Überlingen "Der Körper isst sich selbst": Eine Fastenexpertin gibt im Interview Tipps

Was passiert mit dem Körper, wenn er keine Nahrung bekommt? Und welche Fehler sollten Fastenanfänger vermeiden? Eva Lischka ist Chefärztin an der Buchinger-Wilhelmi-Klinik in Überlingen. Im Gespräch mit dem SÜDKURIER teilt sie ihre Fastentipps und verrät, warum sie selbst zweimal im Jahr fastet.

Warum soll es dem Körper helfen, wenn er keine Nahrung bekommt? Und auf was sollten Fastende unbedingt achten? Im Interview teilt Fastenexpertin Eva Lischka von der Buchinger-Wilhelmi-Klinik für Heilfasten, integrative Medizin und Inspiration ihre Erfahrungen.

Frau Lischka, 40 Tage lang Fasten: Geht das überhaupt?

Wir hatten in unserer Klinik schon Patienten, die das gemacht haben. Unbeaufsichtigt ist es allerdings nicht zu empfehlen. Wer so lange fastet, muss von einem erfahrenen Arzt begleitet werden, der den Mineralienhaushalt kontrolliert und immer wieder ein EKG schreibt. Ein gesunder Mensch kann aber problemlos eine Woche lang alleine zu Hause fasten. Da sehe ich keine Gefahren. Ich persönlich faste zweimal im Jahr. Und das schon seit 33 Jahren. Einfach, weil es gut für die Stimmung ist.

Auf was sollten Fastenanfänger achten?

Erst mal ist es wichtig, dass man die Fastenphase in eine Zeit legt, in der man Ruhe hat. Vielleicht auch eine Zeit, in der keine Geburtstagsfeiern anstehen. Schon am Tag vor Fastenbeginn sollte man weniger essen und auf Fleisch verzichten. Hat die Fastenphase begonnen, ist das Wichtigste: Viel Trinken. Während des Fastens sollte man sich bewegen, aber nicht überanstrengen. Schwangere und stillende Mütter rate ich vom Fasten ab. Wer Medikamente nimmt, darf nur unter ärztlicher Aufsicht fasten. Weitere Tipps finden Interessierte in dem Buch „Wie neugeboren durch Fasten. Der große ärztliche Leitfaden für Gesunde“, das schon in viele Sprachen übersetzt worden ist. Der Autor Hellmut Lützner ist gerade 90 geworden, ein Pionier für das Fasten für Gesunde.

Ansonsten empfehle ich für das erste Mal das Fasten in Gruppen. Es gibt zahlreiche Fastenleiter, die zum Beispiel an Volkshochschulen Fastenkurse anbieten. Und: Es gibt die Deutsche Fastenakademie und den Verein der Unabhängigen Gesundheitsberater (UGB). Beide bilden Fastenleiter aus. Man kann im Internet nachsehen, wo in der Nähe der nächste zu finden ist.

Führt Fasten automatisch dazu, dass man abnimmt?

Am ersten Tag zehrt man noch von den gespeicherten Kohlenhydraten, dann von Eiweiß. Aber danach schaltet das Gehirn um und baut Bauchfett ab. Dieses Fett ist als Speicherorgan für schlechte Zeiten angelegt, in denen es nichts zu essen gibt. In frühen Zeiten gab es Phasen, wo es wochenlang nichts zu essen gab. Das haben die Menschen überlebt, weil wir in der Lage sind von unseren eigenen Ressourcen zu zehren. Heutzutage haben wir zu viel Essen zur Verfügung und bewegen uns zu wenig. Deswegen steigt bei vielen das innere Bauchfett immer mehr. Der Blutdruck geht in die Höhe, Fettstoffwechselerkrankungen treten auf. Zucker, Krebs, Depressionen – das alles können Folgen von Übergewicht sein.

Abnehmen ist also gesund, aber ist Fasten nicht etwas extrem?

Wenn von außen keine Nahrung kommt, ist der Körper quasi dazu gezwungen, sich selbst zu essen. Das nennt man Autophagie. Mit diesem Prozess bauen unsere Körperzellen unbrauchbare und beschädigte Zellbestandteile ab. Die Zellen verwerten diese dann, um neue Bausteine zu generieren. Man muss sich fasten wie ein Recyclingprogramm vorstellen, das die Zellen reinigt und entsorgt. Eine Art Aufräumen im Körper.

Wie leistungsfähig ist der Fastende in dieser Zeit?

Der Körper ist auch während dem Fasten leistungsfähig. Man muss auch keine Angst zu haben, dass man Kraft verliert. Eine Studie hat gezeigt, dass Teilnehmer, die vier Wochen lang nach der Buchinger Methode gefastet und gleichzeitig Sport getrieben haben, ihre Leistungsfähigkeit und Muskelkraft sogar steigern konnten.

Haben Sie auch einen Tipp für Menschen, die nicht unbedingt fasten, aber während der Fastenzeit doch gesünder leben wollen?

Dann würde ich auf Fleisch und Wurst verzichten, weniger tierische Fette zu mir nehmen und mehr Gemüse und Salat essen. Auf Genussgifte wie Zigaretten und Alkohol verzichten. Beim Thema Kaffee muss man ein bisschen umdenken: Da hat man festgestellt, dass der doch wichtige Inhaltsstoffe hat, wenn man keine Milch und keinen Zucker hinein tut. Dann schützt Kaffee sogar vor Diabetes.

 

 

Fragen: Daniel Schottmüller

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