Ravensburg Glücklicher Ausgang nach schrecklicher Diagnose: Wie ein Arzt einen fast fünf Kilo schweren Riesentumor operiert

Ein Chirurg in Ravensburg entfernt einen fast fünf Kilo schweren Riesentumor. Bis zuletzt hatte die 50-jährige Patientin gar nicht bemerkt, dass in ihrem Bauch ein gefährliches Geschwür heranwächst.

Es begann in der Woche vor Weihnachten. Mit einem Gefühl, das jeder kennt. "Ein Unwohlsein in der Bauchgegend – so hat es mir die Frau beschrieben", berichtet Winfried Leiprecht, Pressesprecher der Oberschwabenklinik Ravensburg. Dass sie zu diesem Zeitpunkt bereits einen Tumor in sich trug, der auf eine Größe von 35 mal 32 mal 17 Zentimer anwachsen sollte, damit hätte die 50-Jährige nicht gerechnet. Als Chefchirurg Ekkehard Jehle das gefährliche Geschwür entfernte, wog das sogenannte Liposarkom exakt 4840 Gramm.

Erste Anzeichen von Unwohlsein, bemerkte die Frau während eines Skiausflugs. Beim Skifahren habe sie gespürt, dass etwas in ihrem Körper nach unten sackt, sagt Leiprecht. Der Bauchnabel habe sich verdächtig nach außen gewölbt, die Skihose wollte nicht mehr passen. Zunächst konnte sich die 50-Jährige die Ursache nicht erklären. Übergewichtig sei sie nicht, beschreibt Leiprecht die berufstätige Frau. Dass sie nicht früher bemerkte, dass ein Tumor in ihr wächst, habe damit zu tun, dass sie sich nicht regelmäßig gewogen habe.

Da sie keine akuten Schmerzen spürte, ließ die Frau noch einmal zwei Wochen verstreichen, bevor sie ihre Hausärztin aufsuchte. Ab dann ging alles schnell. Denn über die Ultraschallergebnisse erschrak die Ärztin so sehr, dass sie ihre Patientin in die Klinik verwies. Eine Computertomografie gab dort Aufschluss: Im Körper der Frau war ein enormer Tumor herangewachsen.

Die CT-Aufnahme des bösartigen Tumors.
Die CT-Aufnahme des bösartigen Tumors. | Bild: Oberschwabenklinik Ravensburg

"Ein Liposarkom ist bösartig", erklärt Chefarzt Ekkehard Jehle. "Jedes Organ, in welches dieser Tumor einwächst, muss mit dem Tumor zusammen entfernt werden." Aber: Die Patientin hatte Glück im Unglück. In ihrem Fall war das Liposarkom noch nicht mit den Bauchorganen verwachsen. Lediglich ein 20 Zentimeter langes Stück des Dickdarms musste sicherheitshalber mitentfernt werden.

Ein Schnitt vom Brustbein bis zum Schambein

Knapp vier Stunden dauerte die Operation. Zunächst wurde mit einem großen Schnitt vom Brustbein bis zum Schambein und einem zusätzlichen seitlichen Schnitt der Bauchraum geöffnet. Dann löste Jehle unter Mithilfe von sechs Mitgliedern des Krankenhauspersonals den Tumor Millimeter für Millimeter heraus. "Man muss sehr aufpassen, dass man nichts verletzt", betont der Chirurg. In unmittelbarer Nähe des Tumors befanden sich Harnleiter, Zwölffingerdarm, Niere, Nebenniere und weitere wichtige Organe. Trotzdem sei der Eingriff verhältnismäßig einfach gewesen: "Liposarkome sind abgekapselt und lassen sich trotz ihrer Größe meist relativ gut entfernen."

 

Der Operateur: Chefchirurg Ekkehard Jehle
Der Operateur: Chefchirurg Ekkehard Jehle | Bild: Oberschwabenklinik Ravensburg

Nachdem die Operation abgeschlossen war, konnte Jehle der Frau eine weitere positive Nachricht überbringen. Eine Chemotherapie sei nicht nötig. Nur eine Kontrolluntersuchung in drei Monaten habe er ihr dringend ans Herz gelegt.

So selten, wie man annehmen könnte, sind Liposarkome nicht. In Ravensburg werden pro Jahr zwei bis drei dieser Tumore des Weichteilgewebes entfernt. Ekkehard Jehle musste sogar schon Liposarkome operieren, die noch größer waren, als das der 50-Jährigen. In ihrem Fall war der Eingriff erfolgreich. Nach zehn Tagen in der Klinik konnte die Frau wieder nach Hause. Zurück in ihren Alltag, aus dem sie so jäh gerissen worden war.

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