Weltspiegel Peter Kraus: „In der Nacht ging es ab“

Peter Kraus brachte die
Deutschen in den 50er-Jahren auf den Rock'n'Roll. Ein Gespräch über Musik, Kinofilme und Frauen

Herr Kraus, im Juli sehen wir Sie mal wieder im Kino – in dem Film „Systemfehler – Wenn Inge tanzt“.

Ich spiele einen Schlagersänger. Wenn ich mal ein Filmangebot kriege, dann immer nur in der Rolle eines Schlagersängers. Normalerweise interessieren mich Schlagersänger überhaupt nicht. Aber in diesem Falle las ich das Drehbuch und fand es sehr witzig. Es ist ein sehr frischer, junger Film, zugeschnitten auf die Altersgruppe 15 bis 25. Das ist exakt die Publikumsschicht, die ich in meinen Konzerten noch gebrauchen könnte… (lacht) Allerdings haben wir für meinen Schlagersänger eine fürchterliche Schnulze geschrieben, „Rosen aus Hawaii“ – so was würde ich in der Realität niemals singen.

2009 sagten Sie, dass Sie auf Ihrer „wahrscheinlich letzten Tournee“ seien. Aber irgendwie scheinen Sie es nicht lassen zu können…

Es ist immer wieder das Gleiche: Eigentlich denke ich, es reicht. Aber dann macht die Tour richtig Spaß, abends an der Bar beim Biertrinken mit den Musikern kommt man ins Schwärmen und Philosophieren, überlegt, was man als Nächstes machen könnte, meistens kommt einem dann eine super Idee für eine nächste Tournee, dann werden Pläne geschmiedet – und dann macht man halt doch weiter. Das ist aber im Grunde besser, als würde ich bei mir zu Hause am Luganer See sitzen und sagen: Ich genieße jetzt meinen Erfolg von gestern. Mir ist es lieber, ich bin mittendrin im Geschehen. Ich habe zwar viele schöne Hobbys – aber trotzdem könnte ich mir keine schönere Beschäftigung vorstellen, als auf der Bühne zu stehen. Da können auch meine geliebten Auto-Rallyes nicht mithalten.

Wie haben Sie damals Ihre Leidenschaft für Rock'n'Roll entdeckt?

Ich bin mit amerikanischer Musik aufgewachsen. Mein Vater hatte nämlich einen Nebenjob: Zusätzlich zu seiner Schauspielerei trat er in einem Nachtclub in Wien als Sänger auf und sang Frank Sinatra, Dean Martin und so Zeugs – für die amerikanischen Soldaten nach dem Krieg. Diese amerikanischen Lieder hat mein Vater immer zu Hause geübt. Insofern bin ich damit aufgewachsen und hatte von deutschsprachiger Musik überhaupt keine Ahnung. Dadurch hatte ich auch immer einen ausgeprägten Drang nach allem Amerikanischen. Angefangen bei der Jeans über amerikanische Freunde bis hin zum Soldatensender AFN, den ich immer hörte. Irgendwann hörte ich von meinen amerikanischen Freunden, da käme eine ganz irre neue Musikrichtung aus Amerika, Rock'n'Roll. Das faszinierte mich von Anfang an. Als die Rock'n'Roll-Ära in Deutschland anfing, wusste ich schon längst bestens Bescheid. Von meiner ersten Rock'n'Roll-Platte verkaufte ich 130 000 Stück. Das war quasi gar nichts. Mein Manager fand dann heraus, dass meistens Mädchen meine Platten kauften. Und die wollten keinen Rock'n'Roll, sondern Schmusesongs haben, wie Elvis sie ja auch gesungen hat. Auf der zweiten Platte hatte ich dann auch Schmusesongs und verkaufte davon prompt 500 000 Stück.

Sie sind ja dafür bekannt, dass Sie ein sehr buntes Liebesleben hatten.

Vor allem die 50er-Jahre waren ja alles andere als verklemmt. Nach außen hin sollte zwar immer alles ganz brav wirken, aber das war es natürlich nicht. Es wirkte vielleicht alles prüde, weil man damals nicht über seine erotischen Abenteuer plauderte. Man hatte sie einfach. Wenn wir damals – zum Beispiel am Wörthersee – Filme drehten, wohnten wir alle im selben Hotel. Was glauben Sie, was da nachts abging! Damals hatten wir garantiert alle mehr Sex als jedes junge Starlet heute. Der Unterschied ist nur: Heute wird in der Öffentlichkeit mehr darüber geredet.

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