Kapstadt Nach dem Machtwechsel in Südafrika: Wer ist der neue Präsident Cyril Ramaphosa?

Der neue starke Mann in Südafrika gilt als pragmatischer Manager. Ramaphosa muss das Land nach den Skandaljahren unter Präsident Zuma wieder auf Vordermann bringen.

Einst galt Cyril Ramaphosa als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge Nelson Mandelas als Präsident Südafrikas. Als sich in den 90er Jahren jedoch Thabo Mbeki im parteiinternen Machtkampf durchsetzte, wandte sich Ramaphosa - äußerst erfolgreich - der Geschäftswelt zu. Mit dem Rückzug des skandalumwitterten Präsidenten Jacob Zuma wird der Traum des Multimillionärs und Ex-Gewerkschafters Ramaphosa nun doch noch wahr.

Am Donnerstag wählte das Parlament in Kapstadt den Vorsitzenden der Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC) zum neuen Staatschef. In seiner ersten Rede als südafrikanischer Präsident versprach der 65-Jährige die Korruption zu bekämpfen. "Ich werde sehr hart dafür arbeiten, das südafrikanische Volk nicht zu enttäuschen", sagte Ramaphosa, der für seine Ansprache stehende Ovationen im Parlament erhielt.

Bereits im Dezember hatte Ramaphosa den Machtkampf inerhalb des ANC für sich entschieden. Die Partei des legendären Anti-Apartheid-Kämpfers Mandela wählte ihn zu ihrem neuen Vorsitzenden, Zuma musste Platz machen. 

Den Weg ins Präsidentenamt machte Zuma seinem Konkurrenten ungleich schwerer: Bis zuletzt widersetzte sich der 75-Jährige mit aller Kraft der Entmachtung durch die eigene Partei. Erst als ihm die Absetzung durch ein parlamentarisches Misstrauensvotum drohte, gab Zuma auf - am Mittwochabend erklärte er seinen Rücktritt.

"Begabtester Anführer seiner Generation"

Ramaphosas Aufstieg zum mächtigsten Mann Südafrikas hätte den vor fünf Jahren gestorbenen Nelson Mandela sicherlich nicht überrascht. Der Friedensnobelpreisträger nannte Ramaphosa einst den begabtesten Anführer der "neuen Generation" - junge Anti-Apartheid-Aktivisten, die in den 70er Jahren die Plätze der inhaftierten Vatergeneration einnahmen.

Ramaphosa wurde 1952 in Soweto geboren, dem berühmten Township im Südwesten Johannesburgs, ein Zentrum des Widerstands gegen die Apartheid. Als Student politisierte er sich. 1974 wurde er festgenommen und verbrachte elf Monate in Einzelhaft. 

Nach seinem Studium gründete Ramaphosa 1982 die mächtige Bergarbeitergewerkschaft NUM, die fünf Jahre später mit massiven Streiks an den Grundfesten der weißen Herrschaft in Südafrika rüttelte. 

Für umso mehr Irritation sorgte Ramaphosas Rolle während der Bergarbeiterstreiks im Jahr 2012, als vor der Platinmine von Marikana 34 Kumpel von der Polizei erschossen wurden. Ramaphosa war damals Aufsichtsratsmitglied des Minenbetreibers Lonmin und hatte kurz vor dem Massaker ein hartes Vorgehen gegen die Streikenden gefordert. Später entschuldigte er sich.

Rückkehr auf die politische Bühne

Im gleichen Jahr kehrte Ramaphosa auf die politische Bühne zurück, die er 1996 verlassen hatte, und wurde zum ANC-Vize hinter Jacob Zuma gewählt. 2014 wurde er Südafrikas Vizepräsident - eine ambivalente Rolle: Einerseits musste er Zuma, von Korruptionsvorwürfen überhäuft, unterstützen. Andererseits kritisierte er ihn hin und wieder, wenn auch nur vorsichtig. 

Oppositionsführer Mmusi Maimane von der Democratic Alliance (DA) wirft ihm daher Komplizenschaft vor. Ramaphosasei "bestenfalls" ein "stiller Vizepräsident" gewesen, sagte er. 

Und Ramaphosas Biograf Ray Hartley schrieb in seinem Buch "The Man Who Would Be King", der neue ANC-Chef habe zwar "keine Verbindung zu den Korruptionsskandalen", die Südafrika in den vergangenen Jahren erschüttert haben. Er sei aber wohl eher "mächtiger Insider als radikaler Reformer".

Dabei spielte Ramaphosa eine entscheidende Rolle beim friedlichen Übergang Südafrikas von einem auf Rassenideologie basierenden, autoritären Staat zur Demokratie. Er war der Chefunterhändler des ANC, später führte er die Gruppe an, welche die neue Verfassung des Landes ausarbeitete.

Der 65-Jährige wirkt bei öffentlichen Auftritten zurückhaltend und entspannt. Der vierfache Vater rückte den Wiederaufbau der Wirtschaft in den Fokus seiner Kampagne für den Parteivorsitz. Er setzt auf Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Das Erreichen dieser Ziele sei in den vergangenen zehn Jahren "von schlechtem Führungsverhalten und falschen Prioritäten unterwandert" worden, bemängelte er einmal. 

Ramaphosas Qualifikation für Wirtschaftsthemen scheint unzweifelhaft. In seiner Auszeit von der Politik schaffte er es als Geschäftsmann zu einem der reichsten Männer Afrikas aufzusteigen - ohne dabei in größere Korruptionsskandale verwickelt zu werden.

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