Bellinzona/Tettnang Nach Tesla-Unfall: Experte erklärt, warum Batterien für E-Autos so leicht brennbar sind

Der Dekra-Experte Markus Egelhaaf erklärt, warum Lithium-Ionen-Batterien so leicht brennbar sind und weshalb man sie nur schwer löschen kann. Direkt an der Flamme gemessen können Temperaturen von bis zu 1200 Grad entstehen.

Was verbirgt sich hinter dem Phänomen „thermisches Durchgehen“ (thermal runaway)?

Das ist ein technischer Begriff bei Batterien mit mehreren Einzelzellen, die sehr dicht gepackt aneinander liegen: Wenn eine Zelle durch technischen Defekt oder mechanische Einwirkung heiß wird, heizt sie die umliegenden Zellen auf. Dieser Vorgang setzt sich immer schneller fort, weil immer mehr Zellen aufgeheizt werden und irgendwann anfangen zu brennen. Es gibt jedoch keine Explosion.

Sind Lithium-Ionen-Batterien gefährlicher als andere?

Bei diesen Batterien gibt es sehr unterschiedliche Typen. Es kommt sehr darauf an, welcher Elektrolyt verwendet wird und welche Leistungsdichte und Leitsubstanzen die Batterien besitzen. Da gibt es eine ganze Bandbreite, mit entsprechend unterschiedlich gefährlichen oder auch nicht gefährlichen Batterietypen. Pauschal gefährlicher sind Lithium-Ionen-Batterien nicht.

Brennen Lithium-Batterien stärker oder heißer als ein konventioneller Benzintank?

Wenn Benzin austritt läuft es überall hin und birgt zudem Explosionsgefahr. Bei einer Batterie können nur minimale Mengen austreten, die Explosionsgefahr gibt es bei für Fahrzeuge zugelassene Batterien nicht. Dagegen entstehen beim Batteriebrand höhere Temperaturen. Direkt an der Flamme gemessen können Temperaturen von bis zu 1200 Grad entstehen, beim Benzin etwa 800 Grad.

Dekra-Experte Markus Egelhaaf.
Dekra-Experte Markus Egelhaaf. | Bild: Dekra

Wie lassen sich solche Batterien am schnellsten und sichersten löschen?

Bei den Fahrzeugbatterien ist das Problem, dass man an die Zellen selbst gar nicht rankommt, weil sie alle eingekapselt sind. In der Zelle sind alle für eine Verbrennung erforderlichen Substanzen enthalten: Sauerstoff und brennbarer Stoff. Durch die Energie des Kurzschluss entsteht die Zündquelle. Deshalb kann man einen Batteriebrand auch nicht ersticken, sondern muss versuchen, den „thermal runaway“ zu unterbinden, indem man die Batterie massiv gekühlt. Da ist das einfachste Löschmittel nach wie vor Wasser - viel Wasser.

Was kann ich als Fahrer eines Elektroautos machen, wenn es plötzlich raucht?

Wenn es anfängt zu rauchen oder zu brennen, sollten Sie das Fahrzeug – wie jedes andere konventionell angetriebene auch - in einem sicheren Bereich am Straßenrand abstellen, nicht im Tunnel oder unter Brücke stehen bleiben. So viel Zeit bleibt in jeden Fall. Denn es ist nicht so, dass das Fahrzeug explosionsartig beginnt zu brennen.

Ist es sinnvoll, einen Feuerlöscher mitzuführen?

Das bringt nur etwas, wenn die Batterie selbst nicht brennt. Für einen Elektronikbrand im Auto kann der Feuerlöscher ein gutes Mittel der Erstbekämpfung sein, aber einem Batteriebrand ist damit nicht beizukommen.

 

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