.

Australiens Premier: Müssen USA bei Angriff Nordkoreas beistehen

 Falls Nordkorea die USA militärisch angreifen sollte, müsste Australien seinem Verbündeten nach Regierungsangaben beistehen. Der pazifische Sicherheitspakt ANZUS verpflichte sein Land sogar dazu, sagte der australische Premierminister Malcolm Turnbull am Freitag. Damit widersprach er seiner Außenministerin Julie Bishop, die am Vortag das Gegenteil behauptet hatte.
„Die Vereinigten Staaten haben keinen engeren Verbündeten als Australien“, sagte Turnbull dem australischen Radiosender 3AW. „Lassen sie uns das ganz deutlich sagen: Wenn es einen Angriff Nordkoreas auf die USA geben sollte, würde der ANZUS-Pakt in Kraft treten und Australien würde den Vereinigten Staaten zu Hilfe kommen.“

Malcolm Turnbull widerspricht seiner Außenministerin Julie Bishop, die am Vortag gesagt hatte, Australien sehe sich im Fall eines militärischen Konfliktes zwischen den USA und Nordkorea nicht zum Eingreifen verpflichtet.
Malcolm Turnbull widerspricht seiner Außenministerin Julie Bishop, die am Vortag gesagt hatte, Australien sehe sich im Fall eines militärischen Konfliktes zwischen den USA und Nordkorea nicht zum Eingreifen verpflichtet. | Bild: Lukas Coch (AAP)/dpa


Bishop hingegen hatte am Donnerstag gesagt, Australien sehe sich im Fall eines militärischen Konfliktes zwischen den USA und Nordkorea nicht zum Eingreifen verpflichtet. „Wir waren im rechtlichen Sinn keine Partei im Waffenstillstandsabkommen. Deshalb wäre Australien nicht automatisch involviert“, sagte Bishop dem Radiosender ABC mit Bezug auf den Koreakrieg. In dem Konflikt von 1950 bis 1953 hatten die USA auf der Seite Südkoreas gegen den Norden der Halbinsel gekämpft. Nach dem Waffenstillstand blieben die beiden Teile Koreas geteilt. Auch der pazifische Sicherheitspakt ANZUS zwischen Australien, Neuseeland und den USA bedeute lediglich eine „Verpflichtung zur Konsultation“, sagte die Außenministerin weiter.



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