Heilbronn Der Polizistenmord von Heilbronn

Der Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter (22) in Heilbronn vor zehn Jahren ist ein Rätsel. Polizei und Politik leisteten sich in ihrer Aufklärung Pannen und schwere Versäumnisse, Bisher gehen die Ermittler davon aus, dass Kiesewetter von den NSU-Terroristen erschossen wurde. Die wichtigsten Eckdaten.

25. April 2007: In Heilbronn wird die Polizistin Michèle Kiesewetter erschossen. Ihr Kollege Martin A. (24) überlebt schwer verletzt, er kann sich an nichts erinnern. Am Dienstwagen wird die DNA-Spur einer Unbekannten sichergestellt. Bis 2009 jagen die Ermittler ein Phantom.

27. März 2009: Der Leiter der Staatsanwaltschaft Heilbronn, Volker Link, räumt die Blamage ein: Die Gen-Spuren der «Frau ohne Gesicht» sind beim Verpacken auf die Wattestäbchen der Ermittler gelangt.

7. November 2011: Das Landeskriminalamt (LKA) teilt mit, dass die Dienstpistolen der Polizistin Kiesewetter und ihres Kollegen in einem ausgebrannten Wohnmobil in Eisenach entdeckt wurden. Die NSU-Mitglieder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos haben sich in dem Wohnmobil nach einem Banküberfall erschossen. Einen Tag später stellt sich in Sachsen NSU-Mitglied Beate Zschäpe.

31. Juli 2012: Es wird bekannt, dass zwei Polizisten aus Baden-Württemberg Verbindungen zum rassistischen Ku-Klux-Klan hatten. Einer der beiden war Kiesewetters damaliger Gruppenführer und am Todestag der Beamtin auch in Heilbronn.

30. Januar 2014: Drei Zeugen haben blutverschmierte Männer in der Nähe des Tatortes in Heilbronn gesehen, berichtet ein Kriminalbeamter im Münchner NSU-Prozess gegen Zschäpe.

10. Februar 2014: Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall (SPD) sieht keine Beweise für ein NSU-Unterstützernetzwerk im Südwesten. Ergo: Kiesewetter sei ein Zufallsopfer. So sieht es auch die Bundesanwaltschaft.

21. Oktober 2014: Eine Kripo-Beamtin des LKA Baden-Württemberg berichtet im NSU-Prozess, das rechtsextreme Trio habe enge Kontakte nach Baden-Württemberg gepflegt.

5. November 2014: Der Landtag beschließt einen Untersuchungsausschuss zur Aufarbeitung der Umtriebe der Gruppierung.

1. März 2015: Die mutmaßliche Selbstverbrennung des Ex-Neonazis Florian H. in Stuttgart beschäftigt den Landtagsausschuss. Am Tag seines Todes sollte er von Beamten zum Kiesewetter-Mord befragt werden. Vater und Schwester des 21-Jährigen werfen den Ermittlern schlampige Arbeit vor.

18. März 2015: Weitere Polizeipanne: Die Schwester des toten Florian H. findet mehrere Gegenstände im ausgebrannten Wagen. Darunter: Schlüsselbund, Feuerzeug, Pistole und Machete. Die Polizei hatte das Fahrzeug zwar untersucht, diese Gegenstände aber übersehen.

23. März 2015: Staatsanwaltschaft Stuttgart nimmt ein im April 2014 eingestelltes Todesermittlungsverfahren im Fall H. wieder auf.

19. April 2015: Wegen möglicher Versäumnisse bei den Ermittlungen im Fall H. laufen Disziplinarverfahren gegen drei Polizisten.

8. Juni 2015: Baden-württembergischen Ermittler bekräftigen, dass sie keinen Zusammenhang zwischen dem Ku-Klux-Klan in Schwäbisch Hall und der Ermordung Kiesewetters in Heilbronn sehen.

15. Juli 2015: Der Landtag beschließt, dass künftig ein parlamentarisches Kontrollgremium dem Verfassungsschutz auf die Finger schauen soll.

21. September 2015: Der Untersuchungsausschuss schließt den Fall Florian H. ab, nachdem die Familie des Toten Beweismittel nicht rausrückt.

28. September 2015: Zeugen berichten im Untersuchungsausschuss von ihren Beobachtungen am Tag des Kiesewetter-Mordes. Der Ausschuss geht der Annahme nach, dass doch mehrere Täter am Werk waren.

15. Januar 2016: Der Untersuchungsausschuss im Landtag schließt seine Arbeit ab. Er hält Kiesewetter weiterhin für ein Zufallsopfer der Rechtsterroristen.

20. Juli 2016: Der Landtag beschließt einen zweiten NSU-Untersuchungsausschuss, der die Themen weiter aufarbeiten soll, die im ersten Ausschuss aus Zeitgründen nicht erschöpfend behandelt werden konnten.

14. November 2016: Im Untersuchungsausschuss sagt ein früheres Mitglied der islamistischen Sauerlandgruppe aus. Der Mann widerspricht Gerüchten, wonach an Kiesewetters Todestag, dem 25. April 2007, Zünder für Sprengsätze der Gruppe auf der Theresienwiese übergeben worden seien.

2. Dezember 2016: Der frühere Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Ernst Uhrlau, erklärt im Ausschuss, keine Hinweise für die angebliche Anwesenheit ausländischer Geheimdienste in Heilbronn an Kiesewetters Todestag bekommen zu haben.

20. März 2017: Spekulationen, nach denen ausländische Geheimdienste angeblich am Todestag der Polizistin Michèle Kiesewetter am Tatort waren, bekommen neue Nahrung: Eine Rechtsanwältin sagt im Ausschuss, eine Kontaktperson habe ihr erklärt, es sei am 25. April 2007 auf der Theresienwiese in Heilbronn um ein Waffengeschäft gegangen.

24. April 2017: Die Bundesanwaltschaft erklärt, einem angeblichen NSU-Schriftzug am Ort des Mordes an der Polizistin Michèle Kiesewetter nachgehen zu wollen.

25. April 2017: Politiker und Familienangehörige der NSU-Opfer kommen in kommen in Heilbronn an Kiesewetters Todestag zu einer Gedenkfeier zusammen.

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