Allensbach/Berlin Allensbach-Studie: Die Generation Mitte macht sich Sorgen

Die Ergebnisse einer Allensbach-Umfrage versprechen nichts Gutes: Die Generation Mitte blickt nicht sehr hoffnungsvoll in die Zukunft. Warum 2016 das Jahr der Ängste ist.

Die Kurve der Hoffnungen und Ängste in Deutschland zeigt nach unten wie seit Jahren nicht. Derzeit blicken nicht mehr als 43 Prozent der mittleren Generation zwischen 30 und 59 Jahren hoffnungsvoll nach vorne. In den vergangenen Jahren dominierten noch bei 52 bis 57 Prozent die Hoffnungen. Wie dramatisch ist der Stimmungseinbruch angesichts von Flüchtlingen, sozialer Ungerechtigkeit, von Fremdenhass und drohendem Terror?

„2016 ist das Jahr der Ängste“, sagte der Heidelberger Politologe Manfred Schmidt im Juli. Jetzt zeigt eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Versicherungswirtschaft ein gemischtes Bild – und deutliche Widersprüche.

Es liegt einerseits schon acht Jahre zurück, dass es weniger Optimismus gab. Damals, zur Finanzmarktkrise, blickten nur 34 Prozent mit Hoffnungen in die nächste Zeit. Davor waren es die Anschläge vom 11. September, die Rezession nach dem Einheitsboom und die zwei Ölkrisen, die den Bundesbürgern die Stimmung verhagelten – allerdings auch damals jeweils mit noch schlechteren Werten als derzeit.

Befürchtungen und Skepsis dominieren bei zwei von fünf Vertretern der mittleren Generation – gleichzeitig aber ist das persönliche Empfinden durchaus positiv. Zwei von drei sagen, es lebe sich gut in Deutschland, 15 Prozent sogar sehr gut. 42 Prozent geben zu Protokoll, ihre soziale Stellung sei höher als die ihrer Eltern. Nur jeder Zehnte schätzt sie als schlechter ein.

Großteils geht es aufs Konto der etablierten Parteien, dass die Stimmung schlechter ist als die reale Lage vieler Menschen, meint Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher. Viele Politiker hätten das Signal ausgesendet, dass man sich keine Sorgen machen müsse, als Hunderttausende Flüchtlinge kamen. Gleichzeitig hätten viele Bürger aber den Kontrollverlust der Politik gespürt. „Alle Parteien unterschätzen den Vertrauensverlust, den sie sich einhandeln“, meint Köcher. Das Ergebnis: der Höhenflug der AfD.

Die Konjunktur brummt. Die Beschäftigung liegt auf Rekordniveau. Doch 44 Prozent meinen, ihr Einkommen könnte in den kommenden Jahren nicht reichen. Zwei von fünf fürchten sinkenden Lebensstandard. Die Ängste vor Wohlstandsverlust bleiben aber doch allgemein – und meist auf die fernere Zukunft gerichtet. Gar keine oder eine weniger große Gefahr, selbst sozial abzusteigen, sehen 75 Prozent – eine wachsende generelle Gefahr für sozialen Abstieg sehen aber 62 Prozent. 60 Prozent fürchten, ihren Lebensstandard im Alter nicht halten zu können. Es geht zwar 39 Prozent selbst besser als noch wenige Jahre zuvor, wie die Befragten selbst sagen. Aber fast zwei von drei finden, die Verhältnisse bezüglich Verdienst und Besitz seien nicht gerecht.

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