London Der Putz bröckelt: Der Buckingham-Palast wird saniert

Buckingham-Palast soll aufwendig saniert werden. Dies kostet die Briten über 360 Millionen Pfund. Das begeistert nicht alle in Großbritannien

Auf den ersten Blick strahlt der Buckingham-Palast nichts als Prunk aus. Jeden Tag zieht es Tausende Touristen vor die Tore der offiziellen Residenz von Königin Elizabeth II. – voller Hoffnung, durch die Gitterstäbe hindurch den herrschaftlichen Glanz bewundern zu können. Doch bei genaueren Hinsehen fällt etwas auf: Risse in den Mauern der Monarchenresidenz. Der Buckingham-Palast bröckelt.

Als im vergangenen Jahr ein Handwerker eine Privat-Toilette der Queen reparieren sollte, kam ihm das komplette Klo aus der Wand entgegen, wie die britische Zeitung „The Guardian“ berichtete. Und ein Stück der alten Außenfassade brach vor einigen Jahren ab und verfehlte nur knapp eine Karosse des königlichen Fuhrparks.

Ohne die Renovierung besteht nach Regierungsangaben „eine ernste Gefahr“ durch Feuer und Wasserschäden – so wie in Schloss Windsor, wo 1992 ein verheerender Brand wütete. Damals konnte erst nach neun Stunden das Flammenmeer gelöscht werden, fünf Jahre dauerte der Wiederaufbau. Das soll nun alles anders werden: Die Bauarbeiten starten im April.

Die Sanierung und Renovierung ist die aufwendigste seit dem Zweiten Weltkrieg. Mehr als 160 Kilometer Elektrokabel müssen ersetzt werden, genauso wie 2500 Heizungen, 6500 Steckdosen, 330 Sicherungskästen und Wasserrohre in einer Länge von fast 50 Kilometern. Die Dimension der Sanierung des Palasts mit seinen 775 Räumen ist immens. Bauzeit: lange zehn Jahre. Kosten: stolze 369 Millionen Pfund (etwa 440 Millionen Euro). Doch die Queen selbst muss dafür keineswegs ihr Privatvermögen angreifen. Die Baumaßnahmen sollen aus den jährlichen staatlichen Zuwendungen ans Königshaus bezahlt werden. Die Regierung hat den Plänen bereits zugestimmt.

Die Ankündigung kommt zur Unzeit. Nachdem sich im Juni die Mehrheit der Briten für einen Austritt aus der EU entschieden haben, steht die Wirtschaft vor ungewissen Zeiten. Dass letztlich der Steuerzahler für die Sanierung eines Palasts bezahlt, der ihm nur wenige Tage im Jahr zugänglich ist, sorgt zudem für Ärger auf der Insel.

Ausgerechnet jetzt sollen Hunderte Millionen in den Palast investiert werden? Mehr als 120 000 Menschen haben bereits eine Petition unterzeichnet, mit der sie erreichen wollen, dass die Queen, immerhin auch privat eine der reichsten Frauen auf der Insel, ihren Teil besteuert. „Wir haben eine nationale Wohnungskrise, das Gesundheitssystem steckt in der Krise, die Sparpolitik zwingt uns zu Einsparungen bei Dienstleistungen, die an vorderster Front stehen“, so Mark Johnson, Initiator der Petition. Dagegen sei das Vermögen der Krone „unschätzbar“. Er habe nur ein Wort für das Vorhaben übrig: „Skandalös“.

Doch sowohl vonseiten der konservativen Regierung als auch vom Großteil der oppositionellen Labour-Partei hieß es, das Gebäude sei ein „nationales Denkmal“ und würde dementsprechend behandelt. Trotzdem fügten einige Politiker vorsichtig an, dass sie keineswegs ablehnen würden, sollte die Königin anbieten, einen Teil der Kosten zu übernehmen. „Es wäre ein netter Zug, wenn der Palast ein bisschen öfter und kostenfrei der Öffentlichkeit zugänglich gemacht würde“, bemerkte zudem John McDonnell, Finanzminister im Schattenkabinett.

Finanziert werden sollen die Maßnahmen durch eine höhere Ausschüttung aus dem „Crown Estate“, der Gesellschaft, die die Gebäude der Royals verwaltet. In diesem Jahr wurden fast 43 Millionen Pfund beziehungsweise 15 Prozent der Gewinne des „Crown Estate“ an die königliche Familie ausgezahlt, künftig sollen es während der Bauzeit 25 Prozent sein. Viele Steuerzahler reagierten empört.

Die Renovierung kostet viel Geld, wie der Chef des königlichen Haushalts, Tony Johnstone-Burt, einräumte. Letztlich sei sie aber im Sinne der Steuerzahler. Schließlich könne man so „einen viel teureren und katastrophalen Gebäudeschaden in den kommenden Jahren verhindern“. Zudem soll das Geld wieder reingeholt werden: Nach dem Umbau sollen mehr Touristen durch die königlichen Flure schlendern.

Der Buckingham-Palast ist aber nicht die einzige Touristenattraktion in London, die in den nächsten Jahren generalüberholt werden muss. Das gesamte Parlamentsgebäude soll einer Schönheitskur unterzogen, Unmengen an Rohren ausgetauscht und gesundheitsgefährdendes Asbest beseitigt werden. Kosten: mehrere Milliarden. Bauzeit: über 30 Jahre. „Fundamentale Reparaturen sind unumgänglich“, heißt es in einem Expertenbericht, den die Regierung in Auftrag gegeben hatte. Bröckelnde Decken und geplatzte Rohre machten den Parlamentariern zu schaffen. Womöglich müssen sie während der Bauarbeiten aus dem historischen Gebäude ausziehen. Doch das wird noch einige Jahre dauern – die Planungen für das Großprojekt sind noch in vollem Gange.

Die Räume der Royals

Die Renovierung des Buckingham-Palasts mit seinen 775 Räumen ist ein Mammutprojekt. Das historische Gebäude hat 19 Prunkgemächer, 52 Schlafzimmer für die Royals und ihre Gäste, 188 Schlafzimmer für die Angestellten, 78 Badezimmer, 92 Büros, 1514 Türen, 760 Fenster und über 350 Uhren. (dpa)

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