Berlin AfD-Spitzenfrau Beatrix von Storch soll Geld veruntreut haben

Junge Piraten und Grüne-Jugend werben in einem Flyer gegen die AfD, die Euro-Skeptiker-Partei wehrt sich dagegen. Zudem werden Vorwürfe gegen die AfD-Spitzenfrau Beatrix von Storch laut, ihr Mann soll Spendengelder in Höhe von 98 000 Euro veruntreut haben. Sie weist die Vorwürfe zurück.

Obwohl die Alternative für Deutschland versucht hat, die Verbreitung zu verhindern, ist der Flyer schon im Umlauf. "Kein Fußbreit... den rechten Parteien, auch nicht, wenn sie als bürgerliche „Alternative“ auftreten!" So beginnt der Handzettel, den die Jungen Piraten gemeinsam mit der Grünen Jugend herausgegeben haben. Das Flugblatt ist ein klassischer Fall von Antiwerbung, wobei antidemokratische Positionen der Euro-Skeptiker-Partei Alternative für Deutschland aufgelistet werden. Die Partei wendet sich laut der Thesen im Flyer gegen gleichgeschlechtliche Ehen, die freie Wohnort- und Arbeitsplatzsuche innerhalb der EU und für ein Wahlrecht, das auf so genannte Leistungseliten beschränkt ist. Das Fazit lautet: "Die AfD ist gefährlich...weil sie einfache, schwarzweiße Lösungen auf komplexe Fragen verspricht. Die AfD versucht, Stimmen am rechten Rand einzufangen, ohne dabei direkt rassistisch zu wirken - weil sie weiß, dass das nicht gut ankommt. Das ist Populismus."

Neue Vorwürfe gegen die AfD

Nun werden neue Vorwürfe gegen die AfD laut. Die Bundestagskandidatin Beatrix von Storch und ihr Mann sollen Geld unterschlagen haben. Von Storch steht auf Listenplatz zwei der AfD in Berlin, gilt aber als die eigentliche Nummer eins im Landesverband. Zu ihrem Wahlkampfteam gehört ihr Mann, Sven von Storch. Sie führen als Vorsitzende, Vorstand und Verantwortliche eine Reihe von Organisationen.

Die "Welt am Sonntag" berichtet  nun, dass die von Storchs mit Spendengeldern private Mietrechnungen und Reisen bezahlt hätten. Der Zeitung lägen entsprechende Dokumente und eidesstattliche Versicherungen vor. Zudem sollen 98 000 Euro verschwunden sein. Dabei geht es um den Verein Zivile Koalition, der die Anti-Euro-Rettungspolitik von Storchs und der AfD unterstützt. Er sammelt Spenden politischer Unterstützer und wirbt für die AfD-Kandidatin.

98 000 Euro sollen verschwunden sein

Im vergangenen Jahr soll Sven von Storch in mehreren Schritten, über wenige Wochen verteilt, insgesamt 98 000 Euro von einem Konto des Vereins abgehoben haben. Laut vereinsinternen Quellen habe es keine Belege dafür gegeben, wer dieses Geld abgehoben hat und was damit passiert ist. Sven von Storch soll diese Belege schuldig geblieben sein, obwohl er sie liefern wollte. Auch die Steuerberaterin des Vereins soll stutzig geworden sein und Belege angefordert haben.

Beatrix von Storch betont hingegen, dass ihre Kandidatur für die AfD nicht mit dem Verein Zivile Koalition in Verbindung stehe. Ihre Wahlkampfausgaben seien durch Gelder der Partei gedeckt. Die Summe von 98 000 Euro, die ihr Ehemann abgehoben habe, liege in einem Bankschließfach des Vereins in Berlin. Die Begründung: Der Verein solle auch bei einem Bankenzusammenbruch finanziell flüssig bleiben. Damit erkläre sich auch das Fehlen von Belegen für die Vereinsgelder, da sie nicht ausgegeben worden seien.

Vereinsgelder für Privatvergrügen verwendet?

Außerdem legten die Dokumente laut dem Zeitungsbericht nahe, dass das Ehepaar von Storch private Reisen aus der Vereinskasse bezahlt haben könnte. Mehrere Tausend Euro soll Sven von Storch an Bankautomaten auf einer Reise in Chile abgehoben haben. Welcher Art die Dienstreise für den Verein sein soll, könne sich niemand erklären. Es liege jedoch nahe, dass von Storch dort seine Familie besucht habe, er sei selbst dort geboren. Mitarbeiter würden nicht "über sämtliche Einzelheiten von geschäftlichen Reisen des Vorstands unterrichtet", sagte Beatrix von Storch dazu. In der Vereinssatzung stehe jedoch laut Welt am Sonntag, dass Mitarbeiter keine privaten Zuwendungen erhalten. Dennoch sollen die Miete für eine Wohnung am Berliner  Kurfürstendamm, Stromrechnungen für die Privatwohnung der von Storchs, Skulpturen und Gartenartikel bezahlt worden sein.

Beatrix von Storch betonte am Montag: „Die Vorwürfe und Mutmaßungen ... sind haltlos und nicht begründet.“ Es handele sich um eine „durchsichtige Verleumdung“, die auf eine ehemalige Mitarbeiterin zurückgehe, der im Januar gekündigt worden sei. Es sei „bezeichnend“, dass diese Frau aktives FDP-Mitglied sei, heißt es in einer schriftlichen Erklärung. Wegen der Unsicherheit auf den Finanzmärkten und der Eurokrise habe ihr Mann das Geld in einem Schließfach deponiert. Dies habe ein Berliner Notar am Montag testiert. „Sämtliche Belege liegen vor und werden selbstverständlich ordnungs- und fristgemäß dem zuständigen Finanzamt eingereicht“, erklärte sie.

(Mit Material von dpa.)

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